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DFB-Pokal, Saison 07/08, 05.08.07

 

   

SV Babelsberg 03 - MSV Duisburg

0:4

Potsdam, Karl-Liebknecht-Stadion (4.608 Zuschauer)

 

Höhere Mächte legen den Geschichtenerzähler in diesen Tagen an die Kette, die gerade mal so lang ist wie eine Fahrt nach Potsdam dauert. Damit schied neben Trier (wegen Unlust) auch Gera aus, aber da das Verlangen auf großen Fußballsport durchaus vorhanden war, standen nur noch das Karl-Liebknecht-Stadion oder die Alte Försterei zur Auswahl. Bei Letzterer war ich erst letzte Woche, drum auf nach Babelsberg, das früher einmal Nowawes hieß und heute ein Treffpunkt für die Stars und Sternchen des nationalen und internationalen Films ist.

Die an Dramatik nicht zu überbietende Anreise erspare ich dem werten Leser und springe daher direkt in die Szene des Karl-Liebknecht-Stadions. Dort konnte neben dem heutigen Programmheft noch die Ausgabe der Vorwoche ergattert werden (weil sie kostenlos auslag), denn diese sorgte im Babelsberger Im- und Umfeld für helle Aufregung  in Form eines Verbots des Verteilens bzw. Heraustrennens von Seiten. Was stand dort geschrieben? Kurz zusammengefasst ging es um Rene Tretschok, der bislang als Co-Trainer fungierte -  dann Manager werden wollte – der Vorstand aber lieber alleine managen wollte – Rene dann zurück trat – keiner traurig war – er dann doch Co-Trainer bleiben wollte – der Vorstand damit einverstanden war, aber nur wenn Rene nie wieder Manager werden will. Die ganze Geschichte stand nun in feinster Satire gedruckt auf einer Seite in besagtem ehrenamtlich erstellten Programmheftchen. Da es in dem Artikel aber noch einen humoristischen Hinweis zum Gas- Wasser- und Scheißebe- und Entsorger (der gleichzeitig auch Förderer der 03er ist) der brandenburgischen Metropole gab, tobte erst der Sponsor, dann der Aufsichtsrat der Nulldreier, dann der Co-Trainer und am Ende schließlich alle.

Aber zurück zum Sportlichen! Mit dem MSV Duisburg gastierte heute eine Elf in Babelsberg, die zuletzt auf den Tag genau (wie der Zufall so will) vor sechs Jahren (2. Spieltag, 2. Bundesliga) hier vorspielte und verlor. Mittlerweile liegen aber wieder zwei Klassen Unterschied zwischen den Kontrahenten und …

 
 
Spiel und Stimmung:
 

…da war es auch nicht verwunderlich, dass aufgrund nachlassender Kräfte der Bundesligist letztlich leicht und locker die Hürde Babelsberg übersprang. In der ersten Halbzeit war das Heimteam noch gleichauf, aber nach dem absolut sehenswerten 0:1 waren die Chancen dahin. Dabei hätte es vielleicht noch mal spannend werden können als der Schiedsrichter einen geheimnisvollen Elfmeter pfiff (dieser aber gerechterweise nicht verwandelt wurde). Auch hier fehlte das notwendige Glück, welches eine unterklassige Truppe halt auch mal braucht. Stimmungsmäßig war die Partie auch ganz in Ordnung. Die Duisburger reisten mit ca. 500 Leuten an, die von zwei Einpeitschern angetrieben wurden und sogar einen Dauersupport auf die Beine bekamen (wenn auch teilweise nicht sonderlich laut). Die Heimsupporter starteten mit einer kleinen Choreo und wussten auch akustisch zu gefallen.

Tore: 0:1 (67. Min.) Ishiaku, 0:2 (72. Min.) Georgiev, 0:3 (81. Min.) Lamey, 0:4 (88. Min.) Ishiaku 

 
 
 
 
 
Vereine:
 

Die SG Babelsberg wurde 1945 als Nachfolgeverein des VfL Eintracht 06 Babelsberg gegründet. 1949 folgte die Umbenennung in BSG Märkische Volksstimme Babelsberg und 1950 in BSG Rotation Babelsberg. Danach auch als SC Potsdam bzw. BSG Motor Babelsberg bekannt. Ab 1969 nannte sich der Verein BSG DEFA Babelsberg bis er 1990 in SG Fortuna Babelsberg umbenannt wurde und sich kurz danach schließlich in SV Babelsberg 03 umbenannte.

