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                 Oberliga Bayern, Saison 06/07, 30.07.06                                 

 

   2:3  

 

1. SC Feucht - 1. FC Eintracht Bamberg

 

Feucht, Waldstadion (450 Zuschauer)

 

 

Bayern-Tour Teil 2 (zu Teil 1)

 

Gemütlich ging es nach dem Spiel in Bayreuth zurück zum Auto und dort mussten erstmal die Wagen neu besetzt werden. Neben dem BFCer und dem Unioner nahmen nun noch der Hasper und Jens-Non-League Platz im Berliner Mobil. Bayreuth ließen wir nun hinter uns, wenngleich sich noch ein Besuch der Wagnerfestspiele (Auf dem Programm stand die Neuinszenierung "Der Ring des Nibelungen" – Rheingold) durchaus angeboten hätte, aber unser BFC-Kulturattaché lehnte diese Veranstaltung als viel zu leichte Muse ab. Mit Tempo 180 ging es dann gemütlich gen Süden der Sonne entgegen und an der Ausfahrt Plech steuerte ich den Wagen auf die Landstraße nach Velden in der Frankenalb. Da der Beifahrer mit sämtlichen Routenbeschreibungen, Straßen- und Wanderkarten ausgestattet war, fanden wir selbstverständlich unsere vorgebuchte Pension nicht. Ergo nutzen wir diese kleine Unfähigkeit des BFCer, um sich schon mal ein Bild von dem Örtchen zu machen, welches eingebettet im idyllischen Teil des oberen Pegnitztales liegt. Zuerst dachten wir, dass es sich bei Velden um eine Geisterstadt handelt, da wir nirgends Menschen oder menschenähnliche Gestalten zu Gesicht bekamen, aber kurz bevor wir aufgeben (bzw. den BFCer aussetzen) wollten, entdeckten wir sie doch, die Bevölkerung. Die Pension wurde dank der äußerst präzisen Wegbeschreibung der Damen („Da!“) gefunden und Wirt und Wirtin warteten schon mit Sehnsucht auf uns. Die Küche hatte löblicherweise noch nicht geschlossen, trotz vorheriger Ankündigung bei der Buchung, und so wurden erst mal delikate und einheimische Gerichte bestellt (fünf Mal Schnitzel mit Pommes). Bis zum Zapfenstreich stand dann der neuste Tratsch (und natürlich kultige Geschichtchen von früher) aus der Hopperszene auf dem Programm, die für den einen oder anderen kleinen Lacher sorgen konnten. Aber bevor Nachtruhe angesagt war, teilten wir das erste Stockwerk (wo auch all unsere Einzelzimmer lagen) in Blöcke auf und versuchten die gegnerischen Sektoren bewaffnet mit Kissen zu erobern. Der BFCer hatte natürlich wieder die schnellsten Schuhe an, der Unioner setzte geschickt seine Picos ein und der Rest hatte die alte Garde am Start, die ordentlich Backenfutter verteilte.

Als am nächsten Morgen die Sonne über uns lachte (!!!), ließen wir gut gestärkt Velden hinter uns und steuerten zum Hopperaufmarsch Nr. 2 an diesem Wochenende (bei 11 Uhr Oberliga auch kein Wunder, oder?). Daher wurde so manches Händchen bis zum Anpfiff geschüttelt, ehe wir unsere Mitfahrer mit ostdeutschem Migrationshintergrund  sich selbst überließen und wir (Jens, Hasper und ich) uns derweil ein kleines VIP-Tribünchen selber bastelten, um von dort bei Sonne, Schorle und netten Aussichten das Spiel genossen.

 

 

Spiel:

 

Das Spiel war um Klassen besser als das gestrige in Bayreuth. Beide Mannschaften begannen zwar recht fahrig, aber schon nach kurzer Zeit verschafften sich die Bamberger ein Übergewicht. Nach zehn Minuten durften die Gästefans zum ersten Mal jubeln, weil ein Bamberger herrlich freistehend zur Führung einnicken konnte. Feucht kam aber wieder auf und egalisierte erst den Rückstand nach einen Abwehrfehler seitens der Gäste und ging später dann sogar in Führung, als wieder die Bamberger Abwehr den Ball nicht aus der Gefahrenzone schlagen konnte. Nach der Pause kam es dann ganz dicke für die Feuchter. Ein Abwehrspieler, schon mit Gelb vorbelastet, holte einen Bamberger von den Beinen und da dies alles im 16er geschah: Gelb-Rot, Elfmeter – 2:2. Bamberg konnte im weiteren Spielverlauf seine numerische Überzahl ausnutzen und kam, zwar ein wenig glücklich, durch ein Eigentor zum verdienten Auswärtssieg. 

