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Serie C1A, Saison 08/09, 11.01.2009

 

Calcio Padova 1910 - A. C. Legnano

0:0

Padova, Stadio Comunale Euganeo (3.411 Zuschauer)

 

Primäres Ziel unserer Tour war Stressvermeidung pur (hoho, ein Schüttelreim) und das kleinste Zeitloch hatten wir nach dem Abpfiff in Mantova und dem Eröffnungsbully (20:30 Uhr) in Asiago. Unser vermeintlich strategisch günstiger Parkplatz in einem Wohngebiet erwies sich leider als Rohrkrepierer, weil wir dadurch einen größeren Umweg zur Autobahn zurücklegen mussten. Vicenza (ca. 100 km nördlich von Mantova) erreichten wir um Punkt 19:30 Uhr, um dort Sebi einzuladen und schon mal die Klamotten in seiner Wohnung zu deponieren. Asiago liegt ca. 50 Kilometer im Norden von Vicenza auf 1.000 Meter Höhe und mit jedem zurückgelegten Kilometer stiegen die am Straßenrand aufgetürmten Schneemassen. Das sah im Dunkeln schon ziemlich genial aus und die Landschaft am Tage hätte garantiert schwer zu begeistern gewusst. Etwa eine halbe Minute vor Spielbeginn (Eintritt einheitlich 10 Euro) betraten wir die vielleicht 3.000 Zuschauer fassende Halle. Der Eishockeysport (hockey su ghiaccio) hat in ausgesuchten Gebieten (z. B. Bozen, Cortina, Fassa, aber auch Mailand) ein große Anhängerschaft. Die Serie A gibt es schon seit 1924 und Rekordmeister ist der HC Bozen (23), wenngleich 32 Titel an acht verschiedene Mailänder Clubs gingen. Der Modus ist ein wenig verwirrend, zumindest für mich. Erst wird eine (oder zwei) normale Runden gespielt, anschließend werden die Punkte durch drei geteilt und dann fängt die Hauptrunde an, die lediglich dazu dient die Plätze für die Playoffs zu vermitteln. Heute war schon der erste (oder zweite) Spieltag der Hauptrunde und der Gegner kam aus Alleghe. Das Spiel war im Vergleich zu den gesehen Fußballspielen noch das Beste an diesem Wochenende und Asiago siegte nach einer turbulenten Schlussphase mit 6:3. Auch das ganze Ambiente Drumherum war schon sehr nett und als besondere Spezialität gab es hier einen heißen Rotwein (kein Glühwein) an dem man sich hätte totsaufen können

 
 

