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Premier-Liga,  Saison 2009, 26.07.2009

 

CSKA Moskau - FK Spartak Moskau

1:2

Moskau, Olimpiyskiy Stadion Luzhniki (60.000 Zuschauer, ausverkauft)

 

Nachdem der ganze organisatorische Quatsch wie Umziehen und Check-Out erledigt war, zogen die drei hungrigen Wölfe durch die Straßen Moskaus um fette Beute zu machen. In einem eigentlich viel zu teuren Cafe wurden wir dann endlich fündig, denn es gab endlich etwas Gescheites zwischen die Kiemen. Von Mc Doof mal abgesehen, ist gutes und günstiges Essenfassen in Moskau eine Lotterie. Vielleicht waren wir auch einfach zu dusselig, auf jeden Fall ist dies ein guter Ort um ein paar überschüssige Pfunde loszuwerden. Unsere Reiseführerin aus dem Harz machte uns den Vorschlag hoch zu Universität zu fahren, da man von dort oben einen ganz netten Ausblick über die Stadt hätte. Von unserer „Heimat“-Metrostation (Park Kultury) waren es nur ein paar Minuten und vorbei am Olympiastadion (Station: Sportiwnajc oder Worobjowy Groy) verließen wir an der Universität schon wieder die Metro. Die Lomonossow-Universität (kurz MGU) liegt auf den Sperlingsbergen und das Hauptgebäude dieser Bildungseinrichtung ist nicht zu verfehlen. 250 Meter ragt der riesige Turm des noch riesigeren Hauptgebäudes in den Himmel und wurde einst von unserem Juppchen in seinem so geliebten Zuckerbäckerstil erbaut. Der Bau ist übrigens eins der so genannten sieben Schwestern (die ursprünglich als acht Brüder geplant waren) mit denen sich der große Führer ein paar Denkmäler setzen wollte. Sieben Dinger (darunter u. a. das Hotel Ukrania und das Außenministerium) wurden zu Lebzeiten in Moskau gebaut und als das finale Achte aus dem Boden gestampft werden sollte, lag der große Held des vaterländischen Kriegs schon in seiner Gruft. Am späten Sonntagvormittag war von den 40.000 hier Studierenden nicht viel zu sehen und auch der Autoverkehr hier oben war sehr spärlich (während unten im Tal der alltägliche Blechkampf tobte). Etwas lebhafter wurde es erst auf der Aussichtsplattform, die sich direkt neben der Skisprungschanze (kein Scherz, da steht wirklich eine) befindet. Neben den üblichen Nippesverkäufern und den dazugehörigen Touris, waren auch schon die ersten Spartak-Anhänger (natürlich wieder schwer am Saufen) zu erblicken. Direkt gegenüber der Aussichtplattform thront das Luschniki, ein wahres Prachtstadion, und zog uns alsbald in seinen Bann. Wir schlenderten runter zum Ufer der Moskwa, überquerten diese durch die Metrostation (Kostenpunkt 22 Rubel, die man sich hätte sparen können wenn wir nicht auf mich gehört hätten – für alle Nacheiferer und Sparfüchse: es gibt eine kleine Brücke die außen entlang führt) und mussten uns anschließend durch ein paar Milizkontrollen kämpfen um zum Platz unser Begehrlichkeiten zu gelangen.

 
 
 
 

Beim Abgleich der Sektorenbeschreibung unserer Tickets mit dem Stadionplan stellten wir fest, dass unsere Plätze nicht wirklich optimal waren. Wir versuchten daher etwas ruhigere Sitzgelegenheiten für uns zu finden, wobei uns ein (Achtung, jetzt wird es international) Italiener, der in der US-Botschaft in Moskau arbeitet, sehr behilflich war. Zwei Stunden vor Spielbeginn waren zumindest in den beiden etwa gleichgroßen Fanblöcken (links Spartak, rechts CSKA) Einiges auf den Beinen. Der Zentrale Sportklub der Armee und dreimalige russische Meister (dazu kommen noch sieben Meisterschaften aus der UdSSR) hatte heute Heimrecht, war aber – rein subjektiv – eher in der Minderheit. Die Heimkurve präsentierte zu Beginn eine sehr gelungene Zettelchoreo in den Vereinsfarben, auf der „Warriors“ zu lesen war. Optisch noch einen Zacken besser war der Spartak-Anhang, der ein riesiges Banner entrollte auf dem eine perfekte Nachbildung von Michelangelos Erschaffung Adams zu sehen war. Der berühmte Finger erweckte hierbei nicht Adam, sondern Spartak, symbolisiert durch das ins Bild geschmuggelte Vereinswappen. Im weiteren Verlauf der Partie machten beide Seiten ordentlich Rabbatz, wobei sich rein subjektiv der „Auswärtsmob“ ein bisschen geschlossener und lauter präsentierte. Nebenbei bemerkt baut Spartak sich gerade ein neues Stadion, da das Luschniki sich im Besitz von Torpedo Moskau befindet und man sich auch sonst hier nicht wohl fühle. Das Spiel war gut, beide Seiten glänzten mit ihren technischen Fähigkeiten und dadurch entstanden viele Strafraumszenen. Trotz Rückstand gewann der russische Rekordmeister verdient.