Der Meidericher Spielverein wurde im Jahre 1902 von Schülern und Studenten gegründet. Drei Jahre später stieß durch eine Fusion der Sportclub Viktoria Meiderich dazu. Im Jahre 1915 wurde der MSV zum ersten Mal Ruhrbezirksmeister und 1929 Niederrhein-Meister, was auch die Qualifikation zur Endrunde zur Deutschen Meisterschaft bedeutete. Dort schied er  aber bereits in der ersten Runde gegen den HSV (2:3) aus. Zwei Jahre später schaffte er wieder den Sprung in die Endrunde, verlor aber auch in der ersten Runde, diesmal beim TSV 1860 München (1:4). Ein Jahr später trafen die Meidericher im Finale der Westdeutschen Meisterschaft auf den FC Schalke 04. 50.000 Zuschauer erlebten eine 1:5 Niederlage. Danach kam der MSV in die Krise und konnte bis zum Kriegsende nicht mehr mit positiven Schlagzeilen dienen. 1949 startete der MSV in der 2. Liga West und schaffte 1951 den Aufstieg in die Oberliga West. Nach vier Jahren folgte dann aber der Abstieg in die Zweitklassigkeit, doch dieser Ausflug war nur kurz und 1956 war er wieder zurück in der Oberliga, die er dann auch bis zur Auslösung 1963 nicht mehr verließ. Der MSV wurde in die Bundesliga aufgenommen, womit eigentlich nicht zu rechnen war und gleich in der ersten Saison wurde er sensationell Zweiter unter Trainer Rudi Gutendorf und mit Weltmeister Helmut Rahn im Sturm. Es folgten 18 weitere Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse mit einigen Höhen (u. a. DFB-Pokalfinalteilnahme, Qualifikation für den UEFA-Cup) und Tiefen. Am 29. Mai verabschiedeten sich die Duisburger (seit 1967 heißt der Verein offiziell Meidericher Spielverein Duisburg) mit einem 2:1 Sieg über Fortuna Düsseldorf aus der Bundesliga. Nur vier Jahre später ging es dann noch mal eine Etage tiefer in die Oberliga Nordrhein. Danach folgte wieder ein rasanter Aufstieg, erst in die 2. Liga 1989 und dann 1991 in die 1. Bundesliga. Danach entwickelte sich der MSV Duisburg zu einer klassischen Fahrstuhl-Mannschaft.

 
Stadion:
 

Das Karl-Liebknecht-Stadion ist eine Spielstätte die sich auf das absolut Wesentliche beschränkt. Ordentlich(e) Stehplatzstufen und dazu eine mit Wellplastik bedeckte Tribüne finden die Sportsfreunde hier vor. Es wurde erst 1976 errichtet und liegt mitten im Stadtteil Babelsberg, einem begehrten Wohngebiet mit vielen Altbauten und einem angrenzenden Park. In der Zeit vor 1989 spielte hier zweimal die Nationalmannschaft der DDR (1977 gegen Malta, 5:0 vor 15.000 Zuschauern und 1985 gegen Luxemburg, 3:1 vor 9.000 Zuschauern). Für die aktuelle Regionalligasaison wurde das „Karli“ neu vermessen und die Stadionkapazität neu festgelegt. 8.987 Stehplätze und 1.472 Sitzplätze gibt es nun und damit hat das Stadion exakt 498 Plätze mehr als vom DFB als Mindestauflage gefordert. In nächster Zukunft werden noch einige Örtlichkeiten und zwei weitere Kassenhäuschen am Gästeeingang installiert. Nichts desto trotz, bleibt es ein schönes Stadion.

 

 

Tageskilometer:           70 km von Berlin nach Potsdam und zurück (KFZ)

Saisonkilometer:          70 km KFZ

zum Vergleich 06/07: 44.890 km (21.098 km KFZ, 15.117 km Bahn, 7.284 km Flugzeug)

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