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                  Serie A, Saison 05/06, 12.03.06                                 

 

   2:1  

 

F. C. MessinaU. S. Lecce

Messina, Stadio San Filippo (17.732 Zuschauer)  

 

 

Die Anfahrt nach Catanzaro stellte nicht wirklich ein Problem dar, der Rückweg hingegen schon. Für den Hinweg brauchten die Züge von Messina in die Hauptstadt Kalabriens ca. zwei Stunden, während es am frühen Samstagabend keine Möglichkeit gab, noch am selben Abend auf die Insel zurückzukehren. Es sei denn, man lungert nächtens auf irgendwelchen Kleinstadtbahnhöfen rum. Folglich musste eine Alternative her und die hieß in dem Fall Reggio di Calabria, denn dort kam man erstens am Abend noch hin und zweitens lag zwischen diesem Ort und Messina nur die ionische Meerenge. Aber diese Entscheidung erwies sich als Megagriff ins Klo.

Aber der Reihe nach. Nach dem Spiel von Catanzaro ging es mit irgendeinem Bus bei strömendem Regen vom Stadion Richtung Bahnhof. Am Bahnhof bin ich dann auch angekommen, dummerweise war das aber nicht der, zu dem ich wollte. Jetzt musste man genau diesen Umstand mit äußerst spärlichen Sprachkenntnissen einem Einheimischen klar machen. Da steht man vor dem Bahnhof, fragt wo selbiger ist und der Befragte zeigt ziemlich verwundert natürlich genau auf jenen. Nach über einer halben Stunde konnte ich zumindest in Erfahrung bringen, dass von diesem Bahnhof ein Zug in Richtung des anderen Bahnhofs fährt. Die Fahrkarte für 77 Cent wurde dann in der Bimmelbahn gelöst und brachte mich im Prinzip genau dahin wo ich hin wollte. Am Ausstiegsbahnhof gibt es nämlich zwei Bahnhöfe, die nur ca. 200 Meter von einander entfernt liegen. Kommt man jedoch an dem einen an, sieht man den anderen nicht. Auf dem Bahnhof war erschreckend wenig los, doch ein Rumäne schaffte es dann doch mich in den richtigen Zug zu setzen. Nach einer Stunde erreichte ich dann Lamezia, wo ich genau 20 Minuten Zeit hatte, in den Zug nach Reggio umzusteigen. Aus den 20 Minuten wurden allerdings 2 Stunden und 20 Minuten, denn bei meinem Glück hatte der Zug eine Mörderverspätung. Wer also zukünftig zum Bahnhof von Lamezia eine Frage hat, kann sich vertrauensvoll an mich wenden, denn ich kenne dort einfach alles. Gegen 22:30 Uhr bestieg ich dann den IC (verschlang nur 12 Euro) und hier fielen einem erst mal die Augen aus dem Kopf. Kinder’s, der Zug sah aus – rausgetretene Türen, eingeschlagene Scheiben, Bier und Weinflaschen tonnenweise auf dem Boden verteilt und im Speisewagen gab es gerade mal zwei Plätze, wo man sich noch hinsetzen konnte. Ohne es zu wissen, behaupte ich doch mal ganz kühn, dass ich weiß, wer für dieses Sodom und Gomorrha verantwortlich zeichnete.

Gegen Mitternacht erreichte ich dann endlich Reggio und aufgrund des starken Regens riskierte ich mal mein Glück und fragte den Taxifahrer nach dem Preis zur Via Vitrioli! 20 Euro, wegen des Regens war die Antwort. Ohne Stadtplan marschierte ich dann Richtung Hafen um nach einmal Fragen schon nach 10 Minuten vor dem Hotel mit dem einen Stern zu stehen. Von außen schienen die 20 Euro zunächst gut angelegt zu sein, das änderte sich allerdings beim Blick ins Zimmer. Normalerweise hätte man noch Geld kriegen müssen, damit man hier überhaupt ein Bein reinsetzt. Ohne Jacke und Schuhe, der Rest blieb aus hygienischen Gründen am Leib, ging es dann ab in die Horizontale.

