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                 Oberliga Südwest, Saison 06/07, 29.09.06                               

 

    2:0  

 

FC 08 HomburgVfB Borussia Neunkirchen

 

Homburg, Waldstadion (1.520 Zuschauer)

 

 

(Teil 2 der Tour)! Man kann nicht gerade sagen, dass die Stimmung nach dem UEFA-Cup-Aus der Schalker die beste war. Daher ging es nach kurzem Rumasseln am Stadion alsbald auf die Hotelsuche. Reserviert wurde das Chambre via Internet in der Standardherberge, deren Namen an einen so langweiligen Sport wie im Kreis rumfahren erinnert. Die Absteige sollte in Nancy-Laoux sein, allerdings wurde mal wieder vergessen, die Wegbeschreibung auszudrucken - egal, nach einer Stunde Sucherei trotzdem gefunden.  

Am nächsten Morgen war der Blick dann reichlich verklärt, was allerdings am fetten Bodennebel lag und nicht an den zwei Blonden vom Vortag. Der unschätzbare Vorteil von F1-Hotels sind die in der Nähe befindlichen schottischen Gourmet-Tempel, wo man seine Wochenration Cholesterin verdrücken kann. Nach diesem opulenten Mahl, der Franzose nennt so was auch petit dejeuner, war die Zeit knapp, denn bis zum Anstoß in Homburg waren es nur noch elf Stunden (und gut 150 km). Ergo ging es dann erst einmal über die Nationalstraße Richtung Metz bis Pont-à-Mousson (Moselbrück), welches eine ganz nette Innenstadt aufzuweisen hat. In dem Örtchen erblickte ich ein Straßenschild nach Verdun und so strich ich Luxembourg von meiner Sightseeingkarte und folgte dem grün-weißen Hinweisschild durch die bemerkenswert schöne Landschaft Lothringens. Unterwegs machte ich dann noch an einem amerikanischen Soldatenfriedhof aus dem ersten Weltkrieg Halt, ehe ich nach ca. 50 km Verdun erreichte. Auch hier war die Innenstadt sehr nett anzuschauen und da die Sonne (der alte Hooligan) endlich den Bodennebel in Grund und Boden rammte, kam direkt so was wie gute Laune auf. Gleich mal ein Käffchen gegönnt und festgestellt, dass das deutsche Bildungswesen totaler Müll ist und mir in zwei Jahren die französische Sprache auch nur annähernd nahe bringen konnte. Neben dem Kaffee wollte ich noch ein Wässerchen haben und bestellte redegewandt: „Un cafe et un aqua!“ Verstanden hat mich die Bedienung nicht vollständig, wie ich an ihrem ungläubigen Blick erkennen konnte. „Minerale!“ schob ich hinterher und sie fragte darauf hin: „Vittel?“ Ich: „Si äähh Oui!“ Zum Glück sprach die Dame in der Touristen-Information englisch, welches die Kommunikation doch erheblich erleichterte. Die hilfsbereite Mademoiselle erklärte mir den Weg zu den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges exzellent (im Prinzip immer den Schildern Richtung Douaumont folgen) und nach wenigen Autominuten war ich genau da, wo ich auch hin wollte.

 

 

Nahe Verdun fand der schlimmste Stellungskrieg währende des ersten Weltkrieges statt. Fast ein Jahr lang beharkten sich dort die Kriegsparteien mit dem Resultat von 200.000 Gefallenen und einem Geländegewinn von Null (Wer Interesse hat, dem sei dieser Link nahe gelegt: http://www.geocities.com/bunker1914/verdun.htm).

 

 

Am Nachmittag folgte ich dann der N3 und N18 bis Esch in Luxembourg, wo sich ein Aufenthalt aber nicht wirklich anbot. Daher fix weiter Richtung Bundesrepublik und im Grenzörtchen Schengen wurde schnell noch ein Abkommen unterzeichnet und dann hieß es erstmal Volllaufen lassen. Das war auch bitter nötig, denn im Tank waren bestenfalls nur noch ein paar Tröpfchen. Der Liter Sprit kostete genau einen Euro und war außerdem super. Die Kippen waren zwar nicht viel billiger als bei uns, aber einen Zehner pro Stange konnte man auch noch sparen. Es folgte die letzte Etappe des Tages, die da Homburg an der Saar hieß, immerhin drei Jahre lang Bundesligastadt.

