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            Regionalliga Nord, Saison 06/07, 04.11.2006             

 

   2:0 

 

1. FC Dynamo Dresden1. FC Union Berlin

 

Dresden, Rudolf-Harbig-Stadion (19.103 Zuschauer) 

 

 

Planen und Sparen, Buchen und Fluchen: Dieses volle Programm bietet ein moderner Dienstleistungskonzern, der ganzheitliche Mobilitätslösungen anbietet (vor der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft hätte man wahrscheinlich gesagt, Fahrscheine verkauft). Eigentlich sollte es von Dresden noch weiter nach Gelsenkirchen gehen, aber die Story ist viel zu lang und kommt am Saisonende in mein Heftchen, welches dann wieder käuflich zu erwerben ist…

Der Eurocity Richtung Wien wurde am Berliner Hauptbahnhof bestiegen und obwohl ich rein äußerlich so gar nicht nach krawallmachender Fußballfan aussah, wurde mir die ganze Aufmerksamkeit von fünf sportlich gekleideten jungen Herren zuteil. Während ich da auf meinem Plätzchen saß, kam der erste angeschlichen und blieb direkt neben mir stehen und fing an, seine Brille zu putzen. Dabei glotzte er ganz unauffällig in meinen Rucksack. Zwei Minuten später kam noch einer von den Kandidaten, diesmal aus der anderen Richtung, und gaffte mich ebenso eindringlich und vor allen Dingen total „unauffällig“ an. Ein Kumpel von ihm blieb dabei am Ende des Waggons stehen und sprach mit dem Innenfutter seiner Jacke. Das ganze Schauspiel ging dann noch ein bisschen weiter, ehe es am Südkreuz endete. Der Rest der Fahrt blieb dann ereignislos. In Dresden am Bahnhof rechnete ich schon mit dem schlimmsten, aber diesmal blieb man unbehelligt. Zwei Minuten später traf auch schon der erste Sonderzug aus Berlin ein und als ich mich nach draußen begab um meine Neugierde zu befriedigen, wurde man von diesmal uniformierten Staatsdienern angesprochen, was man denn heute noch so vorhabe. „Ich will in den lokalen Zwinger-Club!“ meine zugeben nicht ganz ehrliche Antwort. Geboten wurde dem interessierten Betrachter recht wenig, ein Hubschrauber in der Luft (soll angeblich den Sonderzug begleitet haben), 2.000 eingekesselte Unioner und dazu noch mal ca. 100 Dresdner Sportsfreunde, die unfällig (ja, ich weiß Wortwiederholung) an den Straßenbahnhaltestellen rum standen.  Die Staatsmacht griff an diesem Tag ganz tief in die Taktikkiste und übte sich fast schon in bis zur Peinlichkeit gipfelnder Deeskalation. Man trichterte den Berliner Fußballfreunden via mobile Lautsprecheranlage immer wieder was von Besonnenheit und ähnlichem Schick-Schnack ein. Ich begab mich derweil direkt zum Stadion und kurze Zeit später kam dann auch Gefangenentransport aus Preußen um die Ecke. Bezeichnenderweise liegt der Zoo von Dresden direkt neben dem Stadion und wenn jetzt ein Touri um die Ecke gestiefelt wäre, hätte er sich beim Anblick der Module hinter dem Zaun wohl gedacht, die Affen sehen doch schon fast menschlich aus. Die Mehrheit der Dresdner hielt sich dagegen zurück. Die meisten waren trotz der beschissenen Wetterlage schon im Stadion und übten sich in Gelassenheit. Was hätten sie auch tun sollen? 2.000 Ordnungskräfte waren im Einsatz und so blieb es konsequenterweise auch vor, während und nach dem Spiel ruhig.

 

 

Spiel & Stimmung:

 

Union war wirklich nicht schlecht an diesem Nachmittag, mussten sich aber extrem lauffreudigen und kampfstarken Dresdnern geschlagen geben. Der Sieg ging unterm Strich absolut verdient an die Sachsen. Stimmungsmäßig hatten auch die Dresdner die Nase vorn, was nicht nur an numerischer Überzahl lag. Bei den Unionern konnte nur der mittlere Block überzeugen, der während der gesamten Spielzeit aktiv war. Für die Optik wurde mit roten und weißen Luftballons zu Beginn gewedelt. Eine sehr gute Note verdiente sich die Choreo zu Beginn des Spiels, als gelbe, schwarze und ein paar weiße Zettel hoch gehalten wurden. Sehr positiv, wie diszipliniert und dicht die Zettel gehalten wurden, obwohl sich die Aktion durch die ganze Kurve zog. Supportmäßig war auch hier ganz gut was los und trotz der stimmungsfeindlichen Bauweise des RHS kamen die Gesänge mit einer guten Lautstärke rüber. Später wurde den Zuschauern von was zum Lesen (irgendwas mit Rudi und den letzten Zigarren, welches sich wohl gegen die Dynamo-Vereinsführung richtete) angeboten. Die negativen gesanglichen Ausfälle („Juden Berlin!“) hielten sich löblicherweise auch in Grenzen.

Tore: 1:0 (10. Min.) Vorbeck, 2:0 (50. Min.) David

 

 

 

 

 

 Stadion:

 

Das Rudolf-Harbig-Stadion wurde 1923 unter dem Namen Ilgenkampfbahn eröffnet. Von 1952 bis 1972 und ab 1990 hieß es Rudolf-Harbig-Stadion (dazwischen Dynamo-Stadion), benannt nach dem Leichtathleten, der 1944 als Wehrmachtsoffizier in Russland fiel. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Stadion praktisch wieder neu gebaut. Ende der 60er Jahre kam eine Flutlichtanlage hinzu, 1979 die elektronische Anzeigentafel und ein Jahr später wurde das Fassungsvermögen noch mal auf über 38.000 Plätze erweitert. Sportliche Schlagzeilen gab es in den 90er Jahren selten, häufig war dafür aber von schlimmen Zuschauerausschreitungen zu hören.

Das Stadion fasst derzeit ca. 24.000 Zuschauer und wirkt an so manchen Stellen richtig schön marode. Aufgrund der Laufbahn bzw. ehemaligen Laufbahn ist die Sicht gerade im unteren Bereich der Blöcke alles andere als optimal. Die (fast) fehlende Überdachung mag zwar die meisten nicht stören, aber für den Verein ist die Vermarktung teurer Plätze schwierig. Absolutes Highlight, und das im wahrsten Sinne des Wortes, sind die schönen Flutlichtmasten, die in Dresden gemeinhin nur „Giraffen“ heißen.

 

 

 

 

Tageskilometer:                  360 km mit der Bahn von Berlin nach Dresden und zurück

Saisonkilometer:            14.051 km (12.007 km KFZ und 2.044 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an den Eskimo aus Neuss

 

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