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                         Oberliga Baden-Württemberg, Saison 05/06, 17.04.06                                  

 

   1:5  

 

SSV Ulm 1846 - SSV Reutlingen 05

Ulm, Donaustadion (9.000 Zuschauer)

 

 

Drei Tage vor diesem Spitzenspiel war im Reutlinger Forum folgender Satz zu lesen: „@Franky, Ich habe immer gesagt, das Ulmer spiel ist das wo die Richtung angeben tut!“. Besser als mit diesen feinsinnigen und voller Prosa steckenden Worten kann man wohl nicht die Situation vor diesem Spitzenspiel der Oberliga Baden-Württemberg zusammenfassen. Reutlingen hat in dieser Saison schon 60 Punkte angesammelt und die Ulmer gerade mal drei weniger. Wer also heute das Donaustadion als Sieger verlässt, hat gute Chancen (Heidenheim mischt auch noch mit) in die Regionalliga Süd aufzusteigen. Ein echtes Spitzenspiel also und da sich beide Fangruppen nicht gerade grün sind war die Hoffnung groß, dass mehr Zuschauer als im Vorjahr (4.500 beim Ulmer 4:2-Sieg) ins Stadion strömen würden.

4:30 Uhr klingelte der Wecker und eine Stunde später stand am Bahnhof Zoo der ICE Richtung Ulm bereit. Bei der Eintragung ins Mc-Donalds-Ticket (welches man ja bekanntlich nicht freitags und sonntags, dafür aber an diesem Ostermontag, benutzen durfte) war wieder ganze Kreativität gefragt. Danach hieß es sieben Stunden entspannen, was aufgrund des nahezu leeren Großraumwagens auch nicht schwer war. Gegen Mittag erreichte der ICE fast pünktlich das Donaumetropölchen. Vom Bahnhof, der aufgrund der zahlreich vertretenen Sicherheitskräfte ziemlich überfüllt war, ging es erstmal Richtung Münster um sich dieses imposante Bauwerk mal aus der Nähe anzuschauen. Lohnt sich, würde ich mal sagen. Danach ging es durch eine Art Altstadt (Fischerviertel?) runter zur Donau und dann entlang des Wassers gemächlich Richtung Stadion. Dort angekommen wurde ich Zeuge eines Fußballspiels auf dem Nebenplatz des Donaustadions. Was auf den ersten Blick als Alt-Herren-Gebolze aussah, entpuppte sich nach Befragung der einheimischen Bevölkerung als wichtiges Aufstiegsspiel der zweiten Mannschaft des SSV Ulm 1846 gegen den SV Nersingen (Kreisliga A Donau, Endstand übrigens 8:2). Erstaunlich viele Zuschauer (ich tippe mal auf 300, gegen Ende deutlich mehr) standen um den ziemlich trostlosen Kunstrasenplatz rum. Danach ging es zum Kassenhäuschen um das reservierte Ticket in Empfang zu nehmen und sodann direkt ins Donaustadion, wobei noch der Verlust von zwei Wasserflaschen zu beklagen war, die der penible aber freundliche Ordner mit dem Verweis auf die überhöhte Sicherheitslage an diesem Tage aus meinem Rucksack sortierte.

Kaum hatte man sich ein gutes Plätzchen auf Höhe der Mittellinie gesichert, verkündete der Stadionsprecher, dass sich der Anpfiff aufgrund der zahlreichen vor den Eingangstoren stehenden Zuschauer um zehn Minuten verzögern würde. Das ersparte mir zumindest den Stress nach dem Abpfiff möglichst schnell zum Bahnhof zu kommen, denn der Zug kurz nach fünf würde dadurch auf keinen Fall mehr erreicht werden können.

