[zurück zur Übersicht]

 

          Verbandspokal Sachsen-Anhalt, Saison 05/06, 05.08.2005                    

 

   0:1  

 

SG Union Sandersdorf - SV Dessau 05

 

Sandersdorf, Sport- und Freizeitzentrum (297 Zuschauer)

 

 

 

Nachdem am letzten Mittwoch der Kick in Strausberg dem Wetter und der absoluten Lustlosigkeit zum Opfer fiel, sollte es an diesem Abend mal wieder in die Alte Försterei gehen, um sich ein aktuelles Bild vom Oberliga-Topfavoriten zu verschaffen. Aber wenige Stunden vor dem S-Bahn-Ritt gen Osten warf Renato all meine Pläne um und schlug den Erstrundenknaller im Landespokal Sachsen-Anhalt zwischen der SG Union Sandersdorf und dem Oberliga-Absteiger SV Dessau 05 als echte Alternative vor.

Da ich Renato ja auch schon lange nicht mehr gesehen habe und er sich diesmal als Fahrer zur Verfügung stellte, konnte man ja gar nicht nein sagen. Also auf nach Sandersdorf, dass einst nicht nur das zweitgrößte Dorf (trotz der damals 10.000 Einwohner wurden dem Dorf die Stadtrechte verweigert) der DDR war, sondern auch noch Deutschlands zweitschönsten Hopper (Nr. 1 – wahrscheinlich auf Ewigkeit – Martin aus Greifswald) Peter ohne T beheimatet. Besagter ist so schön, dass er es sogar in etlichen Tageszeitungen in Europa auf die Titelseiten geschafft hat (kein Scherz!), aber das ist eine ganz andere Geschichte.

In Sandersdorf nach noch nicht einmal 90 Minuten angekommen, stellten wir zudem fest, dass die etwas herbschöne Stadt in Sachsen-Anhalt auch für Tolkiens Roman „Herr der Ringe“ als Vorlage gedient haben muss, denn vorbei am Ring der Chemiearbeiter, weiter zum Ringe der Bauarbeiter bis zum Ring der Neuen, führte uns der Weg zum Sport- und Freizeitzentrum.

Aufgrund der viel zu frühen Abreise in Berlin und dem zügigen Tempo hatten wir bis zum Beginn der Erstrundenpartie noch „etwas“ Zeit, die wir dann in der schönen Vereinskneipe verbummelten. Der halbe Liter Bier wird dort zu 2,10 Euro feil geboten und auch die Soljanka zu 1,30 Euro war nicht gerade überteuert und obendrein sehr schmackhaft. Frisch gestärkt passierten wir dann die Stadiontore und jetzt darf jeder dreimal raten, wer uns in die Arme lief. Richtig, Peter ohne T, sozusagen nahezu frisch vermählt mit Miss Kreis Bitterfeld und gerade aus Schweden zurück, boten uns dann gleich auch die besten Plätze auf der Tribüne an. Nebenbei sollte noch erwähnt werden, dass eben dieser Peter ohne T so was wie der Dorfnarr in Sandersdorfs ist, zumindest rein subjektiv betrachtet (sorry, aber der musste jetzt sein!). Aber genug der Lobhudelei, denn pünktlich führte der Mann in Gelb die Krieger aufs Feld und damit in die Schlacht um die Vorherrschaft in Sachsen-Anhalt.

 

 
Spiel:

Die erste Hälfte lässt sich gut unter dem Begriff „absoluter Grottenkick“ zusammenfassen. Der zweite Durchgang war dann ein wenig ansehnlicher, denn das eine Tor tat der Partie richtig gut. Am Ende wurde es sogar noch mal richtig spannend.

Tor: 0:1 (50. Min.) Bebber

Stimmung:

Schätzungsweise 10 Fans aus Dessau fanden sich auf der Gegengeraden ein und das, obwohl die Muldestadt gerade mal 30  Kilometer von Sandersdorf entfernt ist. Von Support kann hier genau so wenig gesprochen werden, wie auf der Heimseite. Aber wenigstens hatten die Sandersdorfer Tribünenhocker den Schiri auf dem Kieker. Dass auch der gemeine Sandersdorfer das Denunzieren beherrscht, belegte der Ausschrei des Abends: „Schiri! Der Nägger hat den Ball weggeschossen!“ Herrlich, wenn mal wieder ein ostdeutsches Vorurteil bedient wird. Aber das war auch der einzige Ausfall. 

 

 

Vereine:

Im Jahre 1911 wurde der BC Union Sandersdorf gegründet. Nach 1946 hieß der Verein zunächst SG Sandersdorf, später BSG Werk Hermann Fahlke Sandersdorf, BSG Aktivist Sandersdorf und BSG Chemie Sandersdorf. Große sportliche Erfolge konnten die Fußballer leider nie feiern, sieht man einmal von den zwei Aufstiegen (1997 und 2001) in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt ab. Recht voll wird das kleine Stadion im Sport- und Freizeitzentrum alljährlich, wenn der FC Grün-Weiß Wolfen zu Gast ist.

Wie aus dem Vereinsnamen ersichtlich, wurde der SV Dessau 05 im Jahre 1905 gegründet. Im Jahre 1921 gab es die Fusion zwischen VfR 05 und dem TSV mit dem Resultat: SV Dessau 05. Zwischen 1937 und 1944 erlebte der Verein seine Blütezeit: Fast jedes Jahre wurde die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft erreicht. 1945 ist der Verein dann aufgelöst worden und gründete sich im gleichen Jahr unter dem Namen Blau-Weiß Dessau neu. 1947 Umbenennung in Sport-Union Dessau, 1948 Umbenennung SG Dessau-Nord, 1949 Umbenennung erst in BSG Waggonbau Dessau und danach in BSG Waggonbaufabrik Dessau. 1950 wechselte dann nochmals der Trägerbetrieb und der Verein hieß von nun an BSG Motor Dessau. Von 1959 bis 1964 spielten die Dessauer in der DDR-Oberliga, bevor sie in die Niederungen entschwanden. Nach dem Mauerfall nannte man sich erst mal um: SV Waggonbau Dessau 05. Aber so richtig voran ging es so auch nicht. Folglich legte man sich wieder den Vorkriegsnamen zu (1995) und stieg drei Jahre später in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt auf.

 

Stadion:

Das Stadion im Sport- und Freizeitzentrum zu Sandersdorf ist eine schöne Anlage. Ringsherum gibt es sechs breite Betonstufen und seit ein paar Jahren existiert sogar eine überdachte Tribüne mit einem geschwungenen Zeltdach, einem Sprecherturm in der Mitte und Schalensitzen. Die Flutlichtanlage dürfte wohl auch neueren Baujahrs sein, ist sehr lichtstark. Direkt daneben gibt es noch einen Kunstrasenplatz und ein funkelnagelneues dreistöckiges Vereinsheim, das ein wenig überdimensioniert scheint. Aber aufgrund der Tatsache, dass Sandersdorf offizieller DFB-Bundesnachwuchsstützpunkt ist, dürfte so manche Mark an öffentlichen Geldern hierhin geflossen sein.

 

 

Wie bereits oben erwähnt, sollte der potentielle Stadionbesucher auf jeden Fall die Vereinsgaststätte besuchen, denn dort wird man freundlich empfangen. Die Preise sind fair!

 

Tageskilometer:                  328 km mit dem PKW von Berlin nach Sandersdorf und zurück

Saisonkilometer:            10.972 km (5.900 km Flugzeug, 3.410 Km Bahn, 842 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an Peter ohne T. nebst Fastgemahlin.

 
[zurück zur Übersicht]