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Nachdem der Freitag in Kiew zum Erholen und ein wenig Sightseeing genutzt wurde, ging es am Samstag wieder raus zum Flughafen Borispol (oder auch Boryspil’), um dort eine Maschine russischer Bauart nach Odessa zu besteigen. Der ursprüngliche Plan, mit dem Nachtzug zu fahren, scheiterte zum einen daran, dass dieser schon ausgebucht war und zum anderen an der Bequemlichkeit, lieber 50 Minuten zu fliegen als 10 Stunden im Zug zu liegen. Für Reisende, die zukünftig innerhalb der Ukraine mit dem Flugzeug reisen wollen, ein Tipp: Die Preise auf der Internetseite der ukrainischen Fluggesellschaft entsprechen nicht der Realität. Dort werden die Flüge von Kiew nach Odessa (und zurück) zwischen 160 und 180 $ angeboten, während man bei Buchung über eine der deutschen Niederlassungen weniger als ein Drittel (für Hin- und Rückflug!!!) davon bezahlt. In Odessa bei bestem Wetter angekommen, erhielt ich eine SMS vom GSC-Martin (nebenbei erwähnt, seit zehn Jahren ununterbrochen Mr. Greifswald und rein subjektiv der schönste Mann des östlichen Niedervorpommerns), dass er um 12:55 Uhr mit dem Zug in Odessa ankommen würde und ich schon mal die Hotelfrage klären sollte. Also raus aus dem Flughafen und rein in die Taxifahrer-Horde. Problem war, dass von denen nicht ein Einziger auch nur ein Wort Englisch (außer Taxi) sprach und ich nicht wusste, wohin ich überhaupt wollte. Erstmal zerrte mich mein zukünftiger Chauffeur zur Seite, damit ihm von seinen Kollegen nicht noch die Beute entrissen werden konnte. Auf dem Parkplatz dann endlich einen Typ angetroffen der ein bisschen Englisch sprach und den ich bat mir zu übersetzen, was die Fahrt in die Stadt nun kosten würde. Kurzes Wortgefecht auf ukrainisch und auf einmal zog mein Übersetzer wutentbrannt ab. Fragezeichen! Oh, oh, ganz schwer auf der Verliererseite, dachte ich mir. Ok, der nächste Übersetzer war eine Übersetzerin und konnte dem Chauffeur jetzt klar machen wohin ich wollte, nämlich zu einem Hotel mit möglichst wenigen Sternen in der Kategorie 10 $ (schließlich musste der Flug wieder raus geholt werden). Die sprachgewandte Dame meinte zwar, dass dies in Odessa im Sommer, an einem Wochenende und zudem nur für eine Nacht kaum möglich sei, aber der Taximann meinte er kenne eins direkt in der Stadt. Komischerweise kam es bei Übertragung von Englisch ins Ukrainisch zu Störungen, denn ein konkretes Fahrpreisangebot wurde nicht übermittelt. Du Arsch, kriegste eben genau die Hälfte von dem was du am Ziel forderst. Also rein in den Wolga, der komplett mit Teppichboden ausgelegt war (kein Scherz). Nach gut zwanzig Minuten Fahrt und der Tatsache reicher, dass der gute Mann neben mir drei Jahre in Berlin stationiert war, erreichten wir dann die Nobelabsteige und nun wurde endlich das Geheimnis des Fahrpreises gelüftet: 100 Hryvnja (17 Euro!). Alles klar, Herr Kommissar! 50 Hryvnja gezückt, mit den Achsel gezuckt und danach wüste Beschimpfungen über mich ergehen lassen. Egal, ich hab es eh nicht verstanden. Also rein ins Hotel am Preobrazhenska 40 und erst mal die Dame an der Rezeption (auf Englisch) gefragt, was man denn üblicherweise für eine Fahrt bezahlt. Mit einem zauberhaften Lächeln lautete die Antwort 20-30 Hryvnja für Einheimische, ungefähr das Doppelte für den Rest. Ein schwacher Trost, aber zumindest ein Trost. Das Hotel versprühte den typisch postsozialistischen Charme und so begannen die nächsten Verhandlungen. Also flugs nach dem Preis des Zimmers gefragt: 10 $ lautete die richtige Antwort – für ein Einzelzimmer wurde dann seitens der Empfangsdame hinterher geschoben. Aha, und was kostete ein Doppelzimmer? 