 

 
Spiel:

Der SSV Ulm präsentierte sich in der ersten halben Stunde als wesentlich agilere Mannschaft und ging verdient nach etwas mehr als einer Viertelstunde in Führung. Vor und nach dem Treffer gab es noch zwei, drei ganz gute Möglichkeiten, den Vorsprung auszubauen. Ziemlich überraschend gelang den Gästen dann in der 34. Minute nach einem Eckball und einem Kopfball aus der Nahdistanz der Ausgleich. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr viel. Der zweite Durchgang begann gleich mit dem zweiten Paukenschlag, der Reutlinger Führung und wieder wurde der Treffer mit dem Kopf erzielt. Danach schienen sich die Ulmer zu fangen und kamen noch zu zwei Möglichkeiten zum Ausgleich. Aber diese kleine Drangphase wurde durch die Gelb-Rote Karte für einen Ulmer nach einer Stunde jäh unterbrochen. Kurze Zeit später erhöhte Reutlingen auf 3:1 und konsequenterweise wurde auch dieser Treffer mit dem Kopf erzielt. In der 70. Minute musste dann noch ein Ulmer runter (Gelb-Rot) und der fällige Freistoß wurde sehenswert im Tor versenkt. Mit nur neun Mann war das Ding natürlich gelaufen und das 1:5 kurz vor Schluss bedeutete nicht nur eine ziemlich derbe Derby-Niederlage sondern auch das Zerplatzen aller Aufstiegsträume.

Tore: 1:0 (17. Min.) Bagceci, 1:1 (34. Min.) Tsapakidis, 1:2 (48. Min.) Waidmann, 1:3 (73. Min.) Haas, 1:4 (81. Min.) Rill, 1:5 (88. Min.) Arifi

Stimmung:

Die 9.000 Zuschauer dürften wohl die optimistischsten Erwartungen übertroffen haben, denn schließlich kicken beide Teams „nur“ in der Oberliga. Zum Intro präsentierten beide Lager etwas fürs Auge. Die Ulmer wedelten mit weißen und schwarzen Fähnchen und zusätzlich wurde eine kleine Blockfahne hochgehalten auf der „Ulmer Spatzen“ zu lesen war. Auch der Gästeblock machte optisch auf sich aufmerksam, indem rote, weiße und schwarze Folien hochgezogen und dazu ein Spruchband mit den Worten „ Für immer Reutlingen“ gezeigt wurde. Der Support war von Anfang an gut, wobei aber leider auf Ulmer Seite nur der Supporterblock auf der Gegengeraden richtig Gas gab. Der Rest des Stadions fiel nur in der Anfangsphase (bis zum 1:1) einige Male auf. Der mit gut 1.000 Leuten gefüllte Gästeblock (dazu vielleicht noch mal ca. 500 im restlichen Stadion) wusste von Anfang bis Ende zu gefallen. Stets waren die Reutlinger in Bewegung oder fielen durch Singerei auf. Dazu wurden während des Spiels etliche Spruchbänder hochgehalten, die allesamt in Richtung Ulmer adressiert waren: „Ulmer Spasten“, „Wenn aus Hass Mitleid wird“, „Danke Gabor für die Infos“ und zu guter Letzt „Ihr könnt euch als gefickt betrachten“. Die Ulmer zogen dann auch irgendwann nach und boten die folgenden Spruch: „ Mit 1000 Mann angereist und trotzdem kein Schwanz im Block“ (wobei mir persönlich Reime ganz gut gefallen, aber das nur am Rande). Während der ersten Halbzeit ging auf einmal das Tor zur Laufbahn auf, worauf hin es ein kurzes Gerangel mit den Ordnern und den herbei geeilten staatlichen Organen gab.

Fazit: Gutes Derby, welches alle Erwartungen noch übertraf.

