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                  CFL, Saison 05/06, 13.11.05             

 

    2:0 

 

FC Slovan Liberec B - FK Nachod-Destne

 

Liberec, Mestsky stadion (ca. 200 Zuschauer)

15 Euro ohne Stuhlgang

In Zary verabschiedeten wir uns an einer Tankstelle von Alexander und steuerten Richtung Südwest. Nach ca. 50 km auf polnischen Landstraßen erreichten wir zwar einen Grenzübergang, allerdings nicht den von uns angepeilten. Wieder hieß es 30 Minuten auf die Herausgabe der Pässe warten. Ein Mitfahrer stellte dann die Frage, ob einer der beiden Anderen einen Eintrag habe. Ein „Nö, eigentlich nicht!“ hallte darauf hin durch den alten Ford. Dann ging es durch die sächsische Tiefebene Richtung tschechische Grenze. Im Vorfeld kam es schon zu leichten Irritationen, denn Mike schlug das Spiel von Bohemians in Prag am Sonntag vor, weil er dahin ganz gute Kontakte habe. Dumm nur, dass es zwei Vereine in Prag mit diesem Namen gibt (dazu mehr im nächsten Bericht), aber da nur einer ein Heimspiel hatte, war die Auswahl ja richtig groß, wer denn nun der Richtige sei. Aber natürlich falsch gedacht, denn kurz vor Tourbeginn stellte sich dann doch heraus, dass die „richtigen“ Bohemians (1905!) ein Auswärtsspiel bei Slovan Varnsdorf am Sonntag haben werden. Ok, wieder was dazu gelernt. Mike noch mal kurz die Jungs aus Prag kontaktiert und herausgefunden, dass diese schon Samstagnachmittag Richtung gastgebendem Verein aufgebrochen sind (Varnsdorf liegt direkt an der deutsch-tschechischen Grenze), um dort ein „wenig“ zu feiern (Zum besseren Verständnis an die Stadionwelt-Leser: Das Spiel war am morgigen Sonntag). Als wir endlich bei +1 Grad die Zollhäuschen in Seifhennersdorf erreichten, natürlich wieder gleiche Spiel: Beamter mit den Pässen rein, kurze Zeit später ohne wieder raus, dafür die Bitte an den Fahrer rechts ran zufahren. Nach exakt 30 Minuten (entweder ist das Minimum–Schikane-Maß deutscher Grenzbeamter oder die brauchen wirklich 10 Minuten pro Fahrzeuginsasse um die Daten in einen Computer einzutippen) kamen diesmal gleich zwei von der Sorte raus und baten um die Öffnung des Kofferraums. Der eine sicherte den anderen schön ab, aber im Kofferraum war außer ca. 100 Tonträgern für die tschechischen Freunde rein gar nix. Ein Mitfahrer fragte daraufhin den einen Beamten warum wir eigentlich so schikanös behandelt werden. Darauf der andere: „Fragen Sie Herrn xxx (Name der Redaktion bekannt), der wird Ihnen dazu bestimmt ein paar Geschichten erzählen können!“ Bei der Weiterfahrt erzählte Herr xxx dann auch die Geschichten, die stets mit der Einleitung begannen „Es könnte damals in … gewesen sein, aber da war eigentlich auch nix … usw.!“ So, so …

Schon nach wenigen Metern auf tschechischem Boden stürzten wir in die nächste Schwulität, die mit meiner harmlosen Frage begann: „Wo fahren wir eigentlich hin, nach Sluknov hätten wir da vorne abbiegen müssen?“ „Wer ist denn Sluknov?“ so der Mann hinter dem Lenkrad. „In Sluknov spielt morgen Bohemians!“ konterte ich. „Bist Du blöd, die spielen in Varnsdorf!“ so der mittlerweile leicht erregte Fahrzeugführer. „Ganz klares Jein – die spielen zwar gegen Varnsdorf aber in Sluknov!“ (stand in der neusten Ausgabe von Stadionwelt – kleiner Insider) so meine astreine Parade. So ging das Wortgefecht dann noch ein bisschen weiter bis wir schließlich Frieden schlossen und den Obstler kollektiv beschimpften, ob er nicht in der Lage sei in die nicht vorhandene Karte zu gucken. Die erste Stadt die wir erreichten hieß Rumbruk, wo wir zwar den dringend benötigten Geldautomaten fanden, nicht aber das Schild mit der Aufschrift Varnsdorf (mittlerweile wussten das wir die Bohemians-Leute dort treffen sollten). Also wieder raus aus der Stadt und an irgendeiner Tankstelle nach dem Weg gefragt. Der meinte einfach gerade aus und wir taten wie geraten mit dem Resultat, dass wir genau an dem Grenzübergang standen wo uns gefühlte zehn Stunden zuvor, trotz der ellenlange Strafakte eines Mitfahrers, der Grenzübertritt gelang. So langsam meldete sich auch das geographische Erinnerungsvermögen zurück. Dieser Weg wäre aufgrund einer ziemlichen Delle bundesrepublikanischer Grenzverläufe auch der kürzeste gewesen, aber mit dem Makel behaftet das tschechische Staatsgebiet wieder verlassen zu müssen um dann nach wenigen Kilometern dort hin zurückzukehren. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass wir jetzt genau abwiegen mussten den dritten Mann aus dem Auto zu schmeißen oder einen Umweg in Kauf zu nehmen. Warum auch immer, wir entschieden uns für die letzte Variante. Also fuhren wir wieder zurück zur Tanke, erklärten dem Petrolverkäufer, dass Tschechien so schön sein, dass wir gar nicht mehr verlassen wollen und er empfahl uns daraufhin auf die praktisch über uns liegende Schnellstraße Richtung Prag zu fahren und dort dem Abzweig Varnsdorf zu folgen. 15 Minuten später waren wir dann endlich ungefähr da wo wir hin wollten aber unser Martyrium wollte kein Ende nehmen. Erst wurden wir von Einheimischen in die eine Richtung geschickt und als die zu Ende war vom Nächsten in die entgegen gesetzte. Per SMS bekamen wir dann endlich die richtige Adresse der Sportsbar und ein Taxifahrer, den nur der Himmel geschickt haben kann, brachte die Erlösung.

