[zurück zur Übersicht]

 

Primera Division A, Saison 07/08, 15.09.07

 

   

Queretaro F. C. - Leon A. C.

0:0

Queretaro, Estadio La Corregidora  (ca. 10.000 Zuschauer)

 

Ursprünglich war eine etwas weitere Tour für das bundesligaspielfreie Wochenende am 7/8. September geplant, nur wohin wurde durch ein großes Fragezeichen symbolisiert. Hauptsache raus aus Europa - Asien, Afrika oder Amerika – Uruguay und/oder Argentinien wurden zunächst ins Auge gefasst. Da aber die Flüge dorthin nicht gerade günstig waren und die Tour zudem einer etwas längeren Vorbereitungsphase bedurft hätte, blieb ich schließlich an Mexiko hängen. Sicherlich nicht ganz so reizvoll, aber als ersten Annäherungsversuch zum Thema Fußball in Süd- und Mittelamerika ganz brauchbar. Die Flüge waren trotz des recht kurzfristigen Termins noch bezahlbar, aber da an besagtem Wochenende die Paarungen nicht gerade optimal angesetzt waren, wurde flugs alles  um eine Woche nach hinten geschoben. Der Auswärtsauftritt der Blauen bei den Bayern ging somit zwar den Bach runter, aber es gibt es wahrlich Schlimmeres. Dafür wurde an dem Reisewochenende der Nationalfeiertag in Mexiko zelebriert. Einzig die noch nicht ausgeloste Champions-League bereitete noch einiges Kopfzerbrechen, wurde aber dahingehend gelöst, dass ich mich bei der Flugbuchung gegen Iberia (leicht günstiger) und zugunsten von KLM entschied. Damit war Amsterdam der Umsteigeflughafen (und nicht Madrid) und falls das erhoffte Knallerlos gekommen wäre (was es mit dem Heimspiel gegen Valencia nun nicht wurde), hätte ich von dort fast alle Ziele in Europa erreicht.

700 Schleifen galt es bei der Koninklijke Luchtvaart Maatschappij zu berappen. Dies waren rund 100 Euro mehr als die billigste Variante für die Strecke Berlin – Mexiko City, aber dieser Flug mit Delta Airlines via New York hätte die formelle Einreise in die USA bedeutet und den Stress wollte ich mir nicht antun. Der Kalender ermittelte den Mittwoch als Abflugtag und rund 16 Stunden später durchschritt ich um Punkt 18 Uhr Ortszeit (sieben Stunden zurück) die Passkontrolle am Aeropuerto Internacional Benito Juarez, übrigens dem einzigen Flughafen in der 20-30 Mio. Einwohner zählenden Mega-City. Im Flugzeug galt es noch drei Formulare auszufüllen, von denen man eins gleich ganz wegschmeißen kann, eins der Stempelmann behält und die Hälfte des Dritten in den Pass kommt und bei der Ausreise wieder vorlegt werden muss. Zwar soll man angeblich 45 Dollar löhnen, falls man das Teil verliert, aber wenn es dann wirklich futsch ist, interessiert das auch keinen mehr. Bei der Ausreise wird der gemeine Europäer nur noch kurz vor der Sicherheitskontrolle nach dem Passport gefragt und das war es dann auch schon. Der Flughafen ist nach meinem Geschmack zwar recht übersichtlich, weil er einfach nur lang ist und man sich beim Ausgang nur für rechts oder links entscheiden muss, dafür aber total schlecht ausgeschildert. Einen Wegweiser zur Metro sucht man vergeblich, dafür wird alle 30 Sekunden ein Taxi angeboten. Die Metrostation habe ich dann außerhalb des Flughafengebäudes gefunden. Zwei Pesos kostete die normale Fahrt (10 Pesos = ca. 0,65 Euro) und damit 183 Pesos weniger als ein Flughafentaxi. Vom Flughafen nimmt man am besten die gelbe Linie Richtung Politechnico (oder so ähnlich) und wechselt an der Station La Raza in die Metro Richtung Universität. Nach zwei oder drei Stationen ist man bereits an der Haltestelle Hidalgo, welche schon relativ zentrumsnah liegt. Mein vorgebuchtes Hotel (350 Pesos die Nacht -> ca. 23 Euro) war am besten von der Metrostation Bella Artes zu erreichen. Es gibt in der Gegend aber noch deutlich günstigere Unterkünfte und lt. Hörensagen soll man auch noch ganz gut handeln können. Aufgrund der ungewohnten Höhenluft (Mexiko-City: 2.240 Meter) und der Zeitumstellung (trotz extremer Müdigkeit war ich immer um Punkt vier Uhr glockenhell wach) wurden die beiden nächsten Tage erst mal langsam angegangen. Zur Megacity im nächsten Bericht mehr und daher der kleine Zeitsprung hin zum Freitagnachmittag.

