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Scottish FA-Cup, Saison 07/08, 12.01.08

 

 

Greenock Morton F. C. – Gretna F. C. 

2:2

Greenock, Cappielow Park (2.844 Zuschauer)

 

Nach dem Abpfiff in Hebburn verweilten wir noch ein wenig im Sports & Social Ground um zum Einen mit ein paar Einheimischen zu schwätzen und zum Anderen den morgigen Tag zu planen. Da das Duo Ansgar/Helga sich für diese Nacht in einem Hotel in Newcastle einbuchte, wir hingegen in Carlisle und es unsinnig war mit zwei Fahrzeugen nach Schottland zu fahren, beschlossen wir uns in Carlisle am nächsten Morgen zu treffen. Für die gut 100 km (genau 113 km) brauchten wir letztlich dann doch zwei Stunden, weil wir noch den Kollegen von der Teamchef-Besatzung an seinem wie vom Erdboden verschluckten Hotel absetzen und obendrein einen geöffneten Laden mit Alkohol-Lizenz finden mussten. Beides klappte und kurz vor Mitternacht verließen wir südlich von Carlisle die M6, wo unser Hotel mit dem sinnigen Namen Travelodge in der Landschaft thronte. Zu vergleichen ist dieser Anbieter mit Etap oder F1, nur besser und billiger wenn man denn früh bucht. Die Preise liegen für ein 2- oder 3-Bett-Zimmer zwischen 19 und 59 Pfund und die Ausstattung ist wesentlich freundlicher (z. B. Dusche und Thron nicht auf dem Gang) als die Konkurrenzprodukte in diesem Marktsegment. Für einen Absacker reichte es noch, ehe wir ziemlich platt auf die Matratzen fielen und uns ins Reich der Träume verabschiedeten.

Um sieben Uhr Ortszeit hieß es dann schon wieder raus aus den Federn, denn schließlich sollte es um 7:30 Uhr nach Chumbernauld nördlich von Glasgow (ca. 160 km) gehen. Pünktlich waren die Herrschaften allerdings nicht, aber die total vereiste Fahrbahn ging als Entschuldigung durch. Nach einer zweiten Runde Kaffee machten wir uns schließlich auf den Weg und so genial die Landschaft auch war, so sehr verbreitete sie Sorge ob bei dem Wetter überhaupt Fußball gespielt werden konnte. Lee meinte zwar, dass der frühe Kick von Clyde auch im hiesigen TV übertragen werde und es sich der Verein gar nicht leisten könne, sich die 50.000 GBP entgehen zu lassen und ergo alles daran setzen werde, dass der Pitch frei von Eis und Schnee sein wird. Diese Vermutung konnte nicht gerade die Sorgen lindern, denn unsere 15-Uhr Partie (Airdrie – Kilmarnock) sollte nicht via TV übertragen werden. Über zwei Stunden vor dem Kickoff erreichten wir schließlich das Broadwood Stadium in Clyde bzw. Chumbernauld (Clyde gibt es als Ort gar nicht, der Club ist nach dem Fluss benannt) und konnten so den für uns dringend notwendigen strategisch eine schnelle Abfahrt garantierenden Parkplatz in Beschlag nehmen. Der einzige in der Nähe befindliche Pub war leider geschlossen und so standen wir uns halt die Beine in den Bauch bzw. nutzten die Gunst der frühen Stunde und besichtigten den heutigen Spielort. Das Stadion sah zwar ganz nett aus, aber aufgrund des jugendlichen Alters (1995 erbaut) eben auch nicht der Oberburner. Der Ground von Airdrie soll übrigens ähnlich neu sein und fast genauso aussehen, erzählte man mir. Um 12 Uhr tauchte dann auch die Teamchefsche Wagenbesatzung auf und der Kollege fragte uns zur Begrüßung was wir denn jetzt machen wollen. Ein großes Fragezeichen wurde dem Verkünder schlechter Nachrichten symbolisch entgegen geschleudert, denn absolut nix deutete auf einen Spielausfall hin. Zudem wir wenige Minuten zuvor noch einen Ordner nach dem Zeitpunkt des Einlasses befragt hatten. Dieser wusste anscheinend auch noch nix, doch wenige Minuten später rollten die Wagen wieder vom Hof bzw. wurden gar nicht darauf gelassen und damit war klar, dass uns die Platzinspektion einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Nach einigen Diskussionen entschieden wir uns auch gegen den zweiten Kick im wenige Kilometer entfernten Airdire und sortierten die noch verbliebenen Paarungen nach diversen Kriterien: Falkirk gegen Aberdeen (gutes Spiel, Stadion Neubau), Partick Thistle gegen Dunfermline (nett, aber von zweien schon besucht), Celtic gegen Stirling (langweilig und hier waren schon 75% der Reisenden) oder eben Morton gegen Gretna. Bei letzter Partie wurden wir uns schnell einig, da es nicht zu weit weg war (westlich von Glasgow) und der Ground eine echte Perle war. Als Rückfallebene hielten wir Partick (die spielten trotz Rasenheizung nicht, weil der verantwortliche Platzwart des Rugbyteams vergessen hatte diese anzustellen) und Celtic.

