[zurück zur Übersicht]

 

                  UI-Cup, Saison 06/07, 16.07.06                                 

 

   0:0  

 

Hertha BSC - FK Moskau

 

Berlin, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (8.404 Zuschauer)

 

 

Wie schon im letzten Jahr wurde die neue Saison mit einem UI-Cup Kick eröffnet. Vor einem Jahr ging es Richtung Südwesten nach Luxemburg, heuer nach Osteuropa, genauer in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, unweit des einstigen eisernen Vorhangs. Wie nicht anders zu erwarten, verlief die Fahrt mit der U2 ereignislos, erst der Schienenersatz ab Rosa-Luxemburg-Platz brachte etwas Abwechslung. Dort stand man dicht gedrängt zwischen all den Herthanern und wurde so Ohrenzeuge eines Gesprächs zwischen vier Hertha-Fans, die sich über den Manager des Hauptstadtklubs ausließen. Am Ende dieses Meinungsaustausches meinte der eine, dass selbst Gladbach mehr Zuschauer als Hertha BSC habe. Darauf antwortete der Lauteste der Gruppe: „Das ist ja auch ein Traditionsverein, Du Hirsch!“. Schienenersatzverkehr, geil!

Am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark endlich angekommen, waren die Schlangen an den Kassen ungefähr so lang wie 1989 beim Empfang des Begrüßungsgeldes. Löblicherweise standen mittendrin schon die heutigen Mitgucker und so war man dann doch exakt 120 Sekunden vor dem Anstoß auf einem der vielen bunten Sitzplätze angelangt. Hertha verlegte sein Heimspiel in den Jahnsportpark, nach meinem Geschmack eines der Sorte megageil, denn die gut 8.500 Zuschauer hätten sich im Olympiastadion dann doch ein wenig verloren gefühlt. 

Erwähnenswert noch, dass man heute ein kostenloses Fanzine mit dem klangvollen Namen „Hertha Unser“ zugesteckt bekam. In erster Linie würde mich allerdings mal interessieren, woher man den Namen geklaut hat. Das zwölf Seiten starke Pamphlet ist gar nicht mal schlecht und behandelt u. a. das Thema Herthafahne. Anstelle der Herthafahne ziert das Logo des Vereins fortan ein goldener Adler und dem Schriftzug „Hertha BSC Berlin 2006“. So ein Unsinn!

 

 

Spiel:

 

Ohne einige Stammkräfte präsentierten sich die Hausherren ganz gefällig und phasenweise wurde man von der Partie auch ganz gut unterhalten. Die Gäste aus Moskau spielten munter mit und hatten dabei sogar die wesentlich besseren Tormöglichkeiten. Ärgerlich nur, dass keine Tore fielen.

 

Stimmung:

 

Verhalten! Eigentlich nur ca. 50 Mann auf der Gegengeraden sorgten für einen Dauersupport. Die restlichen Zuschauer machten sich kaum bemerkbar. Aus Moskau war erstaunlicherweise eine ganz Busladung am Start.

 

 

 

Vereine:

 

Es war wohl der 25. Juli 1892, als ein paar junge Männer auf einem Ausflugsdampfer namens Hertha den gleichnamigen Verein "Berliner FC Hertha" gründeten. 1923 erfolgte die Fusion mit dem Berliner SC 1899 (1930 gründete sich der Berliner SC 1899 wieder neu). Fortan hieß der Verein Hertha BSC Berlin. Ab 1925 erreichte die Hertha fast jedes Jahr die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, welche man in den Jahren 1930 (5:4 gegen Holstein Kiel in Düsseldorf) und 1931 (3:2 gegen 1860 München in Köln) gewinnen konnte. Nach dem zweiten Weltkrieg zunächst die (Zwangs-) Auflösung und direkte Neugründung als SG Gesundbrunnen. Am Gesundbrunnen lag das erste Stadion von Hertha, die so genannte "Plumpe". 1949 nahm man wieder den alten Namen "Hertha BSC Berlin" an. Die Berliner sind Gründungsmitglied der Bundesliga, mussten diese aber aufgrund von verdeckten Gehaltszahlungen 1965 wieder verlassen. Mitte der 80er Jahre erreichte der Verein seinen Tiefpunkt, als man nur noch drittklassig war.

Auf eine große Tradition kann der FK nicht zurückblicken, da er erst im Jahre 1997 unter dem Namen Torpedo Moskau SIL gegründet wurde. Fortan kickten zwei Vereine aus Moskau unter dem Namen Torpedo in der ersten russischen Liga. Ursprünglich gehörte dem Automobilhersteller SIL die Mannschaft von Torpedo, nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde diese aber verkauft. Bis zur Gründung des zweiten Torpedos-Clubs (1997, wieder durch den SIL-Konzern) spielte sie auch im Torpedo-Stadion und zog dann ins Luschniki um. Seitdem spielt Torpedo SIL im Torpedo-Stadion. Im Jahre 2002 verkaufte SIL dann den Verein an einen Metallkonzern und so wurde der Verein in Torpedo Metallurg umbenannt. Im Jahre 2004 kaufte dann die Stadt Moskau den Verein und seitdem spielen sie unter dem Namen FK Moskau. Beste Platzierung war der 5. Platz in der Saison 2005, die immerhin den Startplatz im diesjährigen UI-Cup bedeutete.

 

Stadion:

 

Im Jahre 1951 wurde anlässlich der dritten Weltjugendspiele und unter zu Hilfenahme "freiwilliger" Aufbaustunden der Berliner Sportpark errichtet. Vorher befand sich an dieser Stelle seit den 20er Jahren der Sport-Kampfplatz zur "Einsamen Pappel". Seit 1952 trägt das Stadion an der Cantianstraße den Namen des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn. Einige Jahre später bot es dem Armeesportclub Vorwärts Berlin zeitweilig eine Heimat.

Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark war ein richtiges Prestigeobjekt der DDR. Das ganze Gelände ist trotz der zentralen (bis 1989 stand es direkt an der Mauer) Lage sehr weitläufig angelegt und verfügt über eine riesige Auffahrt zur Haupttribüne. 1964 wurde eine Flutlichtanlage installiert und seit 1970 gibt es hier eine Tartanbahn. 1986 erfuhr der Sportpark eine Generalüberholung, bei der eine viergeschossige Ehrentribüne (60 Meter lange Überdachung), die Überdachung der Gegengeraden und eine neue Flutlichtanlage errichtet wurden. Nur 13 Jahre später wurde hier wieder renoviert, weil das Land Berlin es für die Olympiabewerbung fit machen wollte (Kostenpunkt rund 12 Mio. DM).

 

 

 

Tageskilometer:           -

Saisonkilometer:          -

zum Vergleich 05/06: 46.387 km (10.984 km Flugzeug, 24.473 Km Bahn, 11.183 km KFZ, 288 km Schiff, 690 km Bus)

 
 

Grüße an Renato, Jakob, Stefan, Daniel und Talijan

 

[zurück zur Übersicht]