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                  1. Bundesliga, Saison 05/06, 04.02.06                                 

 

   0:0  

 

FC Schalke 04 - Borussia Dortmund

 

Gelsenkirchen, Arena AufSchalke (61.524 Zuschauer, ausverkauft)

 

 

Es gibt einige wenige Stimmen, die behaupten doch glatt, dass Gelsenkirchen keine schöne Stadt ist. Mit viel Wohlwollen kann man der Gruppe sogar zustimmen. Es gibt aber auch einen Tag im Jahr, da kann man wirklich nichts mehr Schön reden. Und dieser Tag war letzten Samstag, der Tag, an dem der ganze Dreck aus Richtung Osten in die Metropole am Rhein-Herne-Kanal gespült wurde.

Dieser Tag fing gar nicht mal so schlecht an, denn die Bahnfahrt von Berlin nach Essen verlief wider Erwarten störungsfrei. In Essen Hbf Lee (kam extra aus London) eingesammelt und schon saßen wir in der S-Bahn Richtung bewohnte Industriekulturstätte. Die S-Bahn hielt, eine aus der Gegenrichtung auch am Bahnsteig gegenüber, und sofort wurden wir mit einem Hagel Bierflaschen begrüßt. 300 Ungewaschene mit gelben Schals entsorgten ihr Leergut auf vielleicht maximal 40 Schalker - Marke Normalofan mit Ehefrau - und acht handgezählte Polizisten. Im Vorfeld versprach ich Lee, dass die Begegnung Schalke gegen Doofmund das am wenigsten langweilige aller Heimspiele sein wird. Hier hatte ich noch Recht. Mal abgesehen von ein paar Hasch-mich-Spielen in der Innenstadt, bei denen die Doofen die Bösen und die Grünen die Guten waren, passierte bis zum Abpfiff der Partie fast gar nichts mehr. Aufgrund des Regens verbrachten wir die Zeit im Inneren der Arena und so zeigte ich dem englischen Besuch die immobile Errungenschaft des kleinen sympathischen Arbeitervereins. Sein Fazit: Für eine Halle gar nicht mal schlecht. Aber warum habt ihr euch nicht ein Stadion gebaut!?! 

Als ich ihm das Bezahlsystem mit der Knappenkarte erklären wollte, dachte er erst, dass ich ihn verarschen wollte. Ergo habe ich ihm kurz anschaulich gezeigt, wie es funktioniert: Man gibt einer Dame 30 Euro (oder mehr oder weniger, Hauptsache der Betrag ist durch fünf teilbar) und erhält im Gegenzug eine scheckkartengroße Plastikkarte. Mit dieser geht man dann an eine der zahlreichen Verkaufsstände, hält die Karte hin und bekommt, wie in unserem Beispiel, zwei Becher voll Bier. Der Sinn dieser ganzen Aktion wollte ihm dann noch nicht so ganz einleuchten und trotzdem ich ihm die vereinseigene Erklärung lieferte, dass der Service dann viel besser sei, fiel der Groschen immer noch nicht. Danach kramte ich drei andere Karten, genauso groß und schwer – aber mit anderen Motiven – und alle noch mit Restguthaben versehen, hervor. Jetzt ging die britische Lampe endlich an. Der Verein borgt sich vom Anhang zinslos die Kohle. Aber wenigstens darf man in unseren Stadien bzw. Hallen Rauchen und Trinken, und dies sogar beim Fußballgucken. Tja, da haben wir dem Mutterland des Fußballs wieder einiges voraus.

 

 
Spiel:

Die erste Hälfte war ja noch ein bisschen unterhaltend. Das Spiel riss bis auf wenige Aktionen keinen vom Hocker, aber wenigstens sorgten die Zwischenstände aus Hamburg (0:1) und Bremen (gar 0:2) für eine positive Grundstimmung auf blau-weißer Seite. Ansonsten weckte ein Kopfball von Bordon (5. Min.), Freistöße von Lincoln (20. Min.) und Bordon (25. Min.) das Publikum kurzzeitig auf.

Der zweite Durchgang hielt dann keinerlei Aufreger mehr bereit.

