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Serie B, Saison 07/08, 15.12.07 |
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A. C. Chievo Verona – A. C. Mantova 2:3 Verona, Stadio Marc'Antonio Bentegodi (8.276 Zuschauer) |
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Beim lustlosen Absurfen diverser Niedrigpreisfluglinienseiten stach das 33-Euro-Angebot des orangefarbenen Anbieters für die Strecke Berlin-Milano (und zurück) vor drei Wochen ins königsblaue Äuglein. Nach dem oberflächlichen Abchecken der Spielpläne wurden die Flüge so gebucht (Hin Freitagmorgen, zurück Sonntagabend), dass noch ordentlich Zeit vor und zwischen den Spielen war. Exakt drei Stunden vor dem planmäßigen Abflug (07:45 Uhr) klingelte der Wecker, denn vor dem Boarding stand erst mal die Fahrt quer durch die Hauptstadt nach Schönefeld, dem Berliner Flughafen in Brandenburg. Der Vogel war gerade mal zu einem Drittel gefüllt und das war wohl der Grund warum es überpünktlich auf die Startbahn ging. Nach ereignislosen 90 Minuten, die ausschließlich der neuesten Hamburger Fanzine-Publikation gewidmet wurden (oh ha, da wird wohl mal wieder ein Leserbrief fällig), landete die Maschine in Malpensa, ca. 50 km nordwestlich von Milano. Von dort kommt man auf zwei Wegen in die Stadt und zwar entweder mit dem Zug (Malpensa Express), der bis Stazione Nord fährt oder mit dem Bus (Malpensa Shuttle), der nicht nur billiger ist (6 Euro einfache Fahrt bzw. 10 Euro für das Hin- und Rückfahrtticket), sondern auch noch in ca. 50 Min. direkt zum Hauptbahnhof gondelt. Letztere war meine Variante (und damit als Umsteigebahnhof Centrale), da nach diversen Gedankenspielen endlich klar welcher Verein sich auf meine sauer verdiente Kohle freuen durfte. Genau genommen standen nur zwei Spiele zur Wahl und zwar die Serie-B-Partien Piacenza – Triestina und Chievo – Mantova. Obwohl Chievo eher einen ähnlich spröden Charme wie der Club aus der deutschen Autostadt versprüht, machte die Nachricht meines Italo-Informanten Mut, dass Mantova 2.500 Gästekarten verkauft hatte. Zurück zu Milano Centrale und dem Chaos, das ich dort vorfand. Sämtliche Fernzüge waren total verspätet und das Service-Personal von Trenitalia am Rande des Nervenzusammenbruchs. Da sich auch an den Fahrkartenschaltern einige Dramen abspielten und ein Zug, der ob der 2½-stündigen Verspätung schon aus allen Nähten platzte, abfahrbereit am Gleis stand, spekulierte ich darauf, dass der Schaffner keinen Bock darauf hatte sich von aufgebrachten Fahrgästen voll pöbeln zu lassen und auf eine Fahrkartekontrolle verzichtete. Diese Rechnung ging in der Vergangenheit schon zweimal auf und um es vorweg zu nehmen: auch ein drittes Mal. Grund für die ganzen Verspätungen soll übrigens ein Streik einer Regionalbahngesellschaft (hier könnte man jetzt herrlich ein Klischee bedienen, aber gerade Bahnstreiks sind ja nicht nur in Italien an der Tagesordnung) im Trento gewesen sein, wobei ich zugegebenermaßen den Kollegen nicht vollständig verstanden habe. Zwei Stunden später erreichte der IC dann endlich den Bahnhof Verona Porta Nuova, der eigentlich auch Centrale heißen könnte. Man hätte auch die beiden Nächte in Milano verbringen können, allerdings finde ich die Stadt nicht so pralle. Dann schon lieber Verona, welches ich (mit ca. zwei Millionen anderen Touristen) schon mal im Sommer besucht hatte und als wesentlich angenehmer empfand. Dort angekommen, galt es zunächst einmal einen Beherbergungsbetrieb zu finden, der nicht allzu viel Euros aus der Geldbörse zog. Dieses Unterfangen klappte eher leidlich, aber wie in fast jeder Stadt auf dieser Welt wird man in Bahnhofsnähe fündig. Nachdem der Rücksackinhalt auf dem Bett ausgekippt war, ging es gleich wieder zurück zum Bahnhof um von dort mit dem Bus Richtung Arena zu fahren (Billetts immer vorher im Kippenladen kaufen – Preis 60 Cent). Der Weg ist nicht wirklich lang, so dass notorische Sparfüchse die Kohle für neue Schuhsohlen sparen können (Grüße an dieser Stelle in die zentralpommerische Hochebene). Der zentrale Punkt ist eben diese Arena am Piazza Bra, die dem Volk seit mehr als 1400 Jahre als Theater dient und in der im Sommer die Opernfestspiele stattfinden. Nördlich davon liegt die Altstadt die sich entlang des Adige (Etsch) schlängelt und daher eine Art Halbinsel ist. Noch schöner sind die Piazza delle Erbe und die direkt dahinter liegende Piazza di Signori. Essen und Trinken sollte man besser außerhalb der Altstadtmauern, da der Touripreisaufschlag nicht ohne ist. Damit soll es aber genug der Kultur sein, denn das Hauptereignis dieses Trips stand auf dem Programm: la partita chievo mantova. |