Die Fahrt durch Homburg bis zum Waldstadion lud nun gar nicht zum Anschauen ein, drum konnte man sich erstmal auf Quartiersuche begeben. Kurz vor dem Waldstadion erblickten meine blauen Äuglein ein kleines Schildchen mit Gästehaus Emmerich (oder so, genauen Namen leider vergessen). Dort gleich mal abgebogen und von außen sah der Schuppen aus wie ein Swinger-Club. Ein Grund mehr, dort mal zu klingeln. War dann leider doch nur ein Gästehaus und die nette Oma drückte mir einfach den Schlüssel in die Hand, nahm mir 20 Euro ab und fertig war der Käs. Das Zimmer entpuppte sich als kleine Einlieger-Wohnung mit Küche und dem ganzen Schnick-Schnack. Eine Stunde in die Glotze geguckt, die Haare frisch gelegt, kostenlos telefoniert und dann ging es ab ins Waldstadion, wo ich gleich mit einem Einheimischen ins Gespräch kam. Dieser meinte, dass das Match Homburg gegen Neunkirchen gar kein Derby sei – zumindest nicht für die Homburger. Deren ganzer Hass gilt den Landeshauptstädtern aus Saarbrücken. Der 1. FC wurde laut seiner Aussage jährlich mit ca. einer Milliarde Euro subventioniert, während an Homburg die öffentlichen Gelder vorbeifließen. Da der gute Mann aber schon seit Jahrzehnten zum FC 08 geht, konnte er auch mit Informationen zur saarländischen erlebnisorientierten Fraktion glänzen. Hätte man so jetzt auch nicht gedacht.

 

Spiel:

 

Der Neunte (13 Punkte) empfing den Fünften (15 Punkte) – aus der Sicht hätte man eigentlich mit einer ausgeglichenen Partie rechnen können. Aber Nada – der FC Homburg ging nach 20 Sekunden in Führung und bestimmte fortan das Spielgeschehen. Borussia Neunkirchen zwar bemüht, aber glücklos. Da Homburg aber ziemlich viele Chancen ausließ, blieb es zumindest bis zur 60. Minute einigermaßen spannend. Aber spätestens nach der gelb-rote Karten für einen Gästespieler (hat in der ersten Halbzeit die gelbe Karte bekommen, weil er den Ball ins Aus schoss und dabei eine alte Oma traf und später für ein Allerweltsfoul Gelb-Rot bekam) in der 65. Minute war das „Derby“ entschieden.

Tore: 1:0 (1. Minute) Halle, 2:0 (60. Min.) Conde.

 

 

Stimmung:

 

1.520 Zuschauer für ein vermeintliches Derby fand ich ein bisschen schwach. Im Gästeblock verfolgten ca. 300 Zuschauer (darunter erstaunlich viele C-Leute und noch mal ca. 50 Saarbrücker) das Spiel und die machten eigentlich ganz gut Stimmung, vor allem gegen die Homburger. Gleich zu Beginn sah es aus, als ob es Tumulte zwischen den beiden Gruppen gab, aber Details waren aus der Entfernung nicht zu erkennen. Der heimische Anhang verteilte sich im ganzen Stadion, die Supportfreudigen auf der Gegengeraden, der Pöbel hinter dem Tor und das bürgerliche Publikum auf der Haupttribüne. Ruhig war es im Stadion nie, aber so richtig der Bär am steppen auch nicht.

 

 

Vereine:

 