Nach äußerst dünnem Schlaf und einem super Frühstück in einem Café war das erste Ziel des Tages der Hafen. Nach einem endlosen Marsch entlang des Meeres und teilweise auf einer Hauptstraße erreichte ich dann endlich den Hafen, in dem es zwar ein paar Schiffe, aber keine Menschen gab. Zufälligerweise kam gerade ein deutscher Camper mit seinem Gefährt aus dem Hafengelände und nachdem ich ihn gestoppt hatte, fragte, ob er wüsste wann hier die Fähren nach Messina fahren. Ab 22 Uhr, denn heute ist Sonntag, war seine total enttäuschende Antwort. 10 km Richtung Norden lag nun Villa San Giovanni, wo es garantiert Fähren gab und 5 km Richtung Süden Reggio mit seinem Bahnhof, wo es Züge Richtung Villa San Giovanni gab. Ich entschied mich dann für die kürzere Variante und latschte fast denselben Weg zurück. Aber nur fast, denn den erneuten Marsch über die Schnellstraße wollte ich mir ersparen. Mittlerweile kam auch endlich die Sonne heraus und während ich so durch die Vororte von Reggio schlenderte, entdeckte ich zufällig ein Schild Richtung Bahnhof. Gleich diesen Weg mal eingeschlagen und schon stand ich vor einem ziemlich schäbigen Gebäude auf dem ein Schild mit der Aufschrift „Reggio di Calabria San Caterina“ prangte. Der Bahnhof liegt direkt gegenüber des Hafens und direkt unter der Schnellstraße. Auf den Gleisen war keine einzige Menschenseele zu entdecken und doch hatte ich zum ersten Mal seit zig Stunden Glück, denn kurze Zeit später zuckelte die Regionalbahn nach Villa San Giovanni ein. Keine 10 Minuten später erreichte ich mein Zwischenziel und vom dortigen Bahnsteig ging es direkt auf die Fähre. In Ermangelung eines Fahrscheins winkte mich der Leichtmatrose einfach durch. Eine wohl sehr gängige Praxis in Süditalien. Wenn man keinen Fahrschein für einen Bus, den Zug oder eben für die Fähre vorweisen kann, interessiert das hier niemanden. Von den paar vorher gekauften Zugfahrscheinen wurde lediglich ein Einziger abgeknipst (Wer also noch einen Fahrschein von Lamezia nach Reggio oder von Messina nach Palermo braucht, möge sich innerhalb der nächsten zwei Monate bei mir melden, so lange sind die Tickets noch gültig).

 

 

Nach kurzer Fährfahrt betrat ich dann wieder sizilianischen Boden. Zwar lachte die Sonne am Himmel, dafür wehte aber auch einfürchterlicher Wind, der zügiges Vorankommen unmöglich machte. Aber zum Glück liegt das Fährgebäude direkt am Bahnhof. Mittlerweile war es 12:30 Uhr und daher waren noch drei kleine Dinge zu erledigen. 1. Fahrkarte für die Rückfahrt nach Palermo kaufen, was auch gut klappte (10,55 Euro für ca. 230 km ist echt fair), 2. Stadtplan organisieren, was nur bedingt klappte weil dieser gekauft werden musste, anstatt auf die kostenlose Variante bei der Touri-Info (Sonntags geschlossen) zurückzugreifen und 3. Rucksack deponieren, welches aber nun gar nicht klappte. Offiziell war die Gepäckaufbewahrung geöffnet, wie das Schild an der Tür verriet, inoffiziell aber eben nicht. Italien eben. Da auch sonst nichts geöffnet hatte, blieb mir die Alternative, den Rucksack mit ins Stadion zu nehmen. Noch war ja genug Zeit, obwohl das neue Stadion recht weit außerhalb liegt. Aber mein Stadtplan verriet mir, dass es mit der Straßenbahn (Nr. 28) bis zur alten Spielstätte des FC Messina gehen sollte um dann dort in den Bus umzusteigen.