 
 

Gegen 13 Uhr erreichten wir das Stadion in dem schnee- und eisfreien Greenock, einer Stadt, die früher mal die Zuckerhauptstadt war, zahlreiche Schiffe für die Navy baute und in der James Watt (der mit der Dampfmaschine) geboren wurde. Schon von außen konnte man sehen was uns heute erwarten würde – ein Stadion wie von Künstlerhand gemalt. Ein paar Figuren liefen emsig im Areal umher und so konnten wir das Schatzkästchen genauer unter die Lupe nehmen und obendrein die Bestätigung erhaschen, dass heute hier auf jeden Fall gespielt wird. Einen Pub gab es an der nächsten Ecke auch und so mischten wir uns unter die Einheimischen und taten es ihnen gleich (Pint – 2,20 GBP). Eine Viertelstunde vor Anpfiff verließen wir als Erste (!!!) die Schänke und betraten via Drehkreuze (13 Pfund – ohne Ticket) die Heimstätte des Greenock Morton F. C. , der das Morton im Vereinsnamen führt, weil einige der Vereinsgründer damals in der Morton Street wohnten. Der Verein wurde schon 1874 gegründet und belegt zurzeit den 7. Platz (von 10) in der First Division (2. Liga). Der heutige Gast aus Gretna, ein Dörfchen mit weniger als 3.000 Einwohnern in Südschottland nahe der Grenze zu England gelegen, wurde erst 1946 gegründet und spielte bis 2002 Non-Leage-Fußball in England, u. a. auch in der Nothern League und auf dem Platz des gestern besuchten Grounds in Hebburn. Danach wechselte der Club heim nach Schottland und wurde in die Third Division (4. Liga) aufgenommen, da durch die Fusion von Clydebank und Airdrie (heute Airdire Utd) ein Platz frei wurde. Es folgte Aufstieg auf Aufstieg und im Sommer stieg der FC Gretna in die höchste schottische Spielklasse auf, wo sie allerdings abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz rangieren. In der letzen Saison schafften sie es obendrein bis in Pokalfinale, wo sie zwar nur als zweiter Sieger vom Platz gingen, aber da der Pokalgewinner Heart of Midlothian schon für den Europapokal über die Liga qualifiziert war, durfte sich Gretna mit Derry City messen. Dies ging allerdings in die Buchse (1:5, 2:2).

 
 
Spiel und Stimmung:
 

Nach 10 Minuten waren wir einhellig der Meinung, dass heute kein Tor fallen würde. Beide Teams waren an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Aber wie so oft, wurde man eines Besseren belehrt und nach dem Spiel korrigierten wir unsere Fehleinschätzung und bewerteten es als lohnenswerte und unterhaltsame Veranstaltung. In der 13. Minute schlug Gretna nach einem dilettantischen Abwehrfehler zum ersten Mal durch den Uruguayer Yantorno zu. Danach kontrollierten sie bis zur Halbzeitpause die Partie, kamen selbst noch zu ein paar Chancen und ließ keine für die Gastgeber zu. Kurz nach dem Wiederanpfiff ging Gretna mit 2:0 in Führung und alles schien entschieden, aber plötzlich rappelte sich Morton auf und glich dank zweier abgefälschter Distanzschüsse aus. Am Ende konnten die Gäste froh sein, sich in das Wiederholungsspiel im „heimischen“ Motherwell gerettet zu haben. Stimmung gab es bis zum Anschlusstreffer (fast) gar nicht. Erst in der letzten halbe Stunde wurde es ein bisschen unruhiger.      Video vom Spiel

Tore: 0:1 (13. Min.) Yantorno, 0:2 (49. Min.) Horwood, 1:2 (64. Min.) Finlayson, 2:2 (75. Min.) Mc Alister

 
 
 
Stadion:
 

Kommen wir zum Highlight dieser Tour, dem Cappielow Park. Erbaut wurde diese Perle bereits im Jahre 1879 und sie bietet dem Betrachter vier unterschiedliche Tribünen. Die Haupttribüne ist ein All-Seater der zwar recht niedrig gebaut wurde, sich dafür aber über die komplette Längsseite erstreckt und die blauen und gelben Sitzschalen so angeordnet sind, dass der Schriftzug G M F C zu lesen ist. Auf dem Dach dieser Tribüne gibt es eine etwas seltsam anmutende Fluchtlichtkonstruktion. Die heute gesperrte Hintertorseite ist eine klassische Stehplatztribüne mit mindestens 30 Stufen. Die gegenüberliegende Seite ist nicht ganz so pompös, doch für eine gute Sicht allemal ausreichend. Ein Schmuckstück sondergleichen ist die Gegengerade mit einer klassischen britischen Giebelüberdachung, die sich nicht ganz über die Längsseite des Platzes erstreckt. Angeblich soll das Stadion gerade eine Renovierung erfahren haben, sehen tut man davon allerdings nicht viel. Das ganze Areal hat sehr viel Charme.

 
 
 
 

Tageskilometer:               498 km mit KFZ von Hebburn via Carlisle nach Greenock und zurück nach Carlisle

Saisonkilometer:         36.844 km: (28.458 km Flugzeug, 2.283 km KFZ, 4.946 km Bahn, 1.157 km Bus)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

Alternativer Spielbericht:
http://www.groundhopping.de/greenock.htm

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Grüße an den Teamchef