 

Damit die Infos nicht zu kurz kommen, ein paar Länderzahlen von der CIA: Mexiko grenzt im Norden an die USA (3.141 km) und im Süden an Guatemala (962 km) und Belize (250 km). Es ist ca. 5,5-mal größer als unser vereintes Deutschland und hat ca. 108 Millionen Einwohner. Der Durchschnittsmexikaner ist entweder männlich oder weiblich, katholisch, hat kein Aids und wird so ca. 75 Jahre alt.

 

Für den Freitagabend gab es Ansetzungen von der ersten bis zur dritten Liga, aber der einzige Erstligakick in Veracruz war viel zu weit weg (ca. sechs Stunden einfache Busfahrt) und die Alternative in Liga drei musste aufgrund einer klitzekleinen Planungsungenauigkeit (Heim- und Auswärtsteam auf dem Zettelchen vertauscht) in die Tonne gekloppt werden. Damit nicht genug, denn eine weitere Detailinformation kippte auch noch das Samstagsmatch zwischen Atlante (viertes Erstligateam in Mexiko-City) gegen San Louis aus dem persönlichen Matchkalender. Atlante spielte letzte Saison im Estadio Azteca und seit dieser Saison im Estadio Andrés Quintana Roo. Bei meiner Recherche vor Ort konnte ich ein Stadion dieses Namens allerdings nirgends in oder um Mexiko-City herum finden und siehe da, der Club ist mit Mann und Maus wegen total enttäuschender Zuschauerzahlen nach Cancun (24 Stunden entfernt) umgezogen. Ergo musste die Planung noch mal umgearbeitet werden und am Ende kam dann eine Zweitligapartie in Queretaro (Spielort der deutschen Nationalmannschaft während der 86er WM)  für den Samstag raus. Queretaro liegt ca. 220 km nördlich von Mexiko-City und spielte bei der Revolution im Jahre 1810 eine bedeutende Rolle. Ab Flughafen Mexiko verkehrt ein Nonstop-Linienbus direkt dorthin und nachdem die 235 Pesos (ca. 15 Euro) am Schalter von Primus Plus bezahlt wurden, durfte man sich beim Einsteigen in das Luxusgefährt (keine Ironie – hochkomfortabel das Vehikel) nicht nur einer Körperdurchsuchung einer weiblichen Sicherheitskraft, sondern auch eines Lunchspakets (Sandwichs, Keks und einem Döschen Cola) erfreuen. Apropos weiblich: die Mexikanerin an sich ist ca. 150 cm groß, fast ebenso breit und hat schwarze Haare die sie zu einem Zopf gebunden hat. Aber man will ja nicht verallgemeinern. Zurück zum Reisen mit dem Bus: Ein Eisenbahnnetz ist in Mexiko praktisch seit der Privatisierung der staatlichen Bahngesellschaft nicht mehr existent, daher fährt man in Mexiko entweder mit dem Bus oder mit dem Auto (Sprit kostet ca. die Hälfte weniger als an deutschen Tankstellen). Busse gibt es in allen erdenklichen Kategorien und Gesellschaften und Reservierungen braucht man eigentlich nur für die Nachtbusse oder die extrem langen Strecken. Als Faustformel zahlt man für einen Kilometer ca. einen Peso. Einigermaßen wohl