An der Straßenbahnhaltestelle standen auch schon ein paar andere Fußballfans und so konnte man sich gut orientieren. 20 Minuten lang passierte dann erst mal gar nix und die jungen Herren wurden langsam nervös. Als die Bahn dann endlich kam, stellte diese auch gleich wegen irgendeiner Störung den Betrieb ein. Auf mein Nachfragen wie man denn nun zum Stadion käme, wurde mir mit einem Achselzucken geantwortet (auch hier sprach natürlich wieder keiner irgendeine Fremdsprache). Letztlich teilte ich mir mit einem Typen ein Taxi, wobei die Verhandlung über den Fahrpreis (letztlich 10 Euro) länger dauerte, als die Fahrt selber. 90 Minuten vor dem Anstoß war am Stadio San Filippo nicht wirklich viel los. Die Eintrittskarte für unschlagbare sieben Euro gab es gegen die Vorlage des Personalausweises. Obwohl die Kassen schon geöffnet waren, blieben einige Aufgänge zu den Blöcken unbewacht. Dieser Umstand bescherte mir dann einen Platz auf der Haupttribüne inklusive kostenloser Verköstigung, denn irgendein Lebensmittelkonzern bekochte vor dem Spiel die dort befindlichen Herrschaften.

 

 
Spiel:

Für beide Mannschaften ging es heute um viel. Lecce ist derzeit Vorletzter und Messina nur einen Punkt vom Abstiegsplatz entfernt. Die Partie begann recht vielversprechend, denn Messina übernahm sofort die Initiative. Nach einer Viertelstunde griff dann auch Lecce endlich ins Spiel ein und es entwickelte sich eine ganz ansehnliche Partie. Das erste Tor des Tages war kurios, denn nach einer guten Torhüterparade kann ein Spieler von Messina wieder an den Ball und schoss diesen aufs Tor. Der Torwart hätte diesen ungefährlichen Ball sicherlich gehabt, doch ein Mannschaftskollege spitzelte den Ball wenige Zentimeter am Torwart vorbei ins Netz. Messina blieb optisch überlegen, fing sich aber kurz vor der Pause den überraschenden Ausgleich. In der zweiten Halbzeit setzte sich die Überlegenheit der Hausherren fort und wurde fünf Minuten vor dem Schluss auch mit dem Siegtreffer belohnt. 

Tore: 1:0 (26. Min.) Rullo (Eigentor), 1:1 (44. Min.) Babu, 2:1 (85. Min.) Nanni

Stimmung:

Ca. 300 Fans aus Lecce bevölkerten den gut gesicherten Gästeblock. Zu hören war von ihnen aber rein gar nichts. Selbst der Torjubel war sehr verhalten. Ganz anders hingegen die heimischen Supporter die wie in Italien üblich über die volle Spielzeit sangen. Ein bisschen nervig hingegen eine kleine Gruppe auf der anderen Seite, die wohl den Gegenpart spielen wollte. Der Typ mit dem Megaphon versuchte, teilweise vergeblich, eine 50 Mann starke Meute anzuheizen, anstatt in die Gesänge von der anderen Seite mit einzustimmen.

 

 

 

 
Stadion:

Das Stadio San Filippo ist ein recht neues Stadion, welches zunächst einmal durch die fehlende Überdachung auffällt. In diesem Stadion gibt es offiziell nur Sitzplätze, was natürlich gerade die Hintertorseite nicht davon abhält dieses Angebot auszuschlagen. Die Farben der Sitze sind Orange und Rot, mit Ausnahme ein paar weißer, auf denen das Vereinswappen verewigt ist. Hinter der einen Hintertorseite gibt es zwei Gebäude, die wohl auch einige VIP-Logen beherbergen.

Zu erreichen ist das Stadion am besten mit der Tram 28 bis zur alten Spielstätte des FC Messina und von da aus weiter mit dem Bus oder zu Fuß (ca. 20 Minuten).

 

 

 

 

Tageskilometer:                 410 km Catanzaro - Reggio - Messina, 10 km Fähre, 40 km Bus, 1.600 km Flug Palermo-Pisa-Berlin

Saisonkilometer:           31.119 km (10.984 km Flugzeug, 13.378 Km Bahn, 5.887 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 
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