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                  Oberliga NOFV-Nord, Saison 05/06, 21.08.05                                 

 

   8:0  

 

1. FC Union Berlin - Berliner FC Dynamo

 

Berlin, Alte Försterei (14.020 Zuschauer)

 

 

Über vier Jahre mussten die Anhänger beider Clubs auf „ihr“ Derby warten, wobei man im Vorfeld dieser Partie den Eindruck gewinnen konnte, dass sich die Gäste aus Hohenschönhausen mehr darauf freuten, als die Rot-Weißen aus Köpenick. Wie dem auch sei, zog das Oberligaspiel natürlich auch einen ganzen Haufen Fußballfreunde aus der ganzen Republik an, die auch via Transparent im Stadion an der alten Försterei willkommen geheißen wurden (doch dazu später mehr). Ich durfte drei davon zur Alten Försterei begleiten, wo wir zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff noch einen guten Parkplatz bekamen. Normalerweise ist die Parksituation vor Unionspielen nicht so kritisch, aber diesmal blockierten massenhaft grüne Einsatzfahrzeuge (darunter auch einige Wasserwerfern) die potentiellen Abstellplätze.

Erster Anlaufpunkt war der Fanshop, um sich dort mit Tickets und ein paar Kaltgetränken in der benachbarten „Abseitsfalle“ zu versorgen. Glücklicherweise gab es noch ein paar Tribünenplätze, was angesichts der schwülheißen Temperaturen auch ganz ratsam war. Vor der Vereinsgaststätte war auch schon mächtig was los und so manches Gerücht machte die Runde. Die erste Neuigkeit war das nächtliche Stürmen des SEK einer Disco, wo zahlreiche BFCer den Ausklang ihres Fanturniers feierten. Angeblich sollen zahlreiche „Gewaltbereite“ dort ziemlich unsanft weggeheftet worden sein (die Geschichte stimmte übrigens und brachte der Berliner Boulevardpresse schöne Titelseiten). Daneben wurde noch gemunkelt, dass der Gästeanhang die S-Bahn mit der Notbremse stoppen wollte und direkt (von der nur wenige Meter entfernt liegende Bahnbrücke) die Abseitsfalle stürmen wollte. Das erklärte dann auch die Menschenmassen vor der Kneipe und deren apathische Blicke auf eben diese Brücke. Die Story gehörte dann aber ins Reich der Legenden, denn gekommen ist nur ein einsamer BFC-Fan, der seinen Mut oder seine Dummheit mit einer Bierdusche bezahlte. Zu guter Letzt berichtete unser Informant (wird aus taktischen Gründen hier nicht genannt) von der Verschiebung des Anpfiffs um dreißig Minuten. Die kam dann auch, allerdings wurde über die Stadionlautsprecher verkündet, dass es Probleme mit der Spielerkleidung gäbe. Dies sorgte dann bei den Informierten für ein kleines Schmunzeln. Gar nicht zum Lachen fanden das wohl die Verantwortlichen, die Spieler und Fans des BFC, denn es wurde wohl ernsthaft erwogen das Spiel gar nicht stattfinden zu lassen, um gegen die nächtliche Polizeiaktion zu protestieren. Diese ganze Geschichte wird mit Sicherheit noch die Gemüter in den nächsten Tagen erhitzen.

Ein viel größeres Schmunzeln verursachte die Lektüre des Stadionprogramms. Unter der Rubrik „Gastvorstellung“ wurde ein Interview mit dem Gästetrainer geführt, der bisherige Saisonverlauf aufgezeigt, die Mannschaft abgebildet und die Vereinsgeschichte erzählt, ohne ein einziges Mal den Namen des heutigen Gastes zu erwähnen. Selbst unter „Unser Gast im Internet“ wurde einfach „siehe Google“ gedruckt.

Eine halbe Stunde vor dem „offiziellen“ Anpfiff nahmen wir dann unsere Plätze an Ende der Haupttribüne ein, mussten aber feststellen, dass der 1. FC Union seine Karten wohl doppelt verkauft hat, denn auf unseren Plätzen saßen schon drei Nasen. Egal, ab in den daneben liegenden Pufferblock, der dann mit allerlei Grünzeug garniert wurde.

 

 
Spiel:

Die einigermaßen ausgeglichene Anfangsviertelstunde beendete Mattuschka mit dem 1:0. Die Führung war zwar verdient, doch deutete sich bis dahin noch nicht das Schlachtfest in der Alten Försterei an. Mit ein bisschen Glück hätte der BFC zwei Minuten später den Ausgleich erzielen können, doch Glinker im Union-Tor verhinderte diesen mit einer guten Parade. Das 2:0 fiel erst nach mehr als einer halben Stunde (Torschütze wieder Mattuschka) und war der Beginn einer einzigen Sturm- und Drangphase in der die Unioner locker zwei, drei Treffer mehr hätten erzielen müssen. Glück für den BFC, dass die Schöpfer des Fußballspiels eine Halbzeitpause erfanden. Doch auch diese 15 Minuten konnten die Mannschaft vom Berliner Fußballclub Dynamo nicht vor einem wahren Massaker auf dem grünen Rasen bewahren. Allerspätestens nach dem 4:0 (zwanzig Minuten vor Spielende) brachen bei den Gästen alle Dämme und am Ende konnten sie noch froh sein, nicht zweistellig nach Hause geschickt worden zu sein.