ausgeruht in Queretaro angekommen, wurde die Stadionfrage praktisch im Vorbeifahren erledigt, denn die Arena liegt auf einem Berg gegenüber des Busbahnhofs. Für die Fahrt in die Stadt ist ein Taxi zu empfehlen und ein solches bekommt man ausschließlich in Form eines Zettels im Busbahnhofgebäude. Einfach zum Schalter gehen und Centro sagen und für 33 Pesos (ca. 2,10 Euro) bekommt man eine Art Ticket, welches man einer Dame vor dem Bahnhofsgebäude übergibt. Diese nimmt den Zettel in Empfang, reißt davon etwas ab, weist einem dann ein gelbes Gefährt zu und den Restzettel gibt man dem Fahrer, dem man sicherheitshalber noch mal das Ziel sagt und gut ist. Einfach so ein Taxi ran rufen ist also nicht. Die Hotelauswahl ist trotz der nicht gerade kleinen Stadt (gut 600.000 Einwohner) weniger pralle, aber nach ein bisschen Suchen gibt es auch hier eine ganz anständige Unterkunft für 20 Euro. Dort gleich auch noch einen Tipp für die Abendgestaltung eingeholt und diese empfohlene Lokalität mit dem Taxi angesteuert. Der Laden war optisch ein echter Leckerbissen und die bestellte Speise ebenfalls. Ein wirklich ordentliches Gericht (ein in Streifen geschnittenes Steak) plus Beilagen in Form von Tortillas und feiner Saucen kostete 150 Pesos und ein lecker Bierchen (besonders gut die Marke Indio) 24 Pesos. Letzteres gibt es gleich doppelt wegen der großzügigen Happy-Hours-Bestimmung. Diese endete um Punkt halb zehn und als weiterer Höhepunkt betrat eine achtköpfige Band den Laden und unterhielt die Gäste mit mexikanischen Klängen. Die folkloristische Musik war dermaßen gut, dass es richtig Spaß machte den Darbietungen zu frönen. Gitarre, Trompete, kleines Schlagzeug, Contrabass, Ziehharmonika wurden unterlegt mit herrlichem Gesang. Schwer zu beschreiben, war aber wirklich genial. Gegen Mitternacht zurück ins Hotel und den immer noch leidenden Körper zu Bette gelegt. Am nächsten Morgen habe ich zum ersten (und einzigen) Mal einigermaßen ausgeschlafen, um dann langsam das Tagwerk in Form einer Stadtbesichtigung zu beginnen. Nachdem ich einen Stadtplan gekauft hatte, waren die ersten beiden Besichtungspunkte die auf der Karte eingezeichneten Stadien, wobei sich erstes als Stierkampfarena entpuppte. In der zweiten Kampfstätte waren sogar die Tore aufgebaut, aber außer Bogenschießen fand hier an diesem Nachmittag nix mehr statt. Den Rest des Tages habe ich Sehenswürdigkeiten (sehr schöne Innenstadt) abgelaufen und CD’s eingekauft (wobei ein unbeschrifteter Rohling mit meist schlecht kopiertem Inlay immer noch 20 Pesos kostete). So wanderten schließlich argentinischer Ska und mexikanischer Punk in den Rucksack und dann war es auch langsam Zeit sich dem populärsten Sport in Mexiko zu widmen.

 

 

 

