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Serie B, Saison 09/10, 17.10.2009

 

Modena F. C. – Frosinone Calcio

0:3

Modena, Stadio Braglia (6.012 Zuschauer)

 

Die goldene Herbsteszeit ist Urlaubszeit! Wohin legt im Allgemeinen die holde Göttergattin fest, die schlechtere Hälfte darf allenfalls kleinere Korrekturwünsche äußern. Die Tage verstrichen, die Nächte verrannen und eines Abends rückte sie dann endlich mit dem Reiseziel raus: Apulien! Der Absatz am Stiefel, ca. 2.000 km südlich von Berlin gelegen, eine gute Wahl. Der Auftakt war allerdings gelinde gesagt beschissen. Am Freitagmittag gestartet begleitete uns Dauerregen und Ferienverkehr in den Süden und so unterbrachen wir die Fahrt bereits nördlich von München (genauer in Erding) zwecks Übernachtung. Fußballtechnisch gab es bis auf den ewig jungen Bayernliga-Klassiker TSV Buchbach gegen den FC 04 Ingolstadt II nix und selbst dafür war die Lust doch sehr beschränkt. Aber so ganz sportlos sollte dieser Abend nicht zu Ende gehen und schuld daran war ein kleiner Hinweis der regionalen Tagesspresse, die recht ausführlich das Match des TSV Erding (neudeutsch mit Zusatz „Gladiators“) gegen den EHC Waldkraiburg („Die Löwen“) in der Eishockey-Bayernliga ankündigte. Die sieben Euro Eintritt waren gut investiert, da es sich um eine sehr ordentliche Veranstaltung handelte und daher auch mit ein paar Zeilen an dieser Stelle gewürdigt wird.

An diesem Freitagabend stand der erste Spieltag der Bayernliga auf dem Programm. 16 Teams spielen den offiziellen (oder inoffiziellen) bayrischen Meister aus, zuerst in einer Einfachrunde mit Hin- und Rückspiel und danach dürfen die ersten Acht den Meister und der Rest den Absteiger ausmachen. Für einen einfachen Sieg gibt es drei Punkte, für ein Unentschieden einen  und für den Sieger des Penaltyschießens noch einen Zusatzpunkt. Ein Ausländer pro Team ist erlaubt (der dann auch meist ein paar Euro verdient) und für den Rest der Mannschaft gibt es maximal eine Aufwandsentschädigung. Star der Liga ist sie selbst, dass heißt der Verband hat das Sagen und nicht die Vereine. Letztlich haben sich alle dem Willen (und Wohl) der Bayernliga unterzuordnen und mit diesem autokratischen Führungsstil scheint man alles richtig zu machen. Der Meister aus der Vorsaison (Schweinfurt, später auch der Vizemeister Peißenberg) hat freiwillig auf den Aufstieg verzichtet um in der deutlich attraktiveren Bayernliga (4. Liga) bleiben zu dürfen und nicht in die trostlose Oberliga (dritthöchste Liga) aufzusteigen. Wer allerdings von der Oberliga in die Bayernliga will muss regulär absteigen, denn so was wie etwa insolvent gehen um dann in der nächsten Saison in der Bayernliga spielen zu dürfen, geht nicht. Das Resultat dieser strengen Verbandspolitik ist u. a., dass es in den letzten Jahren (fast) keine Vereinspleiten gab. 

 
 

Gut 700 Zuschauer wollten sich die Auftaktpartie in Erding ansehen und die sollten Ihr Kommen nicht bereuen. Die Eintrittspreise waren human, zwei gleichgroße Fangruppen standen fast nebeneinander und sorgten für optische und akustische Aktionen. Das Tor der Erdinger hütet übrigens eine Frau (deutsche Nationaltorhüterin), namens Viona Harrer die ihre männliche Konkurrenz auf die Bank spielte. Eishockeyspiele sind von Natur aus schon ziemlich flott und bis auf eine zünftige Massenschlägerei bekam man alles was das sportbegeisterte Herz begehrt. Zwei Minuten vor Schluss stand es noch 3:3, ehe die Gäste in Führung gingen. Ein paar Sekunden später glich Erding zum 4:4 aus und so musste das Pentaltyschießen über den letzten Punkt entscheiden. Dieser ging nach gefühlten 50 verwandelten Treffern letztlich an die Gäste. Abseits des Eises wurde man hervorragend mit Speis und Trank versorgt und so fällt das Fazit wie folgt aus: Eishockey in Bayern, immer wieder gerne!

Am nächsten Tag, das Wetter war immer noch beschissen, sollte dann wieder der Ball rollen. Richtig zügig kamen wir nicht voran und vertrödelten obendrein noch wertvolle Minuten. Ab dem Brenner zeigte sich dann endlich die Sonne und so hieß es die verlorene Zeit wieder einfahren, was auch klappte. Acht Minuten vor dem Anpfiff stand ich an der Biglietteria und acht Minuten nach Anstoß war ich im Stadion. Ich erwischte natürlich die Schlange an deren Ende hinter der Glasscheibe die (wenn auch hübsche) Azubine saß und die Tastatur bediente wie ein Afghane (d. h. ein Anschlag pro Tag). Aber besser zu spät als gar nicht, wie am Anfang des Jahres, als ich hier mit dem Polpetönschen aus Göttingen eine Spielabsage erlebte. Das Stadio Braglia (benannt nach dem Turn-Olympiasieger Alberto Braglia) gibt es in seiner heutigen Form erst seit 2006. Das „alte“ Stadion gab es hier schon seit 1936, es musste allerdings komplett renoviert werden. Heute sind drei Seiten überdacht, früher gab es diesen Luxus nur für die Besucher der Haupttribüne. Gefallen tut es mir nicht, alle Sitze sind pissgelb (und halt nicht sattgelb wie die Vereinsfarben), die Akustik unterm Dach ist auch nicht die beste und zudem sitzt man trotz fehlender Laufbahn doch sehr weit weg vom Spielgeschehen. Der Modena Football Club (gegründet 1912) muss sich das Stadion mit dem Kleinstadtclub Sassuolo Calcio teilen, weil deren Stadion nicht sicher genug ist. Zu Gast war heute der Überraschungstabellenführer aus Frosinone (Region Lazio), der hoffentlich seinen Kader nicht mit nicht vorhandenen Geldern auffüllt und das gleiche Schicksal wie z. B. Venezia, Pisa oder Avellino ereilt, die zu Beginn der Saison in die Serie D strafversetzt wurden.

Gut 6.000 Zuschauer, davon ca. 300 Leutchen im Gästeblock wollten sich die Partie geben, wobei sich die Mehrzahl der Zuschauer im Heimblock hinter dem Tor versammelte. Dort gab es ein paar Supportwillige, wobei das aber auch nicht das Gelbe vom Ei war. Die führende Ultragruppierung löste sich vor ein paar Jahren auf und diese Auswirkungen konnte man hören bzw. nicht hören. Der Gästeanhang war da schon ein bisschen besser aufgelegt, aber bei dem locker flockigen Auswärtssieg auch kein Wunder. Fazit: Wenigstens ein paar schöne Tore gesehen.

Tore: 0:1 (18. Min.) Cariello, 0:2 (58. Min.) Troianiello, 0:3 (85. Min.) Perna (ET)

 
 
 
 

Tageskilometer:                   1.100 km von Berlin nach Modena

Saisonkilometer:               24.324 km KFZ (3.196 km Flug, 15.672 km Bahn, 5.456 km KFZ)

zum Vergleich 08/09: 59.549 km: (16.833 km Flugzeug, 30.001 km Bahn, 12.355 KFZ, 360 km Bus)

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