[zurück zur Übersicht]

 

Primera Division, Saison 07/08, 16.09.07

 

   

C. U. Nacional A. M. - C. F. U. A. de Guadalajara

2:0

Mexico-City, Estadio Olimpico de Universitario  (ca. 30.000 Zuschauer)

 

Nach dem Schlusspfiff in Queretaro lief das Unterfangen mit dem Taxi ins Centro fahren und den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten beizuwohnen alles andere als rund, denn erstens musste ich tierisch lange warten bis ich eins der begehrten gelben Gefährte fand und zweitens war die Fahrzeit länger als ein alternativer Fußweg. Endlich im Centro angekommen erkämpfte ich mir mühsam eines Bierchens und konnte mich zum krönenden Abschluss der kollektiven Glückseeligkeit (mit Feuerwerk) erfreuen. Müdigkeit und Sonnenbrand ließen allerdings nur kurz Freude aufkommen und gegen ein Uhr ging es dann auch wieder in die Falle. Nach vier Stunden Schlaf stand ich pünktlich und recht einsam wieder am Busbahnhof um der Stadt Adios zu sagen! Wieder gab es das obligatorische Lunchpaket mit Softdrink und gemeinsam mit dem Busfahrer (sonstige Fahrgäste Fehlanzeige) hieß es dann ab auf den Highway und dem Sonnenaufgang entgegen! Die ersten eineinhalb Stunden wurden zum Dösen genutzt,  der Rest ging für die die herrliche Landschaft drauf, die eingetaucht in Dunkelrot am Fenster vorbeizog. Zunächst sah man sanfte Hügel, doch schon bald erschienen die ersten armseligen Wellblechhütten und von Kilometer zu Kilometer verbesserte sich der in Beton gegossene Lebensstandard. Mexiko-City gehört zum Bundesstaat Distrito Federal und das Stadtgebiet hat sich mittlerweile in andere Bundesstaaten (z. B. Hidalgo) ausgebreitet. Da wäre ungefähr so, als würde sich Berlin bis nach Polen ausdehnen (jetzt mal rein hypothetisch geschrieben, man will den östlichen Nachbarn schließlich nix Böses).

Am Flughafen erfolgte dann der schon bekannte Umsteiger in die U-Bahn, wo jedoch nach ein paar Stationen die Fahrt zu Ende war, denn aufgrund der Feierlichkeiten waren ein mehrere Linien gesperrt. Folglich musste ich erneut auf das Taxi zurückgreifen und das obwohl sämtliche Reiseführer davor warnen sich an die Straße zu stellen und einfach eins anzuhalten. Auf dem Rückflug saß ich neben einem Holländer, der eine Fernbeziehung mit einer Mexikanerin führt und dieser erzählte, dass er mal Opfer eines Überfalls wurde. Abends zum zehn bestieg er ein Taxi und an der nächsten Ampel stiegen noch zwei Gestalten zu, die ihm Messer an die Kehle hielten und ihn dann zum nächsten Geldautomaten begleiteten. Dort hob er dann für seine zwei neuen Freunde einen Geldbetrag ab und dankenswerterweise leisteten diese ihm dann noch bis Mitternacht Gesellschaft um die Bargeldbeschaffungsprozedur  zu wiederholen. Abschließend durfte er noch den ganzen Rest abgeben. Mir ist nix dergleichen passiert und nach einer halben Stunde Fahrzeit war ich auch schon wieder in der Nähe des schon bekannten Hotels am Palacio de Bellas Artes, einem prächtigen Konzerthaus aus Marmor. Dort herrschte schon wildes Treiben und eine Menge Leute liefen mit Stühlen und Hockern umher um sich an der Avenue Juarez ein gutes Plätzchen für die anstehende Militärparade zu sichern.

 

Mexiko-City: Ich weiß nicht was ich von dieser Stadt halten soll. Auf der einer Seite eine recht faszinierende Großstadt, die auch locker irgendwo in Europa liegen könnte. Dazwischen gibt es aber auch immer wieder Bereiche die eher an die Dritte Welt erinnern. Trotz der Höhenlage von über 2.200 Meter liegt die Stadt in einem Tal (logischerweise) umgeben von Bergen und ist erbaut auf einem ehemaligen See. Die Luft ist schlecht und außerhalb der Regenzeit soll sie noch schlechter sein. Die Stadt hat 350 (!!!) Viertel und somit ist die Orientierung total schwierig und man weiß im Prinzip nie (Ausnahme Centro Historico) wo man gerade ist. Richtig interessant ist die Umgebung um den Zocalo (dieser riesige Platz mit der Kathedrale), wo man es ganz gut aushalten kann. Von dort am besten Richtung Alameda Park laufen und ruhig mal in die Seitenstraße einbiegen. Positiv: die nicht vorhandenen Touristenströme (vielleicht sind sie auch da, aber man erkennt sie nicht) - Negativ: Nur mit Englisch kommt man hier nicht weit. Des Weiteren fällt noch auf, dass die Straßen voller fliegenden Händlern sind und in den Restaurants ein ganzer Haufen Bedienungen rum läuft. Meist sind die Mexikaner sehr nett und zuvorkommend.

