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        Regionalliga Nord, Saison 06/07, 24.03.07                       

 

    1:0

1. FC Magdeburg - 1. FC Dynamo Dresden

 

Magdeburg, Stadion Magdeburg (20.011 Zuschauer)

 

 

Es war wieder einmal so ein „Eigentlich-Wochenende“, denn eigentlich wollte ich gar nicht nach Magdeburg, sondern nach Liechtenstein um mir das eminent wichtige Qualifikationsspiel in der Gruppe F gegen Nordirland anzuschauen. Da aber am Freitagnachmittag die Partie FC Dornbirn gegen RW Rankweil (Regionalliga West, Österreich) abgesagt wurde, erschien mir der Aufwand (8 Stunden im Zug sitzen) dann doch zu hoch; zumal das Programm am Sonntag mit Hoffenheim II auch nicht gerade das Gelbe vom Ei gewesen wäre. Ergo alles über den Haufen geworfen und den Magdeburger Kumpel in die Spur bzw. zum Vorverkauf geschickt um noch ein Billet zu kaufen. Um ca. kurz vor knapp kam die Rückmeldung verbunden mit dem Hinweis, dass die Übergabe bitteschön am nächsten Morgen um elf am Bahnhof der Bördestadt zu erfolgen habe. Dieser Wunsch wurde fast pünktlich erfüllt und da das Aufgebot an Sicherheitskräften am Magdeburger Bahnhof viel zu hoch war, ging es bei strahlendem Sonnenschein per Pedes zum neuen Stadion. Ca. 500 Meter vor den Eingangstoren gab es die erste Kontrolle, das hieß ohne Ticket kein Weiterkommen. Allerdings muss dieser erste Sicherheitsring ziemlich löchrig gewesen sein, denn andere, später im Stadion getroffene Sportsfreunde konnten nichts dergleichen berichten. Die Tageskassen waren, wie angedroht, nicht geöffnet und so etwas wie ein Schwarzmarkt auch nicht erkennbar. Punkt zwölf entriegelten die Ordner die Tore und so konnte ich zwei Stunden vor dem offiziellen Anpfiff den 30 Mio.-Neubau betreten. Das Stadion füllte sich nur zögerlich und aufgrund zu weniger Eingänge wurde der Anpfiff nochmals um eine Viertelstunde nach hinten verlegt.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Sicherheit wurde an diesem Nachmittag groß geschrieben (machte Sinn, ist schließlich ein Hauptwort) und damit war alles verboten, was ansonsten Spaß macht: alkoholhaltiges Bier, Doppelhalter, Zaunfahnen etc. Das Spiel war nicht schlecht, Magdeburg in der Anfangsphase überlegen und mit den besseren Möglichkeiten (u. a. ein Lattentreffer). Dresden befreite sich im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit. Tonangebend in den ersten 45 Minuten ganz klar die Gästekurve, die mit ca. 4.000 Leute gut gefüllt war. Laute und teilweise brachial kam es rüber, wobei die kurzen knackigen Sachen am besten gefielen. Von Magdeburger Seite kam am Anfang nur etwas von der oberen Hintertorseite, aber wohl aufgrund der geringen Beteilung nicht sonderlich geräuschvoll. In der zweiten Halbzeit änderte sich dies. Der Support wurde deutlich besser, weil immer mehr Leute (teilweise auch die Gegentribüne) gut mitzogen. Im Gästeblock zogen dagegen immer weniger Leute mit und am Ende war es nur der Teil direkt neben dem Stehplatzblock, der ständig Gas gab. Das Spiel war im zweiten Durchgang ausgeglichener und es gab wie schon in der ersten Halbzeit etliche Torraumszenen hüben wie drüben. Zehn Minuten vor dem Anpfiff fiel dann der Treffer des Tages in Form eines Distanzschusses, wobei der Dresdner Torwart ein wenig unglücklich aussah. Der Jubel auf den Rängen war verständlicherweise groß und verdammt laut. Die drei Punkte waren für die Magdeburger ein wenig glücklich, aber da die anderen Mannschaften auch patzen, bleibt die Regionalliga hochspannend.

Tor: 1:0 (82. Min.) Habryka

 

 

 

 

 

 Vereine:
 