Tore: 1:0 (12. Min.) Semberas, 1:1 (23. Min.) Alex, 1:2 (64. Min.) Alex (FE).

 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nach dem Abpfiff verließen wir zügig, aber keineswegs überhastet, auf Schleichwegen das Areal. Den großen Massenandrang (eher Abdrang) konnten wir so geschickt umgehen und waren recht zeitig wieder am Hostel. Die beiden Kollegen sammelten ihre sieben Sachen ein und traten den Heimweg an, während ich noch in meinem Stammsupermarkt vertraute Produkte einkaufte und mich anschließend mit meinen neuen slowenischen Zimmergenossen bekannt machte. Nach ein bisschen Konversation über dies und das beendete ein Schweißausbruch erster Kajüte den zweiten Tag unterm mittlerweile schweineheißen Moskauer Himmel.

Als morgens um sieben einer nach dem anderen erwachte war es schon dermaßen warm, dass man freudig aus dem Federn sprang um unters kühle Nass zu springen. Einen vollen Tag hatte ich noch vor mir und der sollte auch gut genutzt werden. Das Frühstück ließ ich mal Frühstück sein, schließlich gab es wichtigeres zu tun. Erstes Etappenziel hieß Kiewer Bahnhof, um das dortige Gebäude genauer unter die Lupe zu nehmen (irgendwie stehe ich auf Bahnhöfe) und zum anderen den im Reiseführer angepriesen Bootsableger zu finden. Der Bahnhof gefiel und auch das zweite Objekt meiner Begierde konnte in unmittelbarer Nähe (welch Wunder, direkt am Fluss) gefunden werden. 400 Rubel kostete der Spaß, aber die Investition lohnte sich allemal, da man an fast allen wichtigen Punkten (u. a. dem Luschniki) der Stadt langschippert. Für die meist russischen und wenigen ausländischen Passagiere an Bord präsentierte die Miliz am Ufer ein bizarres Schauspiel in dem eine Wasserleiche die Hauptrolle spielte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Russland und insbesondere Moskau eine der höchsten Selbstmordraten weltweit haben soll und wundern tut mich das nicht. Der karitative Gedanke ist nicht unbedingt ein Schwerpunkt der russisch-orthodoxen Erziehung, aber dies ist eine rein subjektive Bewertung.

Nach diesem kleinen Schocker ging es an den Platz den ich immer schon beehren wollte – den Gorki Park. Das Verlangen diesen Ort zu besuchen basiert auf dem Film mit dem genialen Lee Marvin in einer der Hauptrollen und ist genau genommen absurd, da nur die Anfangssequenz und die dazu noch im Finnland nach gebauten Gorki-Park spielt. Der Park liegt direkt am Fluss und ist ewig lang und breit. Eintritt muss man auch berappen bzw. berubeln, wenngleich er nicht hoch war. Genau genommen ist der Park heute ein großer Rummel mit ein paar Bäumchen, Seen, Fressbuden und vor allen Dingen kleinen Biergärten zum Saufen. Auch wenn es schwer zu beschreiben ist, war das fett in Sonne sitzen, Baltika trinken und dabei die Musik aus dem MP3-Player zu hören die man liebt,  so ein Moment den man ewig in seinem Hirn mit sich rumschleppt und wohin man immer wieder zurückblickt und dabei mit jedem verdammten Tag älter wird. Nicht verstanden?

Bis zum Aufbruch schimmelte ich noch im Park rum, ehe es via Metro, Metroexpress und Aeroflot zurück nach Berlin ging. Neben einem halben Liter Wodka, schönen und schaurigen Erinnerungen schleppte ich noch eine fette Erkältung dank der scheiß Klimaanlage mit nach Hause.   

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tageskilometer:                 1.598 km Flug von Moskau nach Berlin

Saisonkilometer:               4.748 km KFZ (3.196 km Flug, 1.552 km KFZ)

zum Vergleich 08/09: 59.549 km: (16.833 km Flugzeug, 30.001 km Bahn, 12.355 KFZ, 360 km Bus)

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