 

Tore: 0:1 (10. Min.) Heyer, 1:1 (23. Min.) Wolf, 2:1 (36. Min.) Glaser, 2:2 (47. Min.) Heyer (FE), 2:3 (69. Min.) Glaser (Eigentor).

 

 

Stimmung:

 

Während die gut 50 Bamberger Fans durch Support auffielen, waren die Menschen, die den 1. SC Feucht unterstützten, nur nach den Toren zu hören. Anfeuerungsrufe oder ähnliches gab es leider nicht. Dafür sorgte der Stadionsprecher für einige lustige Einlagen und nicht zu vergessen die Musik in der Halbzeitpause. Neben ganz üblen Schlager Tralala-Liedchen gab es eine volkstümliche Version von „Eye of the tiger“ mit Zitter, Quetsche u. ä. Der Song war so schlecht, dass er schon wieder richtig gut war.

 

Vereine:

 

Seit 83 Jahren gibt es den SC Feucht, seit 81 Jahren den 1. SC Feucht. 1995 errang der Verein seinen ersten großen Erfolg, als er Meister der Bezirksoberliga wurde und in die Landesliga aufstieg. Schon zwei Jahre später wurde dann der Aufstieg in die Oberliga perfekt gemacht. In der ersten Saison (97/98) spielten die Feuchten noch gegen den Abstieg, waren dann aber in den folgenden Jahren immer ganz weit vorne in den Abschlusstabellen zu finden (3. 98/99, 3. 99/00, 5. 00/01). Nur in der Spielzeit 01/02 lief es nicht ganz rund, aber nur ein Jahr später stand der 1. SC Feucht auf Platz Eins der Oberliga Bayern und stieg in die Regionalliga Süd auf. Dort wurde man auf Anhieb 9. und schaffte es auch im zweiten Jahr auf einen Nichtabstiegsplatz. Der Verein zog sich aber freiwillig aus der dritthöchsten Spielklasse zurück.