Der FC Homburg wurde im Jahre 1908 gegründet und wechselte bis zur endgültigen Umbenennung im Jahre 1958 (FC 08 Homburg) einige Male seinen Namen (FV, VfL und SV). Sehr erfolgreich war der Verein in den 80er Jahren. Er gewann die Oberliga Südwest (1982), wurde ein Jahr später deutscher Amateurmeister, gewann erneut die Oberliga Südwest (1984) und stieg dann auch in die 2. Bundesliga auf, die man nach nur zwei Spielzeiten nach oben als Meister (1986) verließ. Im ersten Bundesligajahr konnte man über die Relegationsspiele (gegen St. Pauli) die Klasse halten, im zweiten Jahr ging es dann aber gemeinsam mit dem FC Schalke 04 zurück in die Zweitklassigkeit. In dieser Spielzeit erregten die Vereinsverantwortlichen auch die Gemüter des DFB. Der FC 08 schloss mit dem Kondomhersteller London einen Sponsorenvertrag ab und lief auch mit dessen Werbung auf. Der DFB verbot dies und fortan spielte die Mannschaft mit einem schwarzen Balken auf der Brust. Aber Gerhard Meyer-Vorfelder, der Vorsitzende des DFB-Ligaausschusses, erlebte vor Gericht eine böse Schlappe, denn die Richter sahen in der Kondomwerbung keinen Verstoß gegen Moral und gute Sitten. Der schwarze Balken kam also wieder weg. 1989 gelang dem FC 08 wieder die Rückkehr, aber nach 34 Spielen war dann endgültig Schluss mit Erstligafußball. Bis 1995 durften sich die Homburger wenigstens noch am Zweitligafußball laben. 1998 schlossen die Homburger einen Kooperationsvertrag mit dem 1. FC Saarbrücken ab, was zur Folge hatte, dass die besten Spieler dorthin wechseln „durften“. 1999 musste der Verein die Regionalliga zwangsweise aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten verlassen. Das Insolvenzverfahren wurde dann glücklich überstanden.

Der VfB Borussia Neunkirchen entstand aus der Fusion des SC und der Borussia (gegründet 1905) im Jahre 1907. Ein Jahr darauf bekam der Verein seinen heutigen Namen. Richtig erfolgreich war der Verein ab 1959, als er nicht nur das DFB-Pokalfinale erreichte (Niederlage gegen SW Essen), sondern auch die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. Gleiches Kunststück gelang den Saarländern noch in den Jahren 1961, 1962 und 1963. Trotz dieser guten Platzierungen wurde der VfB Borussia Neunkirchen 1963 nicht in die neu gegründete Fußball-Bundesliga aufgenommen, da dem Südwesten nur zwei Plätze zustanden, für die sich jedoch die alten Rivalen, der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Saarbrücken, qualifizierten. Der 1. FC Saarbrücken stieg 1964 ab und Borussia Neunkirchen auf. Auf dem 10. Platz stand man am Ende der Spielzeit 64/65. Im zweiten Jahr folgte dann allerdings der Abstieg, aber nach nur einem Jahr auch gleich der Wiederaufstieg. Allerdings wurde man wieder nur Vorletzter (67/68) und damit war für den VfB das Kapitel Erstligafußball auch zu Ende. In den Folgejahren spielte er in der Regionalliga Südwest, der Amateurliga Saarland und in der Oberliga Südwest. Auch hier galt es vor einigen Jahren, eine Insolvenz zu überstehen und diese war wahrscheinlich auch der Grund warum der VfB Borussia im Jahre 2005 auf einen Aufstieg trotz Meisterschaft in die Regionalliga verzichtete.

 

Stadion:

 

Am 14. August 1937 wurde das Waldstadion in Homburg eingeweiht. Damals gab es dort nur eine kleine Holztribüne. Später wurde es weiter ausgebaut und der Zuschauerrekord datiert vom 19.11.1952 (30.000) als das Saarland gegen eine deutsche B-Auswahl mit 3:4 verlor. Erst mit dem Einzug der Homburger in die Bundesliga wurde richtig viel Geld in die Hand genommen, um das Waldstadion erstligatauglich zu machen. Heute bietet die Anlage 20.700 Zuschauern Platz, wovon ca. 1.500 überdacht sitzen können. Die Form des Stadions ist oval und rundherum gibt es ausreichend Stehplätze. Die Haupttribüne ist architektonisch nicht gerade der letzte Schrei, dafür aber zweckmäßig.

 

 

 

 

Tageskilometer:               250 km mit dem KFZ von Nancy über Verdun und Esch nach Homburg

Saisonkilometer:          7.610 km (5.566 km KFZ und 2.044 km mit der Bahn)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

Grüße an "Senator" Ralf!

 

+++Verlängerung++
 

Hallo
gruß aus dem Saarland von Ralf
dein Bericht zum Derby Homburg-Neunkirchen ist sehr gut geschrieben aber ein Fehler ist dir unterlaufen. Im Vorbericht ist halt der Betrag Milliarden falsch sondern Millionen wurde dem FCS zugespielt.
Gruß ralf

Hallo Ralf, Ironie ist fester Bestandteile meiner Berichte und werden nur in Ausnahmefällen als solche gekennzeichnet. Außerdem sind letztlich ein paar Millionen auch Milliarden...2.000 zum Beispiel :)  
Vielen Dank aber für Deinen Hinweis!

 

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