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Serie B, Saison 07/08, 23.02.08

 

 

U. S. Avellino - A. C. Chievo Verona

1:1

Avellino, Stadio Comunale Partenio (3.603 Zuschauer)

 

Nach Hoffenheim hieß der nächste planmäßige Stopp Avellino, rund 50 km östlich von Neapel und 1.400 km südlich von Sinsheim gelegen. Um 12 Uhr sollten dort die Kassen für den freien Kartenverkauf schließen und angesichts der 16 Stunden Zeit war das eigentlich kein Problem, aber eine Nachtbaustelle südlich von Karlsruhe und die mühselige Fahrt durch die Schweizer Berge ließen das Polster gegen Null schrumpfen. Aber als dann kurz hinter Milano erst die Müdigkeit und dann fetter Bodennebel für weitere Verzögerung sorgten, rückte ein pünktliches Erscheinen in weite Ferne. Eine Alternative zu Avellino gab es seit der Fährbuchung von Neapel nach Palermo am Samstagabend nicht mehr. Die endlose Fahrt endete letztlich um 13 Uhr vor bzw. innerhalb der Stadiontore, wobei sich für die letzten drei Kilometer ein Einheimischer bereit erklärte den Routenplaner zu spielen und mich durch den dichten Innenstadtverkehr zum Stadio Partenio zu lotsen. Auf den ersten und zweiten Blick lädt Avellino nicht zum Sightseeing ein, die Stadt hat vor 10 Jahren traurige Berühmtheit erlangt, als 130 Menschen einem Erdrutsch nach starken Regenfällen zum Opfer fielen. Im Jahre 2003 verunglückte ein Napoli-Fan im Stadion tödlich, woraufhin es zu Ausschreitungen kam und die Partie erst gar nicht angepfiffen wurde.

Kommt man den Berg rauf gefahren oder gelaufen liegt rechter Hand das Stadion des 1912 gegründeten Unione Sportiva Avellino mit dem Eingang zur Haupttribüne, linker Hand ein riesiger Parkplatz und etwas weiter am Eingang zur Basketballhalle (Air Avellino, erste Liga und mit ganz ordentlicher Stimmung unter dem Hallendach) befinden sich die (geschlossenen) Kassenhäuschen. Auf diesem Parkplatz findet samstäglich ein Markt mit anschließendem Großreinemachen statt und so war die Zufahrt noch versperrt, dafür konnte man aber ungehindert durch die Stadiontore bis an die Haupttribüne herangefahren. Der einzige Ordner kam zwar gleich um die Ecke geschossen, wollte mich aber keineswegs verscheuchen, sondern nur mitteilen, dass er mal bei Wolfswagen in Volksburg gearbeitet hat und bei Lupo Martini (heute Bezirksoberliga Braunschweig) gekickt hat. Sachen gibt’s! Das Kartenproblem hätte man mit einfachem Ausharren umgehen können, aber nach kurzem Herumirren fand ich in einer Art Garage eine weitere Person, die vor einem Rechner saß, ziemlich wichtig aussah und auch noch gut englisch sprach. Nach ein paar Sätzen entpuppte sich der Mensch als Italiener, der für eine Südtiroler Firma die ganzen Sicherungssysteme für die hiesigen Stadien installierte. Sein anschließendes Klagen führte er in Deutsch weiter und meinte, dass sein System exakt die staatlichen Vorgaben inklusive der Auswertung für das Finanzamt umzusetzen vermag, aber die Vereine immer Wege finden, dieses System zu umgehen. Damit waren wir genau beim Punkt, denn um mir ein Ticket zu besorgen, benötigte er nur einen Anruf und mein Problem war gelöst. So geht’s halt auch! Kurz danach war der Parkplatz wieder frei und danach musste dringend dem knurrenden Magen irgendwas Essbares zugeführt werden, aber um das Stadion herum herrschte nur tote Hose. Einzig ein fahrender Händler auf dem Parkplatz bot Baguettes zum Selberbauen an. Meine Wahl fiel auf Salsicce (der Mettwurst ähnlich, nur aufgeplatzt) mit scharfen Paprika und wer dies nicht gegessen hat, hat was verpasst im Leben! Die Zeit wurde mit dem Verzehr dann auch ausreichend totgeschlagen, drum ging es eine Stunde vor dem Anpfiff ins Stadion, welches an Ranzigkeit seines gleichen sucht. Hier schimmelt es an allen Ecken und Enden und die Toiletten haben mindestens zwanzig Jahre keine Saubermachfrau gesehen.

 
Spiel und Stimmung:
 

Avellino gegen Chievo bzw. der Drittletzte gegen den Tabellenzweiten – so die sportlichen Parameter. Beide Vereine spielten lange in der Serie A (Avellino von 1978 bis 1988, Chievo fünf Jahre bis letzten Sommer), allerdings geht es für die Hausherren als Aufsteiger in dieser Saison „nur“ um den Klassenerhalt, während die Gäste die Rückkehr in die höchste italienische Spielklasse anstreben. Der Außenseiter begann wesentlich schwungvoller, spielte aber ausnahmslos nur flache Bälle in den 16er, die allesamt abgefangen wurden. Die ersten 30 Minuten lassen sich daher als einzige Katastrophe zusammenfassen und selbst das Tor zur Führung von Chievo passte sich dem allgemeinen Spielniveau an. Eine lässig herein geschlagene Flanke haute sich der Trottel von Torwart selbst in die Maschen. Die Pflaume kann man daher auch ruhig mal beim Namen nennen: Gragnaniello. Zum Seitenwechsel zog sich die Linienrichterin den Zorn der Massen zu, wegen (angeblicher?) Abseitsentscheidung gegen das Heimteam. Im zweiten Durchgang wurde der Kick dann wesentlich ansehnlicher und Avellino glich schon nach zwei Minuten aus. Trotz der nur 3.600 Zuschauer war die Stimmung ganz ordentlich, was einzig und allein den Heimsupportern zuzuschreiben war. Die ca. 200 Leute aus Verona fielen dagegen kaum auf.

Tore: 0:1 (30. Min.) Ciaramitaro, 1:1 (47. Min.) Salgado

 
 
 
Stadion:
 

Das „Stadio Partenio“ ist benannt nach dem Bergmassiv und liegt im Norden von Avellino unweit der Autobahn A16. Der US Avellino spielt hier seit 1973 und bis auf die überdachte Haupttribüne sind alle anderen Bereiche unüberdacht und in einen Ober- und Unterrang unterteilt. Offiziell gibt es nur Sitzplätze und hat eine Kapazität von 26.000 Zuschauern. Die ovale Form wird bedingt durch die Laufbahn, die aber heute aufgrund des maroden Zustandes nicht mehr genutzt werden kann. Aber auch die restlichen Bereiche des Stadions gammeln friedlich vor sich, wodurch es aufgrund der recht unspektakuläre Bauweise wieder eine besondere Note erhält.

 
 
 
 
 

Tageskilometer:             1.396 km mit dem KFZ von Sinsheim nach Avellino

Saisonkilometer:          44.162 km: (29.407 km Flugzeug, 5.690 km KFZ, 7.908 km Bahn, 1.157 km Bus)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

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