Als drei Bamberger Kaufleute zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts Ballspielen wollten, wurden sie von dem hiesigen Turnverein abgewiesen. Doch so schnell gaben die Kaufleute nicht auf und gründeten kurzerhand im Jahre 1901 einen eigenen Verein. Dumm nur, das noch acht Leute und ein Ball zum Spielen fehlten. Für das Spielgerät wurde gesammelt und um weitere Mitspieler zu gewinnen, wurde eine Zeitungsannonce geschaltet. Sieben Burschen folgten dem Aufruf und damit wurde der Grundstein für den ersten Bamberger Fußballverein gelegt. Das erste Spiel fand am 27. September 1901 statt und der Gegner hieß 1. FC Nürnberg. Wie das Spiel genau ausging, darüber gibt keine verlässliche Quelle Aufschluss.  Sicher ist jedoch, dass der Club diesen freundschaftlichen Vergleich gewann. Das Spiel auf den Bamberger Schützenwiesen war eine erfolgreiche Werbung für den Fußballsport und immer mehr Sportler fanden den Weg zum 1. FC Bamberg. Drei Jahre später kommt es dann zu ersten Verbandsspielen. Im Jahre 1910 fanden sich die Bamberger, die schon sehr früh Jugendmannschaften ins Leben riefen, in der A-Klasse des Ostkreises mit Mannschaften wie dem FC Bayern München, 1. FC Nürnberg und SpVgg Fürth wieder. Diese höchste Spielklasse konnten sie zwei Spielzeiten lang halten, aber durch die Reduzierung der Liga auf acht Teams stiegen sie ab. Der Verein hatte dadurch massive finanzielle Probleme. Erst nach dem ersten Weltkrieg ging es wieder aufwärts mit dem 1. FC Bamberg. Doch Aufstiegen folgten auch Abstiege. Am 12. September 1926 eröffneten die Lila-weißen mit einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Nürnberg das Stadion am Volkspark. Weil der Verein aber noch vertraglich an die alte Spielstätte an der Schützenwiese gebunden war, wurde das neue Stadion erst ab 1930 bezogen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich auch das Vereinsleben. Nachdem der Arierparagraph anerkannt wurde, mussten die letzten noch verbliebenen jüdischen Sportler und Funktionäre den Verein verlassen. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges stiegen die Bamberger bis in die Gauliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse, auf. Das erste Nachkriegsjahr bescherte dem Verein gleich den Aufstieg in die Oberliga Süd, aber nach nur einer Spielzeit ging es dann wieder runter in die Zweitklassigkeit (Landesliga Bayern Nord) und das obwohl gleich die ersten vier Oberligaspiele (gegen Bayern München, VfR Mannheim, FV Karlsruhe und dem FSV Frankfurt) gewonnen wurden. In den 50er Jahren spielten die Bamberger in der II. Liga Süd und trafen dort auf Mannschaften wie Hessen Kassel, Stuttgarter Kickers, 1. FC Pforzheim, FC Freiburg, Darmstadt 98 oder Waldhof Mannheim. Nach einer total verkorksten Saison 1955/56 stieg der Verein zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Drittklassigkeit ab. Nach zwei Jahren schafften die Bamberger zwar wieder den Aufstieg, aber nach der Saison 1959/1960 hieß die neue Staffel wieder Amateurliga Nordbayern. Mit der Einführung der Bundesliga wurde auch der komplette Ligaunterbau neu strukturiert, mit dem Ergebnis, dass der 1. FC Bamberg dann in der eingleisige Bayernliga (als dritthöchste Spielklasse) spielte. Fünf Jahre konnte diese Liga gehalten werden, doch dann stieg der oberfränkische Traditionsverein in die Viertklassigkeit ab. Erst 1975 glückte die Rückkehr in die Bayernliga. Aber nach nur einer Saison stiegen die Violetten wieder ab. Zu allem Übel verlor der 1. FC sogar seine Spitzenposition in Bamberg, denn 1978 stieg der Lokalrivale TSV Hirschaid in die Bayernliga auf. 1981 wurden aber die Verhältnisse in der Stadt an der Pregnitz wieder gerade gerückt und die Violetten stürmten wieder in die höchste Amateurspielklasse. Zu Beginn der Saison 1984/85 bestimmten nicht die sportlichen Schlagzeilen die Gazetten in Bamberg, sondern der immer größer werdende Schuldenberg des Vereins. Kein Wunder, denn mit Klaus Täuber (vom 1. FC Nürnberg), Winfried Geier und Dietmar Beiersdorf wurden sehr teure Spieler verpflichtet. Um die Klasse halten zu können, wurden die Spieler nicht vom Verein verpflichtet, sondern von einer in Nürnberg ansässigen Werbeagentur, die die Spieler dann an den Verein auslieh. Da sich der Erfolg nicht einstellte und die Agentur die Spieler nicht zu einem höheren Preis verkaufen konnten, scheiterte dieses äußerst zweifelhafte Modell. Die Spieler mussten den Verein dann wieder verlassen. Die Lücken in der Mannschaft wurden mit Jugendspieler gestopft und am Ende der Saison war der 1. FC Bamberg vor dem Abstieg nicht mehr zu retten. Kurios und passend zur Saison war die Spielszene am 16. April 1985 im Heimspiel gegen Jahn Regensburg. Der Spieler Otto Baumgartner, gerade eingewechselt, nimmt einen Pass von einem Mitspieler auf und rennt damit aufs Tor. Kurz vor der Strafraumgrenze zog er ab und jagte den Ball am völlig konstatierten Torhüter vorbei ins Netz. Erst beim Jubeln und beim Blick in die Gesichter seiner Mannschaftskameraden bemerkte er, dass er ins eigene Tor traf und schlicht die Seiten verwechselt hatte. Am Ende der Saison 1985/86 war die Bilanz bitter: 1,7 Mio. Mark Schulden und 24 Spieler mussten den Verein verlassen. Nach nur einem Jahr Landesliga wurden die Bamberger direkt in Bezirksliga Oberfranken West durchgereicht. Am 29. Februar 1988 stellt der Verein den Insolvenzantrag. Der Konkurs konnte jedoch letztlich abgewendet werden und nur, weil die Stadt dem Verein das Klubheim abkaufte. Sportlich zogen gleich zwei Vereine am 1. FC 01 vorbei: Der SC 08 Bamberg und die SpVgg Stegaurach, die beide den Sprung in die Bayernliga schafften.

 

Stadion:

 

Das Waldstadion in Feucht ist für einen Oberligisten eine ganz nette Anlage. Während die beiden Hintertorseiten nicht ausgebaut sind, befinden sich auf der einen Längsseite eine überdachte Tribüne, die wohl noch nicht so alt sein dürfte. Rechts und links davon gibt es ein paar Stehtraversen. Gegenüber gibt es ebenfalls ausreichend Gelegenheit das Spiel im Stehen zu verfolgen. Eine angrenzende Gastwirtschaft mit Terasse und einen kleinen Fanshop komplettieren die Spielstätte des 1. SC Feucht.

 

 

 

Tageskilometer:             84 km mit dem KFZ von Bayreuth nach Feucht

Saisonkilometer:          515 km (515 km KFZ)

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 
 

 

 

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