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                  Barclays Premiership, Saison 05/06, 15.01.06              

 

   0:1  

 

Wigan Athletic F. C.West Bromwich Albion F. C.

 

Wigan, JBB Stadium (17.421 Zuschauer)

 

 

Tag 2 im Vereinigten Königreich – Spiel 2.

Nach dem Spiel gestern bei Arsenal ging es gemächlich Richtung Unterkunft in Fulham. Auf dem Weg dorthin wurde noch nach einer günstigen, nahrhaften und vor allen Dingen schmackhaften Mahlzeit mit ebenso günstigem, nahrhaftem und schmackhaftem Bierchen Ausschau gehalten. Nicht gerade einfach, ich will sogar sagen unmöglich. Das recht teuere Mahl sollte für über eine Woche meine letzte warme Mahlzeit bleiben. Nach zwei Bierchen und netter Konservation siegte dann die Müdigkeit.

Der Sonntag ist ja nicht unbedingt der Lieblingsspieltermin der Engländer, so standen auch nur zwei Alternativen auf dem Zettel. Die Entscheidung fiel zu Gunsten Wigan und zu Ungunsten Sunderlands aus drei Gründen. Zum einen, weil Wigan in der Sammlung meines heutigen Begleiters noch fehlte. Zum anderen, weil die Strecke nach Wigan von Virgin Trains befahren wird und letztlich, weil mein heutiger Begleiter ein Verhältnis mit dieser Bahngesellschaft hat.

Auch hier ist wieder ein Rückblick fällig, denn auch der Kontakt kam (zwar indirekt) wieder durch Tallinn zu Stande. Lee war der ominöse Hopper, der sich in der estnischen Landeshauptstadt partout nicht zu erkennen geben wollte. Als wir vor Neugier kaum noch Wasser lassen konnten und uns aufrafften ihn zu fragen, war auch schon wieder weg. Aber eine Email ein paar Tage später lüftete dann das Geheimnis. So blieb man in Kontakt und der Lohn war dann ein Complimentary Rail Ticket (First Class versteht sich) nach Wigan. In Milton Keynes gesellte dann noch ein weiterer englischer Hopper namens Darren dazu und so verging die dreieinhalbstündige Fahrt wie im Flug. 

In Wigan angekommen blieb gar keine Zeit für die Schönheiten der Stadt (welche es wohl auch nicht gibt) und so steuerten wir direkt das JBB-Stadion vom Aufsteiger Wigan Athletic F. C. an. Der Eintrittspreis von 17 Pfund war fair.

 

 
Spiel:

In der ersten Halbzeit wurde den rund 17.000 Zuschauern ein für diese Liga recht niveauarmes Spiel dargeboten. Wigan war zwar optisch überlegen und konnte sich auch die ein oder andere Torchance herausspielen, aber der Ball wollte partout nicht ins Netz. Die erste Schlüsselszene des Spiels ereignete sich kurz vor dem Pausenpfiff und hatte entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des Matches. Gästespieler Darren Moore wurde mit Gelb-Rot von Platz geschickt. Daraufhin wechselte der WBA-Trainer Stürmer Ellington (spielte im Vorjahr noch für Wigan (59 Tore in 130 Spielen) und wurde bis zu einer Auswechslung bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen) aus und brachte dafür den dänischen Verteidiger Albrechtsen.

Der Wechsel wirkte sich zunächst positiv auf das Spiel aus, denn trotz Unterzahl bekam West Bromwich das Spiel nun besser in den Griff. Optisch blieb zwar Wigan überlegen, aber in der 55. Minute (Schlüsselszene Nr. 2) schnappte sich Albrechtsen den Ball, startete in der eigenen Hälfte und brach seinen Lauf erst ab, als der Ball im Tor von Wigan zappelte. Die Hausherren zeigten sich aber nur kurz geschockt und schnürten die Gäste fortan in der eigenen Hälfte ein. Entlastungsangriffe waren Mangelware. Aber entweder scheiterten die Stürmer an den eigenen Unzulänglichkeiten oder am polnischen Schlussmann Kuszczak (der mit 17 Jahren von Slask Wroclaw zum KFC Uerdingen wechselte und anschließend drei Jahre lang die Nummer drei bei Hertha BSC Berlin war).

Die dritte und finale Schlüsselszene des Spiel machte einen Spieler zum „Player of the Match“ und dessen Aktion wurde in den folgenden Tagen mehrfach auf sämtlichen Kanälen im britischen Fernsehen gezeigt. In der 85. Minute kam nach einigen Querschlägern plötzlich Wigans Stürmer Jason Roberts an den Ball und die Entfernung zum Tor betrug ca. 4 Meter. Von Torwart weit und breit keine Spur! Roberts wollte den Ball platziert mit Hilfe der vollen Längsseite seines Schuhs ins Tor befördern und wie aus dem Nichts tauchte auf einmal Thomas Kuszcazak auf und verhinderte den Treffer auf eine dermaßen spektakuläre Art und Weise, wie ich sie bislang noch nicht gesehen habe.

