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                  II. liga, Saison 05/06, 06.11.05             

 

    0:2 

 

KS Kujawiak WloclawekWidzew Lodz

 

Wloclawek, Stadion OSiR (5.500 Zuschauer)

 

Das nasskalte Wetter trieb uns schon vor dem Ende der Partie Gornik Zabrze – Wislau Krakow zum Ausgang um pünktlich beim Abpfiff die Stadiontore gen Straße zu verlassen. Eile war geboten, denn um 20:04 Uhr sollte unser Zug nach Katowice fahren, wo wir einige Stunden zuvor via Internet ein Hotelzimmer gebucht hatten. Eine Übernachtung in Zabrze schied übrigens aus logistischen Gründen aus, da unser Zug am Sonntagmorgen eben von Katowice abfuhr.

4:30 Uhr (Man ist ja eigentlich ganz schön bescheuert) schrillten dann wieder die mobilen Telefone und eine Stunde später fuhr unser PKP-Zug Richtung Norden. Der Zug war übrigens nicht reservierungspflichtig, aber selbst wenn, wäre uns das ziemlich egal gewesen.

Die Zugfahrt war dann mehr auch nicht sonderlich spannend, sieht man mal von der Fahrt durch Lodz ab. Die Vorstadtbahnhöfe im Süden der Stadt trugen alle Graffitis die Widzew huldigten und in Richtung Norden dominierte klar LKS. Die restliche Zeit überbrückten wir lesend. In Wloclawek nach über fünf Stunden Abteilsitzen endlich angekommen gingen wir instinktiv am Bahnhof (hier gab es wieder ein beachtliches Polizeiaufgebot) rechts raus, wo schon nach ein paar Minuten eine schöne alte Tribüne unsere Aufmerksamkeit ergriff. Die Tribüne gehört übrigens zum Stadion vom Viertligisten Wloclavia Wloclawek, wo zufälligerweise irgendein Jugendmatch stattfand. Da bis zum Anpfiff des Zweitligaspiel noch über zwei Stunden Zeit war, setzten wir auf eine der vielen maroden Holzbänke der Tribüne. Als die Polizeisirenen immer häufiger zu hören waren und damit wohl das Eintreffen der Gästefans aus Lodz andeuteten, kehrten wir dem jugendlichen Treiben auf dem Rasen den Rücken und machten auf den fünfminütigen Weg zum Stadion des anderen Wloclaweker Vereins. Kurz nach uns marschierten die etwa 1.000 Gästefans mit ca. 250 Polizisten und ca. 30 Polizeifahrzeugen auf. Wüsste man es nicht besser, hätte man fast meinen können, dass es hier zu einer kollektiven Hinrichtung geht.

Eine kleinere Schwierigkeit gab es bei der Ticketbeschaffung, genauer gesagt wo es denn die Eintrittskarten zu kaufen gab. Für alle uns Nachfolgenden: An der Kasse zur örtlichen Basketballhalle, im Prinzip hinter der Gegengerade. Nach dem wir uns die Tickets für die Gegengerade gesichert hatten, versuchten wir es auf anderen und viel sonnigeren Seite des Stadions. Dies führte zwar zu einer kleineren Diskussionen und einem Besuch im hiesigen Vereinsheim, aber rein gelassen haben sie uns dann doch. Die Sonne strahlte uns zum ersten Mal an diesem Wochenende ins Gesicht. Herrlich!

 

 
Spiel:

Die Partie wurde von beiden Seiten sehr hart geführt und Torraumszenen waren leider Mangelware. Optisch schienen zwar die Gastgeben überlegen, aber genützt hat es ihnen auch nix. Widzew schlug in den letzten zehn Minuten zweimal eiskalt zu.

Tore: 0:1 (81. Min.) Grzelak, 0:2 (88. Min.) Grzelak

Stimmung:

Sieht man mal von dem Torjubel ab war der Support der Lodzer Gäste ziemlich enttäuschend. Die minutenlange Stille wurde nur von ein paar Anfeuerungsrufen unterbrochen. Ganz anders der zahlenmäßig unterlegene Block der heimischen Fans. Dauersupport, Kassenrollenwurf, kleine optische Einlage in der zweiten Halbzeit und dazu immer engagiert bei der Sache.

   

   
Vereine:

Ein achter Platz in der zweiten Liga ist der größte Erfolg des 1945 gegründeten Klub Sportowy Kujawiak Wloclawek.
Wer noch mehr Informationen möchte: http://kujawiak-hydrobudowa.q4.pl/?id=18

Zwischen Ende der 70er und Anfang der 90er Jahre spielte Widzew Lodz fast jedes Jahr auf internationaler Bühne. 1981 und 1982  sowie 1996 und 1997 wurde Widzew auch polnischer Meister und gewann 1985 den nationalen Pokal. Aber seit ein paar Jahren ging es abwärts. Gegründet wurde der Verein im Jahre 1910 unter dem Namen Towarzystwo Milostnikow Rozwejk Fizycznego (kurz TMRF) Lodz. Aber schon vier Jahre später folgte die Auflösung und erst 1922 die Neugründung als Widzew (Stadteil von) Lodz.

   
Stadion:

Der erste Eindruck vom Stadion OSiR in Wloclawek ist zunächst einmal bunt. Die kleine Haupttribüne hat ein rotes Dach und grüne Sitzschalen. Die Gegengerade, die auch teilweise überdacht ist, hat hingegen blaue Sitze. Auf dieser Seite gibt es noch einen ganz kleinen Bereich der über ein gelbes Dach verfügt. Die Clubfarben sind übrigens gelb-blau. Ansonsten sieht das Stadion halt wie ein Stadion aus. Auf der ehemaligen Laufbahn liegt schwarze Asche und in den Kurven sind die Stehplätze. Die Gesamtkapazität dürfte bei 10.000 Zuschauern und der zusammenfassende Eindruck ist: Charmant.

Vom Bahnhof aus ist das Stadion sehr einfach zu erreichen. Man muss sich nur rechts halten, immer der Hauptstraße langgehen und schon ist man da. Als weitere Orientierung dient ein schottisches Schnellrestaurant.

 

 

 

 

Wloclawek kehrten wir direkt nach dem Schlusspfiff den Rücken und nach kurzem Umstieg in Kutno in den Berlin-Warschau-Express waren wir gegen 23 Uhr wieder in heimischen Gefilden.

Fazit: Der Aufwand (58 Stunden unterwegs, davon 24 Stunden im Zug bei nur 10 Stunden Schlaf) stand ein ebenso großer Ertrag gegenüber: 4 ½ Spiele komplett gesehen mit großteils guter Atmosphäre und vielen kleinen Geschichten am Rande. Super!

 

Tageskilometer:                  320 km mit der Bahn von Zabrze nach Wloclawek und 480 km von Wloclawek nach Berlin

Saisonkilometer:           18.094 km (5.900 km Flugzeug, 8.654 Km Bahn, 3.127 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Ende
 
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