Nach dem Spiel knurrten die Mägen gewaltig, da jedoch Sebi davon abriet „hier oben“ eine Lokalität aufgrund einer etwas ungünstigen Preisgestaltung aufsuchen, fuhren wir zurück nach Vicenza um dort kurz nach Mitternacht das obligatorische Mahl einzuwerfen. Den Rest des Abends verbrachten wir in einer nichtraucherfreien Kneipe und lauschten Sebi’s unzähligen Fußballgeschichten rund um Vicenza Calcio und führten die immer gleiche Diskussion wie z. B. ob Bad Religion genial ist (deren Meinung) oder ob sich jede Scheibe wie die andere anhört (meine Meinung). Irgendwann war dann Schluss mit lustig und Zeit sich auf das ausziehbare Schlafsofa zu betten, natürlich nicht ohne vorher eine letzte Flasche aus dem Regal des Gastgebers zu leeren. Brachial wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und gerechterweise hatte diesmal Mike einen dicken Schädel. Das Frühstück fiel italienisch aus, mag heißen schnell. Genauso flott entschieden wir uns für den Kick den Tages, da uns unser Gastgeber aus dem C1&C2 Programm nur zwei Partien aus verschiedensten Gründen nicht weg gestrichen hatte: Entweder nach Padova (wegen des Stadions) oder nach Portosummaga (Ground scheisse, aber gegen Venezia). Wir wählten die kilometermäßig kürzeste Variante, die da Padova war. Um 11 Uhr hieß es, mit der Erkenntnis der Ungewissheit ob es jemals eine neue Scheibe von Derozer (ein herber Verlust – Kostprobe gefällig: http://www.derozer.it/mp3/VideoStraniero.wmv , wenn das kein Brett ist) geben wird, Abschied nehmen. Unser anvisiertes Ziel lag gerade einmal 50  Kilometer entfernt und da wir noch satt Zeit hatten fuhren zum alten Ground ins Zentrum der 200.000-Einwohner zählenden Stadt. Hier bin ich schon mal vor ein paar Jahren gewesen und war begeistert von diesem ranzigen alten Teil. Wie der Zufall so wollte war das Areal geöffnet und ein einsamer Mann war damit beschäftigt Kreide auf den ziemlich ramponierten Rasen zu ziehen. Kreide + Rasen = Spiel !? Da die Aushänge  am Stadion eher verwirrend waren durfte sich der gute Mann gleich mal einen Wall an Fragen von uns gefallen lassen. Trotz seiner fehlenden Fremdsprachkenntnisse war zumindest in Erfahrung zu bringen, dass hier heute am späten Nachmittag ein Spiel der „Terza categoria“ stattfinden würde. Aber die wichtigen Informationen wie die Namen der an dieser Partie teilnehmenden Mannschaften und die genaue Anstoßzeit enthielt er uns ohne böse Absicht (Unwissenheit) vor. Den Aushängen nach war zu vermuten, dass noch eine Juniortruppe von „Calcio Padova 1910“ hier um 14 Uhr einen Kick absolvieren könnte und ein Kleinbus selbigen Vereins untermauerte unsere These. Naja, mit viel Glück könnte uns noch ein Spielchen in den Schoss fallen. Abwarten und Cappuccino trinken! Wir fummelten uns anschließend mit dem Auto noch ein bisschen durch die schmalen Gassen von Padova, ehe wir uns Richtung Stadio Euganeo, welches außerhalb der Stadt fast an der A4 liegt, aufmachten. Die überdimensionierte Sportstätte steht dort ziemlich verlassen in der Pampa rum und ist praktisch nur mit dem Auto zu erreichen. Kein Wunder, dass die örtliche Polizei penibel darauf achtete, dass ja jeder fein sein KFZ auf den dafür vorgesehenen Parkplatz abstellt. Logischerweise gegen eine Gebühr. Aber es sollte noch schlimmer kommen! Der Ticketkauf gestaltete sich noch problemlos (Curva, 10 Euro), aber als wir uns mit den Billets in den Händen einen Weg durch ein Knubbel von jungen bis mittelalten Menschen bahnen wollten, standen wir auf einmal inmitten einer politischen Kundgebung der Forza Nuova, einer – sagen wir mal – ehr konservativen Gruppierung. Es gab natürlich erstmal Stress, da mein Kollege seine eben nicht konservative politische Weltanschauung auch öffentlich zur Schau stellt. Das Scharmützel wurde löblicherweise verbal ausgetragen und mit einem auf „Doofmachen“ beendet. Zum Glück versammelte sich der einheimische Anhang / die politische Gruppierung auf der Haupttribüne, so dass wir in unserer Kurve im wahrsten Sinne des Wortes unsere Ruhe hatten. Auffallend noch die absolut überzogenen Sicherheitskontrollen, denen zwei Feuerzeuge zum Oper fielen.

 

 

 

Wir haben uns natürlich wieder den sportlichen Leckerbissen aus dem Spieltagsmenü servieren lassen, denn die Partie war der Langweiler schlechthin und endete wie der Kick gestern torlos. Das Stadion war zu gut einem Zehntel gefüllt (davon ca. zwei Dutzend Gästeanhänger) und damit kann sich jeder denken wie die Stimmung war. Richtig, scheisse! Aber unsere Laune war eh dahin und so quälten wir uns mehr schlecht als recht durch die Partie. Zumindest freuten wir uns in der in der zweiten Halbzeit schon auf den Abpfiff und hofften auf ein Spielchen in dem anderen Stadion.

 

Stadion:

Das Stadio Euganeo, benannt nach einer Bergkette in der Region, ist total überdimensioniert. Es verfügt über zwei doppelstöckige überdachte Tribünen auf den Längsseiten und zwei unüberdachte Stehplatzseiten hinter den Toren. Überdachungen müssen für diese Bereiche jedoch mal geplant gewesen sein, da die entsprechenden Pfeiler noch deutlich zu sehen sind. Trotz Laufbahn ist die Form des Stadions nicht oval, so dass man sehr weit vom Spielgeschehen entfernt sitzt bzw. steht.  

 
 
 

Tageskilometer:                    80 KfZ von Mantova nach Padova

Saisonkilometer:          40.567 km: 13.169 km Flugzeug, 23.309 km Bahn, 3.869 km KFZ, 220 km Bus

zum Vergleich 07/08: 63.094 km: (34.822 km Flugzeug, 15.407 km KFZ, 10.895 km Bahn, 1.157 km Bus, 490 km Schiff)

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