Danach feuerte Wigan noch ein paar Mal aufs Tor, aber eigentlich Jedem im Stadion war klar, dass der Pole im Tor von West Brom heute keinen mehr reinlassen sollte.

Tor: 0:1 (55. Min.) Albrechtsen

Stimmung:

„Who the fuck is Wigan?“ Gute Frage! Rein stimmungstechnisch hat man sich heute von der Partie eigentlich gar nix versprochen. Die Zuschauer, die das Heimteam akustisch unterstützen wollten, versammelten sich auf der Gegengerade und deren Support war gar nicht mal schlecht. Ein wenig nervig war nur das Vereinslied, welches einige Mal zum Besten gegeben wurde. Dabei wurde gezwitschert wie ein Vögelchen und bei der letzten Liedzeile mit dem Außenspann des Fußes gegen den Sitz getreten. Sah schon irgendwie bekloppt aus. Aber was soll es! An der Stadt ist der plötzliche Aufstieg in die Premier League irgendwie vorbeigegangen, denn trotz sehr moderater Eintrittspreise ist das zumal recht kleine Stadion selten ausverkauft. Für eine noch bessere Stimmung im weiten Rund bzw. eckigen Eck sorgen allerdings die Gästefans. Eine ganze Hintertorseite stand diesen zur Verfügung und war auch ganz gut gefüllt. Mit typisch britischen Anfeuerungsrufen wurde es daher einige Male richtig laut im JBB-Stadion.   

Vereine:

Der Wigan Athletic Football Club ist ein vergleichsweise recht junger Verein. Gegründet wurde er im Jahre 1932 und trägt den Spitznamen „Latics“. Zuvor gab es in Wigan zwar schon einige Fußballvereine, wie z. B. Wigan County oder Wigan Town A. F. C., aber bis 1932 konnte sich keiner dieser Vereine am Leben halten. 1978 stieg Wigan in die damalige Fourth League (heute League Two, vierthöchste Spielklasse) auf. 2003 stieg man dann sogar in die zweithöchste Spielklasse auf und am Ende der letzten Spielzeit wurde man hinter Sunderland sogar Zweiter dieser Staffel und stieg damit direkt in die Premier League auf. Die Ergebnisse der Hinrunde lassen vermuten, dass sie die Klasse auch halten werden. Ganz im Gegensatz übrigens zu Sunderland, die im Prinzip jetzt schon mit dem Abstieg rechnen können.

Der West Bromwich Albion F. C. wurde im Jahre 1878 von Arbeitern einer Sprungfedernfabrik gegründet. Er war Gründungsmitglied der englischen Football League und war die erste englische Mannschaft die in Russland und auch in der in Volksrepublik China (1978) spielte. Eine Meisterschaft (1920) und fünf FA-Cup-Titel (1888, 1892, 1931, 1954 und 1968) zieren den Briefkopf der Albions. Die Albions haben übrigens gleich zwei Spitznamen. „The Trostles“ weil im Vereinswappen Drosseln abgebildet sind und „The Baggies“ weil die Spieler einst viel zu weite Hosen trugen. In der letzten Saison schaffte West Bromwich übrigens das Kunststück an Weihnachten noch Tabellenletzter zu sein und trotzdem nicht absteigen zu müssen (als erstem Verein seit Bestehen der Liga). Am letzten und hochdramatischen Spieltag schoben sich die Albions vom letzten Platz noch an Norwich, Southampton und Crystal Palace vorbei.

Stadion:

Das JBB-Stadium (JBB ist Sponsor) ist ca. fünf Jahre alt und fasst ca. 25.000 Zuschauer. Das Stadioninnere wirkt aufgeräumt und vier Tribünen stehen parallel zu den Seitenauslinien. Die Farben der Sitze sind rot und blau, obwohl die Farben des Vereins Blau und Weiß sind. Allerdings trägt der landesweit bekannte Rugbyverein Wigan Warriors auch seine Heimspiele hier aus und dessen Vereinsfarben sind Rot und Weiß. Und da es sich bei dem Vereinspräsidenten der Fußballer und Rugbyer um ein um dieselbe Person handelt, ist die Farbgestaltung ziemlich konsequent. Daneben gehört diesem auch die Firma JBB und dessen Logo ist auf jeder Tribüne zu finden. Jeder Platz ist überdacht und optisch interessant wirkt einzig die Dachkonstruktion, da diese komplett ohne Stützpfeiler auskommt und leicht gebogen ist (Hintertorseiten). Die Längsseiten kommen sogar ohne solche Hilfskonstruktionen aus.

Für die Zugreisenden ist das Stadion vom Bahnhof aus recht einfach zu erreichen. Am Bahnhof links raus, unter die Unterführung durch und dann einfach dort rechts abbiegen wo ein Schild den Weg weißt. Dauer des Fußmarsches ca. 15 Minuten. 

 

 

 

 

Tageskilometer:                620 km mit der Bahn von London nach Wigan und zurück

Saisonkilometer:           23.204 km (6.842 km Flugzeug, 10.002 Km Bahn, 5.847 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an Darren und vielen Dank an Lee

 

Linktipp: http://www.groundhopping.de/wiganatl.htm

 

 
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