Vereine:

Die eigentliche Geschichte des SSV (Schwimm- und Sportverein) Ulm 1846 begann am 5. Mai 1979 als sich die beiden Vereine TSG Ulm 1846 und der 1. SSV Ulm zusammenschlossen. Fußball gespielt wurde in Ulm aber schon seit dem Jahre 1894 als beim Turnerbund Ulm (1846 gegründet) die Fußballabteilung ins Leben gerufen wurde. 1939 fusionierte man mit dem Ulmer FV (Fußballabteilung des Ulmer Privat TV), TV 1868 Ulm und der SpVgg Ulm von 1889. 1979 stiegen die Ulmer in die 2. Bundesliga Süd auf, mussten diese aber drei Jahre später wieder verlassen, weil sie die Qualifikation zur eingleisigen 2. Bundesliga knapp verpassten. Aber nur zwei Jahre später kehrten die Ulmer wieder in die Zweitklassigkeit zurück, konnten die Klasse sogar eine Saison halten eh es dann mit Pauken und Trompeten (letzter Platz, und 29 Spiele ohne damals noch doppelten Punktgewinn) zurück in die Oberliga ging (1985). Nach einem Jahr in dieser Liga gelang der direkte Wiederaufstieg und auch diesmal konnte man die Klasse zwei Jahre lang halten. Danach spielte der SSV Ulm 1846 bis zum Aufstieg (1994) in die Regionalliga Süd in der Oberliga Baden-Württemberg. 1997 erfolgte der Aufstieg in die 2. Bundesliga und nur ein Jahr später in die höchste Spielklasse, aus der man sich aber nach nur einer Saison (2000) verabschieden musste. Nur ein Jahr später folgte der direkte Absturz aufgrund von „finanziellen Schwierigkeiten“ in die Verbandsliga Württemberg. Seit 2002 kicken die „Spatzen“ wieder in der Oberliga.

Der SSV Reutlingen wurde am 9. Mai 1905 unter dem Namen FC Arminia 1905 gegründet und wurde zweimal (1974 und 1997) deutscher Amateurmeister. Der heutige Name entstand 1938 aus der Fusion mit dem 1. Schwimmverein 1911. Nach dem zweiten Weltkrieg spielte der SSV Reutlingen in der Oberliga Süd, in der er 1955 einen hervorragenden zweiten Platz belegte und sich damit zur Endrunde für die Deutsche Meisterschaft qualifizierte. Nach Auflösung der Oberligen (1963) fanden sich die Reutlinger in der Regionalliga Süd wieder. 1965 wurde man hinter Bayern München Zweiter, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga (wieder Zweiter hinter Borussia Mönchengladbach). Danach ging es für den SSV ab ins Amateurlager.  Der Aufstieg in die Zweite Bundesliga gelang trotz zahlreicher Teilnahmen an den Aufstiegsrunden nur zweimal - im Jahr 1975 (Abstieg nach nur einer Spielzeit) und als Meister der Regionalliga Süd im Jahr 2000. Nach drei Jahren in der zweiten Bundesliga folgte der direkte Sturz in die Oberliga, da der Verein keine Lizenz für die Regionalliga Süd bekam.

Stadion:

Eröffnet wurde das Ulmer Donaustadion im 1925 vor 40.000 Zuschauern beim Landesturnfest. Ursprünglich war die Form des Stadions hufeisenförmig um die direkt angrenzende Gänswiese mit ins Neubaukonzept einzubinden. Im Jahre 1952 bekam das Stadion eine neue Stahlrohrtribüne, da die alte Holztribüne im Krieg durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Erst 1989 bekam die Spielstätte eine Flutlichtanlage. Zum Bundesligaaufstieg im Jahre 1999 wurde die Gegentribüne neu konzipiert und hat seitdem eine Sonnenstrom-Anlage auf dem Dach. Unter diesem gibt es auch einen Nichtraucherbereich. Zusätzlich wurde mit Hilfe von Zusatztribünen die Zuschauerkapazität von 20.000 auf 25.000 erhöht. Da diese nur ein Jahr gebraucht wurde, wurde sie nach dem Abstieg wieder abgebaut und nach Sydney zu den Olympischen Spielen geschickt, wo sie den Zuschauern beim Beachvolleyball-Turnier dient.

 

 

 

 

Tageskilometer:               1.692 km mit der Bahn von Berlin nach Ulm und zurück

Saisonkilometer:           36.634 km (10.984 km Flugzeug, 18.718 Km Bahn, 7.052 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

 

 
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