20 $ - naja, rein rechnerisch zumindest richtig und diesmal wurde ohne Dusche hinterher geschoben. Da es in Odessa schon schweineheiß war, gleich meinerseits die Frage: Was kostet dann ein Doppelzimmer mit einer Dusche? 30 $! Schöne runde Preise in Odessa! Ok, also die letzte entscheidende Frage, bevor es auf die Suche nach einem neuen Hotel ging. Mit Frühstück? „Including“ lautete die blitzschnelle Antwort. Ja, was ist das denn! Schnell noch mal die Versicherung eingeholt, die 30 $ auf den Tisch des Hauses gelegt und den Zimmerschlüssel mit der eindringlich Mahnung, dass das Zimmer am nächsten Morgen um zehn Uhr geräumt sein muss, in Empfang genommen. Hinter prächtigen großen Flügeltüren verbarg sich dann die Luxussuite, die zwar ein wenig keimig wirkte und auch so roch, aber dafür zwei Einzelbetten, zwei (!!!) Duschschläuche und einen funktionierenden Kühlschrank hatte. |
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Jetzt fehlte nur noch der schönste Mann aus dem mittleren Hinterpommern und keine 10 Minuten später erstrahlte sein Antlitz in der Hotelhalle. Ohne große Diskussionen ging es dann gemeinsam zum Stadion um die Anstoßzeit von irgendeinem Amateurkick am Montag zu erfahren und sich mit Karten für die heutige Partie einzudecken. Denn laut der brandheißen Information, die Martin von seinem Schlafwagenschaffner hatte, war der Kick bereits hoffnungslos ausverkauft. Die ersten Schwarzhändler trafen wir dann schon weit vor den Stadiontoren und für zwei Billets (Originalpreis 40 H.) wurden 150 aufgerufen. Dann folgte das alte Spiel, dass wir erst mal den Markt sondieren wollten und nachdem wir unseren Weg fortgesetzt hatten, kamen die Jungs im Laufschritt hinterher und das neue Angebot lag bei 120. Nö, war uns immer noch zu viel und wir boten 100 an. Dann wieder das gleiche Spiel – umdrehen und weitergehen – und kurze Zeit später lag das neue Angebot bei 100. Aber selbst das war uns jetzt zuviel. Der nächste Dealer wollte dann 120 und nachdem mit dem Burschen dann wieder dreimal das schon erprobte Spiel durchexerziert wurde, haben wir dann die Karten für 80 (6,50 Euro pro Karte) bekommen. Kaum am Stadion angekommen, was erblickten unsere leidgeprüften Augen: Offene Kassenhäuschen. Der miese Typen der als Quelle für sein angebliches „total ausverkauft“ seinen Schlafwagenschaffner nannte, musste wüste Beleidigungen über sich ergehen lassen. |
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Weit vor dem Stadion gab es schon die ersten Sicherheitskontrollen und jeder der eine Plastikflasche Bier (außer uns eigentlich jeder) dabei hatte, musste den Hals der Pulle mit einem Messer abscheiden. Mit günstig erworbenen Krabben wollten wir dann eine halbe Stunde vor Anpfiff das Stadion der Schwarzmeerwerftarbeiter betreten, doch daran hinderte uns ein Programmhefteverkäufer, der allerlei russische Programme zum Verkauf anbot. Ein wahres Eldorado für Sammler und mit allerlei Europapokalprogrammen (u. a. Leningrad – Dresden, Moskau – Köln) quetschten wir uns durch eins der zahlreichen Tore. |
| Spiel: |
Es war ein Spiel auf technisch hohem Niveau mit nicht allzu vielen Torschüssen. Nach 90 Minuten stand es 1:1 und der ukrainische Verband ersparte uns die Verlängerung und ging sofort zum Elfmeterschiessen über, das dann das Team in Orange gewann.