Gut eine Stunde vor dem Anpfiff erreichte ich das Estadio La Corregidora, welches (wenn ich das richtig verstanden habe) nach einem Haus benannt ist, in dem Miguel Hidalgo den Aufstand gegen die Spanier plante. Der Eintrittskartenkauf  gestaltete sich einigermaßen problemlos, nur für den „Extrawunsch“ (auf keinen Fall ein Plätzchen hinter dem Tor) bedurfte es einer attraktiven und englischsprachigen Senorita. Mangels Alternativen schritt ich dann erst auf das Eingangstor zu, schließlich hindurch und befand mich anschließend in einem riesigen Pulk von Ordnern. Aufgrund der ganzen Tageseinkäufe plus dem Rotz den man eh immer dabei haben sollte (Ersatzakkus, Müsliriegel, Schreibgeräte, Schlafbrille, feuchtes Toilettenpapier, Taschenlampe, Kopfschmerz- und Magentabletten etc.) machten sich gleich zwei Sicherheitskräfte unter aufmerksamer Beobachtung der für meinen Geschmack etwas zu neugierigen Kollegen an ihr Werk. Die Dame sabbelte in einer Tour, was bei mir nur ein mitleidiges Schulterzucken auslöste. Der ganze Kram wurde fünfmal von Links auf Rechts gedreht und zu guter Letzt fingerte sie mit MEINEM Kuli sicherheitshalber noch mal in meinem Rucksack und siehe da: Erwischt! Direkt einen Bullen wild gestikulierend rangerufen und ihm zwei Migränetabletten präsentiert. Der Typ guckte nicht nur ernst, sondern auch sehr gewissenhaft und fragte allerlei medizinische Dinge, auf die ich aber keine Antwort wusste, weil ich sie schlichtweg nicht verstand. Erst bei Depressivo gab ich nach und antworte mit Si! Öfter mal was Neues!

 

 

So richtig viel los war im Stadion noch nicht und anhand einer Sportzeitung versuchte ich rauszukriegen um was es hier heute eigentlich im Spiel der Primeria Division A geht. Es gibt zwei Gruppen à 12 Teams aber trotzdem spielen sie alle gegeneinander. Neben der Gesamtpunktzahl ist wohl noch der Faktor der erreichten Punkte zur maximal erreichbaren Punktzahl entscheidend, aber so ganz genau habe ich das nicht rausbekommen. Es gibt eine Hinrunde die man Torneo nennt und eine Rückrunde (Torneo de Clausura) und am Ende noch mal Play-Offs mit den Gruppenbesten, wobei das schlechteste Team (dafür könnte man den Faktor gebrauchen) absteigt. Queretaro, letzte Saison noch in der ersten Liga, hat es geschafft in den ersten sechs Partien dieser neuen Spielzeit nicht einmal zu gewinnen (vier mal Remis, zwei Niederlagen), Leon dagegen ist der souveräne Tabellenführer.  

 

Spiel und Stimmung:
 

Bevor die 22 Mann das Feld betraten hatte ein Dutzend einheimischer Schönheiten den großen Auftritt und löste bei den Zuschauern wahre Begeisterungsstürme aus. Als die jungen Damen dann noch allerlei Sponsorenschund in die Zuschauermassen warfen, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Mit dem Einlauf der Mannschaften gab es sogar seitens der Heimsupporter eine kleine Choreo zu bewundern. Im weiteren Spielverlauf war die Stimmung mehr als ordentlich, denn der blauschwarze Anhang war ständig akustisch präsent und einige Male ganz gut in Bewegung. Aus Leon waren ca. 500 Fans mit angereist, die sich auch nicht lumpen ließen. Leider war das Spiel nicht so pralle und endete folgerichtig torlos.

 
 
 
 
 
 
Stadion:
 

Das Estadio La Corregidora wurde wohl anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 1986 erbaut und bot der Deutschen Mannschaft während dieses Turniers ein Zuhause. Neben den drei Gruppenspielen fand hier noch das Viertelfinale zwischen Spanien und Italien statt. Es fasst aktuell ca. 41.000 Zuschauer, wobei sich die Plätze rundherum auf zwei Ränge verteilen. Im Prinzip ist es ein klassischer All-Seater und es gibt sogar eine Überdachung und selbstverständlich Flutlicht.

 
 
 
 
 

Tageskilometer:           10.015 km (9.795 km mit dem Flugzeug von Berlin via Amsterdam nach Mexico-City & 220 km mit dem Bus)

Saisonkilometer:         12.073 km (9.795 km Flugzeug,  682 km KFZ, 1.376 km Bahn, 220 km Bus)

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

[zurück zur Übersicht]