Blickt man auf die Anfänge des Magdeburger Fußballs zurück, dann sucht man den 1. FC Magdeburg vergeblich. Es waren Vereine wie Viktoria 96, Fortuna, Preußen 1899, MSC 1900 oder Criket Viktoria die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Fußball in Magdeburg bestimmten. Eine wichtige Rolle spielten mit Ausnahme des FC Viktoria (Endrundenteilnehmer 1903, 1904 und 1905) die Vereine bis zur Gründung der DDR im deutschen Fußball nicht. Die Wiege für den Neubeginn stand 1945 im Stadtteil Sudenburg. Dort wurde die gleichnamige Sportgemeinschaft gegründet. 1948 stieß die SG Lemsdorf hinzu und nachdem der Verein für kurze Zeit SG Eintracht hieß, wurde daraus die Betriebssportgemeinschaft Krupp-Gurson (später wurde aus diesem Werk das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET), welcher in den nachfolgenden Jahren die Stadt Magdeburg und vor allen Dingen den Verein prägten). Da aber der Name „Krupp“ den Machthabern politisch nicht passte, wurde der Verein erst umbenannt in SG Stahl Magdeburg (1951), dann in BSG Motor Magdeburg (1952) und schließlich in BSG Motor Mitte Magdeburg (1953). Spielort war zu dieser Zeit das Heinrich-Germer-Stadion. Mitte 1957 wurden die Fußballer der BSG Motor Mitte an den zwei Jahre zuvor gegründeten SC Aufbau Magdeburg angegliedert. 1959 gelang der Aufstieg in der DDR-Oberliga und zudem erreichte man es 1964 und 1965 Pokalsieger der DDR zu werden. Im August 1965 wurde aus dem SC Aufbau der SC Magdeburg, dies aber noch nicht mal vier Monate lang, denn kurz vor Weihnachten des gleichen Jahres wurde der 1. FC Magdeburg gegründet. Aufgrund der Stagnation im DDR-Fußball wurden bei zehn Vereinen die Fußballabteilungen aus den Sportclubs herausgetrennt und „richtige“ Fußballvereine gegründete. Beim 1. FC blieb der Trägerbetrieb SKET und somit für die meisten Fußballer Arbeitgeber. Durch den Pokalsieg, den noch der SC Aufbau errungen hatte und sich der „Nachfolgeverein“ SC Magdeburg in der Hinrunde der Saison 65/66 gegen Spora Luxemburg und FC Sion durchsetzte, durfte der noch nicht mal drei Monate alte 1. FC Anfang März sein erstes Europapokalspiel in London bei West Ham United austragen (0:1, das Rückspiel endete 1:1 im Ernst-Grube-Stadion). Zum Ende der Spielzeit stieg der 1. FC als Tabellenletzter ab. Der Wideraufstieg gelang 1967 und danach gehört der Verein durchgängig und nur mit einer Ausnahme immer auf einstelligen Tabellenplätzen der DDR-Oberliga (letzte Spielzeit 90/91) an. Aber ausgerechnet in der letzten Saison der DDR-Oberliga wurde der 1. FC nur Zehnter, was noch nicht einmal zur Qualifikation zur zweiten Bundesliga reichte. Dazwischen wurden die Magdeburger dreimal DDR-Meister (1972, 1974 und 1975) und fünfmal Pokalsieger (1969, 1973, 1978, 1979 und 1983). Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierten die Magdeburger am 8. Mai 1974 im Kuip zu Rotterdam. Dort besiegten die Mannen von Trainer Krügel vor nur 5.000 Zuschauern den AC Mailand (Trainer hier: Giovanni Trapattoni) mit 2:0 (1:0 (41.) Lanzi (ET), 2:0 (74.) Seguin).

Der Vorläufer von Dynamo Dresden, die „Sportvereinigung der Deutschen Volkspolizei (DVP)“ wurde im Jahre 1948 gegründet. Ab 1950 hieß der Verein dann „SG Deutsche Volkspolizei Dresden“ und drei Jahre später SG Dynamo Dresden (Alle Volkspolizei-Mannschaften wurden nach sowjetischem Vorbild in Dynamo unbenannt). Ende November wurde die Mannschaft nach Berlin delegiert um fortan für den SC Dynamo Berlin (später BFC Dynamo) zu spielen. Von heute auf morgen gab es keine Erstligamannschaft mehr. Die „neuen“ Dynamos durften den Platz des kurzerhand aufgelösten SC DHFK Leipzig in der 1. DDR-Liga übernehmen, inklusive derer Punkte. Im Jahre 1990 erfolgte die Umbenennung zum 1. FC Dynamo Dresden. Insgesamt wurde der Club achtmal DDR-Meister, sechs Mal DDR-Pokalsieger und absolvierte 98 Europapokalspiele. 

 

 Stadion:

 

Nach etlichen Verzögerungen wurde im Juni 2005 mit dem Bau des Stadion genau an dem Ort begonnen, wo einst das altehrwürdige Ernst-Grube-Stadion stand. Fertig gestellt wurde es Ende 2006 und fasst nun ca. 27.000 Zuschauer. Stehplätze gibt es nur noch 4.500 in zwei Eckblöcken. Die Flutlichtmasten sind im Dach integriert und zwei kleine Anzeigetafeln liefern Informationen rund ums Spiel. Das Stadion Magdeburg besticht durch seine Schlichtheit: Vier gleich hohe Seiten, Dach drauf und Schalensitze in den Beton gekloppt und fertig ist die Laube. Einzig der VIP- und Pressebereich auf der Haupttribüne lockert das Bild ein wenig auf. Manchen wird es gefallen, manchen nicht – so ist das halt mit den Neubauten.

 

 

 

Tageskilometer:                 282 km mit der Bahn von Berlin nach Magdeburg und zurück

Saisonkilometer:          34.573 km (16.768 km KFZ und 9.421 km mit der Bahn und 7.284 km mit dem Flugzeug)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an H. U., Nils und die vier Hansa-Jungs auf der Rückfahrt. Dank an Stefan.

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