Tore: 0:1 (5. Min.) Elano, 1:1 (32. Min.) Belkevich |
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| Stimmung: |
Selbst wenn es Dauersupport, Wechselgesänge oder donnernde Schlachtrufe gegeben hätte, man hätte davon nichts mitbekommen. Einzig das ewige, immer gleiche Tröten war zu vernehmen und nervte bereits nach ein paar Minuten. Rein optisch wusste die Dynamo-Kurve zu gefallen. Zweimal wurde dort Rauch gezündet, was immer Reaktionen bei der massenhaft vertretenen Ordnungsmacht zur Folge hatte. Im Stadion gab es zwar getrennte Blöcke, doch auf den beiden Geraden saßen die Anhänger beider Klubs durcheinander und auffällig war die absolut friedliche Stimmung. Fazit: Wenn nicht die Tröterei gewesen wäre… |
| Vereine: |
Dinamo Kiev wurde im November 1927 als Verein der Elektrikergewerkschaft gegründet (später Polizeisportverein) und spielte seit Gründung der sowjetischen Fußballliga immer in der höchsten Spielklasse. Der erste Meistertitel wurde im Jahre 1961 errungen und dies als erster Verein der nicht aus Moskau kam. Es folgten weitere Meisterschaften in den Jahren 1966, 1967, 1968, 1971, 1974, 1975, 1977, 1980, 1981, 1985, 1986 und 1990. Auch die erste internationale Trophäe errangen die Kiewer für den sowjetischen Fußballverband (1975 Europapokalsieger der Pokalsieger, den gleichen Titel errangen sie dann noch mal 1986). Nebenbei gewann Dynamo Kiev auch noch neun nationale Pokalsiege (1954, 1964, 1966, 1974, 1978, 1982, 1985, 1987 und 1990). Die bekanntesten Spielerpersönlichkeiten dürfte Oleg Blochin, Valeri Lobanowski und Igor Belanow gewesen. Seit dem Zusammenbruch der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken geriet der Verein in finanzielle Schwierigkeiten und der Staat musste mit Finanzspritzen helfen. Seit 1993 ist der mittlerweile in Fudbalski Klub Dinamo Kiev umbenannte Verein fast immer Landesmeister geworden (einzig 2002, 2004 und 2005 wurde Schachtjor Donezk ukrainischer Meister). Pokalsieger wurde Dinamo „nur“ viermal (1993, 1996, 1998, 1999) FK Shakhtar Donets’k wurde 1936 als Stachanowetz Stalino (Donezk hieß von 1924 bis 1961 Stalino) gegründet. Shakhtar bzw. Schachtjor steht für Bergarbeiter. Seit 1947 ist der Verein als Schachtjor Stalino bzw. Schachtjor Donezk bekannt. In der Sowjetunion spielte Schachtjor ab 1961 bis zum Verfall der SU (Ausnahme nur die Spielzeit 72/73) erstklassig und wurde viermal Pokalsieger (1961, 1962, 1980 und 1983). In der Ukraine wurden sie insgesamt drei Mal Meister (2002, 2004 und 2005) und zweimal Pokalsieger (1995 und 1997). |
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Stadion: |
Das Stadion von „Schwarzmeer Odessa“ liegt im Sevcenko-Park und ist ein reiner All-Seater. Auf eine Überdachung wurde verzichtet und eine Laufbahn trennt die Zuschauer vom Rasen. Das Stadion ist nicht gerade überragend schön oder weist gar bauliche Besonderheiten auf, sondern ist schlicht und einfach eine ganz normale und zweckmäßige Spielstätte. |
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Tageskilometer: 450 km mit dem Flugzeug von Kiew nach Odessa Saisonkilometer: 4.228 km (1.950 km Flugzeug, 1.764 Km Bahn und 514 km mit dem KFZ) zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug) |
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| Diesmal gehen die Grüße nach Greifswald und auch mal an Lob an seine tadellose Reisevorbereitung. Alle Fragen zum ukrainischen Fußball konnte der schöne Mann gut beantworten und zeigte sich auch als äußerst sprachgewandt. | |
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