 

 

 

Zurück zum eigentlich Grund dieser Reise: Futbol! Nach kurzem Frischmachen ging es zurück zur Metro (jetzt wieder offen!) und nach dem Umstieg an der Station Hidalgo fuhr ich direkt mit der Linie 3 bis zur Universität. Da alle erkennbaren Pumas-Anhänger die Bahn schon am Copilco verließen, habe ich es ihnen gleich getan und bin anschließend den Massen gefolgt. Der Weg verlief quer durch das Universitätsgelände, wo an diesem Sonntagmorgen nicht sonderlich viel los war. Alsbald tauchte das Olympiastadion (1968) am Horizont auf und ich schob es gleich in die Kategorie Traumstadion. Vor dem Stadion wurden allerlei Eintrittskarten feil geboten, aber ein möglicher Handel scheiterte an den nicht vorhandenen Sprachkenntnissen auf beiden Seiten. Aber da die offiziellen Kassen auch noch reichlich Angebot bereit hielten schlug ich bei 80 Pesos (ca. 5 Euro) für einen Oberrangplatz auf der Haupttribüne zu. Die Personenkontrolle fiel diesmal ein wenig lascher aus, dafür wurde man im Stadioninneren von Pontius zu Pilatus geschickt. Nach einer knappen halben Stunde Rennerei habe ich dann doch noch den richtigen Aufgang gefunden und mich etwas seitlich platziert. Augrund der fehlenden Überdachung gab es somit keinen Schatten, was natürlich ganz hervorragend für den bereits gestern eingefangenen Sonnenbrand war. Der Becher Corona (0,5 Liter) schlug mit 40 Pesos zu Buche und wurde probiert, alle anderen Köstlichkeiten blieben allerdings unversucht. Es gab fast nix, was man nicht hätte kaufen bzw. essen können. Chips, Kuchen, Pizza, Bonbons, diverse Varianten an Nüssen etc. Nervig nur die vielen Verkäufer, die einem ständig vor der Pupille rumtanzten.

 

 
Spiel und Stimmung:
 

Pumas gegen Tecos bzw. C. U. Nacional A. M. gegen C. F. U. A. de Guadalajara. Genau genommen handelt es sich um eine Partie zweier Universitätsmannschaften. Die Pumas aus der Hauptstadt ist der Verein der eher linken autonomen Uni, während hinter den Tecos aus Zapopan bei Guadalajara die Universidad Autónoma de Guadalajara steht, einer ultrakatholischen und politisch eindeutig nach rechts tendierenden Lehranstalt. Letztere werden aktuell übrigens von César Luis Menotti traniert.

Vor Spielbeginn wurde die Vereinshymne abgespielt, was Spieler und Zuschauer (Ausnahme die rund 50 Gästefans) dazu veranlasste die rechte Faust in die Höhe zu strecken. Die Stimmung im weiteren Spielverlauf war dauerhaft und durchaus laut, wobei sich der Stimmungsblock auf dem Oberrang der Gegengeraden befindet. Das Spiel war ganz o.k., wirkte aber teilweise wenig durchdacht. Die Pumas gewannen am Ende verdient, was die Fans natürlich freute, die noch ziemlich lange im Stadion blieben.

Tore: 1:0 (17. Min.) Gonzalez, 2:0 (83. Min.) Solari

 
 
 
 
Stadion:
 

Das Estadio Olímpico Universitario wurde 1952 von Pedro Ramírez Vázquez erbaut und war zu dieser Zeit das größte Stadion Mexikos. Es hat derzeit eine Kapazität von fast 73.000 Plätzen. Eine Überdachung sucht man vergeblich, was bei den wenigen Regentagen im Jahr auch nicht notwendig erscheint. Das Stadion ist wunderbar schlicht erbaut, dass heißt, es verlaufen rundherum zwei Ränge wobei der Oberrang der Haupttribüne recht weit hoch gezogen ist, während die Kurven extrem niedrig ausfallen. In Außenbereich findet man ein paar Schnörkeleinen, wie zum Beispiel die in Stein gemeißelten Bildnisse. Ein schönes Stadion.

 
 
 
 

Tageskilometer:                 220 km mit dem Bus von Queretaro nach Mexico-City

Saisonkilometer:         12.293 km (9.795 km Flugzeug,  682 km KFZ, 1.376 km Bahn, 440 km Bus)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

[zurück zur Übersicht]