Tore: 1:0 (18. Min.) Mattuschka, 2:0 (35. Min.) Mattuschka, 3:0 (48. Min.) Grubert, 4:0 (69. Min.) Grubert, 5:0 (77. Min.) Benyamina, 6:0 (80. Min.) Heinrich, 7:0 (82. Min.) Benyamina, 8:0 (87. Min.) Benyamina.

Stimmung:

Zunächst einmal die Fakten: 14.020 Zuschauer, darunter über 3.000 Gästefans bildeten einen würdigen Rahmen. Während man beim BFC (ob der nächtlichen Vorfälle (?)) auf Choreographien weitgehend verzichtet hat, aasten die Unioner mit Banner nur so rum. Zu Beginn wurde eine recht große Folie hochgezogen, auf der in schwarzen Lettern auf rot-weißem Grund „1. Fußballclub Berlin“ zu lesen war. Flankiert wurde diese Aktion mit einer Zettelchoreographie. Auf weißen Pappen stand dort „Scheiß Dynamo“ und ähnliches. Während der gesamten Spielzeit wurden dann immer wieder Banner in Richtung Gästeblock gezeigt: „5.000 Fans in Liga 4 – der Klassenprimus sind jetzt wir!“, „…dem Block in Weinrot-Weiß & und den ganzen Hopperscheiß!“ „Langweilig!“ und „Selbst wenn wir knien, werdet ihr nie die Größe haben, um auf unsere Augenhöhe zu kommen!“. Auf der Gegengerade ging dann noch ein weiteres Banner rum, welches schlecht zu lesen war, aber man wollte den BFC und damit die Vergangenheit begraben. Alles wirklich sehr gelungen, vielleicht hätte aber etwas weniger mehr sein können.

Auf der anderen Seite gab es nur eine extralange Zaunfahne, auf der BFC Dynamo und zensiert zu lesen war. Die einzige optische Aktion aus dem Gästeblock zeigte den Unionern deren vermeintliche sexuelle Zugehörigkeit: „Kategorie Gay!“.

Akustisch hatte der Gästeanhang in den ersten Minuten die Nase leicht vorn. Die Anfeuerungsrufe kamen kurz, knackig und laut. Laut wurde es dort in der zweiten Halbzeit allerdings nur noch, als die Unioner ihre Tore mit „Eisern Union“ feierten und die BFCer dann mit „Scheiss Union“ einstimmten. Der Support von der Heimseite war in der ersten Halbzeit noch ein bisschen schwächelend, aber danach immer besser. Alles absolut derbywürdig.

 
Stadion:

Die "Alte Försterei" ist vielleicht die stimmungsvollste und schönste Fußballarena in Berlin. Sie liegt inmitten eines großen Waldgebietes in der Nähe des Freizeit- und Erholungsparks FEZ (bekannt durch die Konzertstätte Wuhlheide) im Bezirk Köpenick. Das Jahr 1920 gilt offiziell als Eröffnungsjahr der "Alten Försterei". Dem 1. FC Union Berlin (vormals SG Oberschöneweide) dient das Stadion seit 1966 als Heimstätte und er verzeichnete auf Anhieb die besten Besucherzahlen in Ost-Berlin (noch vor Dynamo und Vorwärts Berlin). Im Jahre 1985 wurde das Stadion dann noch mal erweitert (die Hintertortribünen wurden verlängert). Das Fassungsvermögen lag danach bei rund 23.500 Plätzen. Nach der Wiedervereinigung galt das Stadion zwar als "nicht-bundesligatauglich", aber die großen Renovierungen blieben aus. So gab es ständig Diskussionen, die Heimspiele der "Eisernen" in den Jahn-Sportpark (Bezirk Prenzlauer Berg), der ehemaligen Heimstätte des Erzrivalen BFC Dynamo Berlin, zu verlegen. Im Jahre 1999 folgten dann zumindest die allernotwendigsten Sanierungen, um das Stadion für die 2. Bundesliga vorzubereiten. Im Jahre 2000 ist dann auch endlich die Sitzplatztribüne überdacht worden. Bei der "Alten Försterei" handelt es sich um ein reines Fußballstadion, und so entsteht auch bei geringen Zuschauerzahlen eine gute Atmosphäre. Die Gästefans finden sich im Block C wieder, der Rest ist für die Heimfans reserviert.

 

 

 

 

Tageskilometer:                  -

Saisonkilometer:           12.022 km (5.900 km Flugzeug, 4.332 Km Bahn, 1.170 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 
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