|
|
|
|
|
|
|
Ziemlich durchgefroren kehrten wir direkt nach dem Spiel Liberec den Rücken und fuhren zurück Richtung Varnsdorf. Das Grenzstädtchen ließen wir allerdings links liegen und fuhren direkt auf den Marktplatz von Sluknov. Dort vegetierten ein paar der Kandidaten der gestrigen Nacht rum und begleiteten uns in die am nächsten liegende Kneipe, wo wieder mächtig viel tschechische Braukunst angetischt wurde. Wir lehnten höflich, aber entschieden ab. Es folgte das Erlebte bzw. Nichterlebte der gestrigen Nacht noch mal aufzuarbeiten und letzter Kategorie gehörte die Geschichte von „Mon Chi Chi – czechs hardest hool“ (unsere Wortkreation, aber mittlerweile wird er auch von den Bohemians Leuten so genannt), der sich voll wie tausend Russen nächtens in Varnsdorf verlief und in den frühen Morgenstunden halberfroren und von Sinti und Roma umzingelt, schlafend auf der Straße gefunden wurde. Am nächsten Morgen versteckten seine Kumpels seine Sachen und ließen ihn bis kurz vor dem Abmarsch ins Stadion im Glauben, dass sie ihn so gefunden hätten. Wir gönnten uns noch ein Schnitzel und dann ging es auch schon auf Richtung Stadion. Entgegen der sonstigen Traditionen stellten wir uns in den Gästeblock, der eigentlich über die ganze Seite gegenüber der Haupttribüne verlief. Um noch auf die Sache mit den zwei Vereinen Bohemians bzw. Bohemians 1905 zurückzukommen – also das war so: Anfang diesen Jahres ging der Prager Traditionsclub Bohemians Praha pleite, deren Vereinswappen ein Känguru ziert. Der Vereinsname und die Geschichte mit dem Känguru stammt aus dem Jahre 1927. Der AFK Vrsovice machte eine Tournee in Australien und um sich mit dem Mutterland zu identifizieren, wählte man für die Marketingtour den Namen Bohemians (Böhmen, als Teil der Tschechoslowakei). Zum Dank bekamen sie von den Gastgebern ein Känguru geschenkt und obendrein behielten sie den Namen Bohemians. Aber zurück in die jüngere Vergangenheit. Ein anderer Prager Verein, der FC Strizkov Praha 9, war aber so clever und sicherte sich die Rechte am Namen und Logo des alten Vereins für ein Jahr bzw. eine Saison. Die Rechte gehörten eigentlich gar nicht dem alten Fußballclub und tschechoslowakischen Meister von 1983, sondern dem so genannten Dachverein, der diesen Namen im Prinzip dem Fußballclub verpachtet hat. Mittlerweile hat sich aber eine Vereinigung „Druzstvo fanousku Bohemians“ (so eine Art Genossenschaft) gegründet, die Geld sammelte und dem wahren Nachfolger Bohemians 1905 das Startrecht zumindest für die dritte Liga sicherte. Die „neuen“ Bohemians wollten aber auch so heißen, welches der Verband aber untersagte. Es kam zu einem Gerichtsverfahren, weil sich der Verein weigerte die Verbandsentscheidung zu akzeptieren, welche zur Strafe Bohemians (vormals Strizkov) vom Spielbetrieb (bezeichnenderweise auch in der dritten Liga) ausschloss. Strizkov durfte nach Ansicht der Juristen wieder zurück in den Spielbetrieb, worauf hin der Verband klagte. Um es abzuküren: Strizkov heißt mittlerweile Bohemians, während Bohemians jetzt Bohemians 1905 heißt. Alles klar?
|
|
|
| Spiel: |
Die Anfangsphase gehörte ganz klar den Varnsdorfern, die aber gleich doppeltes Pech hatten, in dem sie die Festigkeit der Querlatte mit ihren Schüssen überprüften. Danach wurde die Partie ein wenig ausgeglichener und die Prager kamen besser ins Spiel. Das 0:1 in der 36. Minute war dennoch ein wenig schmeichelhaft. Noch vor der Pause konnten die Varnsdorfer ausgleichen. Das muntere Spiel setze sich in der zweiten Halbzeit fort, wobei beide Teams sehr engagiert spielten. Die Tore erzielten nur noch die Bohemians. Tore: 0:1 (36. Min.) Lukas, 1:1 (44. Min.) Capek, 1:2 (71. Min.) Slezak, 1:3 (88. Min.) Strnad. |
| Stimmung: |
Ca. 300 Gästefans fanden sich an diesem Nachmittag in Sluknov ein und machten ein bisschen Tamtam. Leider alles ein bisschen unkoordiniert, was aber auch daran lag, dass die gesamte Spielfeldseite gegenüber der Haupttribüne für die Fans aus Prag reserviert wurde. Auf der anderen Seite keine erkennbaren Fans, aber Zuschauer die zumindest akustisch erkennbar mit Slovan Varnsdorf mitfieberten. |
|
|
|
| Stadion: |
Das Stadion Sluknov ist eigentlich die Heimat von des SK Plaston, der irgendwo in den Niederungen des tschechischen Fußballs auf Punktejagd gehen. Einziges Highlight ist die recht nette, aber nicht allzu große überdachte Haupttribüne. Ansonsten stehen die Zuschauer ebenerdig hinter ein paar Absperrstangen. |
|
|
|
|
|
|
|
Nachdem wir uns dann langsam verabschiedet hatten, ging es inklusive der 30 Minuten am Grenzübergang wieder Richtung Berlin. Das Walross übertönte mit seinem Schnarchen die Musik und kriegte die alte Karre leider nicht kaputt getreten. Kurz nach 19 Uhr waren wir dann wieder in Berlin-Schönefeld, wo Mike zurück ans Steuer durfte, um die Teilstrecke bis Göttingen allein zurück zulegen. Rein spieletechnisch war die Tour sicherlich nicht der Brüller, aber die Konstellationen der Mitfahrer ging ganz gut auf und all die kleinen Geschichten zwischen den An- und Abpfiffen machen die Tour nicht so schnell vergessen. Gut abgelacht... |
|
|
Tageskilometer: 360 km von Liberec über Sluknov nach Berlin mit dem KFZ Saisonkilometer: 18.839 km (5.900 km Flugzeug, 8.654 Km Bahn, 3.872 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus) zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug) |
|
|
|
|
|
Herzlichen Dank an die Leute Bohemians, insbesondere Patrick, „Heinz“, Mon Chi Chi, und natürlich an die beiden Mitfahrer. |
|
| [zurück zur Übersicht] | |