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Nach fünf Jahren in der Serie A stieg Chievo letzte Saison ziemlich unglücklich ab und ist dennoch die sportliche Nr. 1 der Stadt, da Lokalrivale Hellas den Gang in die Drittklassigkeit antreten durfte. Während zu Hellas in Liga 3 im Schnitt ca. 11.000 Zuschauer ins Stadion gehen, bekommt Chievo gerade mal die Hälfte auf die Beine. Der Club kommt aus einem kleinen Dörfchen westlich von Verona, welches erst durch eine Eingemeindung zur Stadt kam. Im Volksmund heißt der Club „Assi che volano“ was „Esel mit Flügeln“ heißt und der Legende nach dadurch entstand, dass ein Match gegen Hellas so wahrscheinlich ist wie ein Esel fliegen kann (oder so). Naja, mittlerweile sind die Dinge sportlich aus den Fugen geraten, da Hellas in der Serie C1A auch schon wieder am Tabellenende steht. Dritte Kraft in der Stadt ist übrigens Virtus Verona (Serie D – 5. Liga), die durch Los Fastidios Berühmtheit erlangt haben (Der Verein hatte an diesem Sonntag übrigens ein Heimspiel, aber hier gilt es noch das Versprechen an den Skinhead aus Göttingen einzulösen den Ground gemeinsam zu besuchen). Das Stadio Marc' Antonio Bentegodi liegt unweit der Innenstadt bzw. des Bahnhofs und ist gut zu Fuß (ca. 20 Minuten vom Bahnhof, grob westliche Richtung) oder mit dem Bus (11, 12 und 13 – drei Stationen) zu erreichen. Genau eine Stunde vor Spielbeginn traf ich dort ein und obwohl alle Kassenhäuschen dicht waren, gab es Karten ohne Ende und zwar in einem Container, der etwas abseits stand. 10 Euro für die Kurve oder 20 Euro für die Gegengerade und Billets gab es nur gegen Vorlage des Personalausweises. Diese wurden übrigens am Eingang ziemlich penibel nochmals einer Prüfung unterzogen und daher füllte sich das Stadion bis weit nach Anpfiff. |
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| Spiel und Stimmung: | ||
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Am Ende waren mehr als 8.000 Zuschauer im Stadion, davon die bereits erwähnten zweieinhalbtausend aus Mantova. Diese versammelten sich im zweiten Rang auf der Hintertorseite und waren optisch mit einem übergroßen schlichten Banner (welches ein Herz zierte) und vor allen Dingen akustisch präsent. Während der gesamten Spielzeit wurde melodisch gesungen und dreimal kollektiv gejubelt. In der anderen Kurve sah das Bild bei weitem nicht so geschlossen aus. Zwar versammelten sich auch hier etwa 1.000 Supporter im Block, zu hören waren diese allerdings nur in der Anfangsphase, danach nur noch sporadisch. Die führende Ultragruppierung von Chievo nennt sich „Northside 1994“ und unterhält – eigentlich völlig unüblich in Italien – keine Freundschaften zu anderen Gruppen (Ausnahme evtl. Monza, aber da bin ich mir nicht so sicher). Besondere Derbys gibt es eigentlich auch nicht (mal abgesehen von dem gegen Hellas, allerdings hat Hellas wesentlich traditionellere „Lieblingsgegner“), bestenfalls dürften Brescia, Vicenza oder das gerade mal 40 km entfernte Mantova ein etwas größeres Interesse provozieren. Für Mantova hingegen ist Chievo auch nur aufgrund der kurzen Anreise attraktiv, ansonsten ist (oder war) der ebenfalls aus der Lombardei stammende Club Piacenza Gegner Nr. 1. In den 60er Jahren spielte der AC Mantova einige Jahre in der Serie A, später ging der Verein zweimal pleite und stieg erst in dieser Saison in die Serie B auf. Derzeit belegen sie einen vorderen Mittelfeldplatz, sechs Punkte hinter Chievo. Letztere waren damit auch Favorit, aber - um eins vorweg zu nehmen – sie wurden dieser Rolle nicht gerecht. Chievo ging durch einen schönen Distanzschuss in Führung, doch die Gäste glichen nach fünf Spielminuten aus. Das Spiel blieb unterhaltsam mit genug Szenen vor beiden Toren. Gleich nach dem Wiederanpfiff holte Mantova zum Doppelschlag aus und entschied damit die Partie, denn der Anschlusstreffer zum 2:3 fiel erst in der fünften Minute der Nachspielzeit. Als Fazit bleibt, dass die ganze Veranstaltung wesentlich besser war als erhofft, was zum Einen an den Gästefans und zum Anderen an dem wirklich guten Kick lag. Tore: 0:1 (2. Min.) Italiano, 1:1 (5. Min.) Corona, 1:2 (46. Min.) Godeas, 1:3 (60. Min.) Caridi, 2:3 (95. Min.) Iunco. |
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| Stadion: | ||
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Die ovale Schüssel und Heimstätte von Hellas und Chievo Verona bietet rund 42.000 Zuschauern Platz und wurde 1963 eröffnet. Auf vier Rängen (drei vollwertige, dazu ein kurzer Mittelrang für die wichtigen Personen) verteilen sich die Zuschauermassen. Der dritte Rang ist der größte und wurde heute auch am stärksten frequentiert, da der obere und untere Rang erst gar nicht geöffnet wurden. Optisch wird das doch etwas triste Betonbauwerk durch grüne Schalensitze aufgemotzt, die mal mit und mal ohne Rückenlehnen daher kommen. Alles in allem ein Ground, der durch seine Schlichtheit besticht. |
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Tageskilometer: 1.027 km Berlin - Verona (davon 829 km Flug, 148 km Bahn und 50 Km Bus) Saisonkilometer: 33.836 km: (26.737 km Flugzeug, 1.455 km KFZ, 4.537 km Bahn, 1.107 km Bus) zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug) |
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