Stimmung:

„Nur wer seine Wurzeln achtet, wird Großes erreichen!“ Mit diesen philosophischen  Worten wurde das Derby seitens der Nordkurve eröffnet. Nicht ganz so geistreich reagierten die Doofen, die die gastgebenden Anhänger zum kollektiven blau-weißen Beischlaf aufforderten. Optisch untermalt wurde die ganze Aktion mit aufgeblasenen übergroßen rosa Kondomen (war sie zwar nicht, sahen aber so aus), die wohl männliche Glieder darstellen sollten. Unterschwellig wohl eher ein Ausdruck des Entsetzens zum Thema Penisneid. Mal wieder ein Stück zu kurz gedacht, aber was will von einer Anhängerschaft erwarten, die allen ernstes behauptet „das Revier trägt Blindenzeichen!“.  

Die Stimmung während der 90 Minuten ist nicht erwähnenswert. 

Vereine:

Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war, ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke an. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden.

Die Borussia aus Dortmund wurde am 19.12.1909 aus der Fußballabteilung der Jünglingssolität der Dreifaltigkeitsgemeinde Dortmund gegründet. Im Jahre 1945 offiziell aufgelöst und im gleichen Jahr als BV Borussia Dortmund wieder gegründet. Gründungmitglied der Bundesliga und bis auf die Zeit von 1972 bis 1976 immer in der Bundesliga. Sechs Mal Deutscher Meister, zweimal Pokalsieger, 1966 als erster deutscher Verein Gewinn eines Europapokals (der Pokalsieger, 2:1 gegen Liverpool in Glasgow) und 1997 Europapokalsieger der Landesmeister (und Weltpokalsieger).

Stadion:

Die Arena AufSchalke wurde offiziell im Sommer 2001 fertig gestellt und löste damit das Gelsenkirchener Parkstadion als Heimstätte des FC Schalke 04 ab. Das Parkstadion befindet sich neben der Arena und fasste 72.000 Zuschauer (aber nur 22.000 überdachte Sitzplätze). Dort finden fast 61.000 Zuschauer Platz (davon 16.500 Stehplätze). Für internationale Spiele wird durch die Umwandlung der Stehplätze in Sitzplätze die Kapazität auf ca. 52.000 Plätze abgesenkt. Die Arena ist multifunktional und hat über 180 Millionen Euro gekostet. So gibt es hier auch noch American Football in Form von Rhein Fire zusehen.

Das Stadion / die Halle hat eine fast quadratische Form mit abgeschrägten Ecken. Das Dach sieht aus wie eine Muschel. Die Plätze werden über mindestens 12 (mehr habe ich noch nicht gezählt) Aufgänge eingenommen. Auffällig in der Arena ist der riesige Videowürfel unter der Decke auf dem die Vorberichterstattung läuft, Spielstände eingeblendet werden und alle 15 Minuten zum Kauf eines Milchspeiseeises aufgefordert wird. Positiv zu bewerten ist sicherlich die einmalige Atmosphäre bedingt durch die Nähe zum Spielfeld und die ungehinderte Sicht auf das Spielfeld. Gegen eine solche Arena spricht, dass es sich um kein reines Fußballstadion handelt und bei schlechtem Wetter eigentlich Hallenfussball geboten wird, denn das – wenn auch lichtdurchlässige – Dach wird bei schlechtem Wetter geschlossen. Der Vorteil der sehr guten „Bier- und Bratwurst“ – Infrastruktur steht der Nachteil gegenüber, dass dort alles mit einer Bezahlkarte (Knappenkarte – clever in Amsterdam abgeschaut) bezahlt wird. So muss man mindestens 5 Euro auf die Karte laden um ein Bier für 2,80 Euro zu bezahlen. Für die Heimfans sicherlich kein Problem, aber nicht gerade gästefreundlich für die anderen.

Die Arena AufSchalke steht auf dem „Schalker Feld“ zwischen den Stadtteilen Erle, Buer und Schalke und ist per Auto gut über die A2 (Ausfahrt Gelsenkirchen Buer) oder die A42 (Ausfahrt Gelsenkirchen-Schalke) zu erreichen. Bei der Anreise mit dem Zug nimmt die Straßenbahn, mit der die Fahrt an Spieltagen manchmal recht lang werden kann. Die Heimfans stehen traditionell in der Nordkurve, die Gästefans hinter Glas in den Blöcken V und W.

 

Grüße an Lee, Lutz und Ulf!

 

Tageskilometer:               1.020 km mit dem Zug von Berlin nach Gelsenkirchen und zurück

Saisonkilometer:           26.098 km (7.784 km Flugzeug, 11.954 Km Bahn, 5.847 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 
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