Nachdem wir uns mit den 20 (!!!) Bohemians-Fans bekannt gemacht hatten, ging es direkt in den gemütlichen Teil über. Die Jungs organisierten für uns sogar eine günstige Übernachtungsmöglichkeit (5 Euro pro Mann). Da Tschechien das Spiel in Norwegen (wurde auf Großbildleinwand übertragen) mit 1:0 gewann, war die Stimmung bei den Einheimischen natürlich die allerbeste. Nach dem Wechsel von der Sportsbar in eine Art Diskothek (wobei so ein Lokalitätenwechsel bei mittlerweile 23 gut betankten Mann auch eine logistische Meisterleistung ist) ging die Party erst richtig los.

Mitten in der Nacht bekamen wir dann endlich unsere Herberge zu Gesicht und unser Obstler fühlte sich aufgrund des sozialistischen Interieurs (nur der Farbfernseher passte nicht so recht ins Bild) wie zu Hause. Das Bett in der Küche überließen wir Mike, der uns schon im Vorfeld ob seiner Schnarcherei warnte. Kurz bevor uns unsere Handys aus dem Schlaf reißen sollten, tat dies schon das Walross in der Küche indem es ausblies. Daraufhin wurden die beiden Etagen über uns evakuiert. Mein zaghafter Einwurf das Spiel in Liberec um 10:15 Uhr sausen zu lassen wurde von den beiden Mitfahrern ignoriert. Die gestern Abend noch als höchsten Genuss empfundenen tschechischen Branntweinspezialitäten wurden darauf hin erst mal verteufelt. Aber auch den Mitfahrern wurde übel mitgespielt, denn in dem Klopapierhalter klaffte ein riesiges Loch (diese Passage steht hier auf Druck (hehehe) meiner beiden Mitfahrer, denn sonst macht die Überschrift ja keinen Sinn). Hätten sie doch mal lieber nicht die in Zwiebeln eingelegte Wurst nachts um drei essen sollen.

Um neun Uhr an diesem herrlich sonnigen Morgen bekamen wir erstmals Varnsdorf bei Tageslicht zu Gesicht. Aber für architektonische Schönheiten hatten wir leider kein Auge, sondern vor uns lagen noch 60 km Landstraße (der Weg hätte auch abgekürzt werden können, aber der Weg durch Deutschland wurde uns ja leider wegen unseres kriminellen Mitfahrers erschwert) bis Liberec. Dort angekommen blieb uns ,dem Himmel sei Dank, eine mühselige Stadionsuche erspart und überpünktlich betraten wir wohl durch einen Hintergang das Stadion. Erst in der Halbzeitpause entdeckten wir den wahren Eingang und zur Verwunderung der Dame lösten wir nach.

 

 
Spiel:

…war eigentlich gar nicht mal schlecht. Slovan Liberec B hatte das Spiel meistens unter Kontrolle und gewann letztlich verdient.

Tore: 1:0 (58. Min.) Jirous, 2:0 (84. Min.) Nemec.

Stimmung:

Fehlanzeige! Lustig waren noch die vier Gästefans die von doppelt so viel Ordner bewacht wurden. Nachdem sie einmal ein „Nachod“ zum Besten gaben, entschwanden sie nach einer halben Stunde und waren nicht mehr gesehen.

   
Stadion:

Das städtische Stadion in Liberec ist eine altgediente Wettkampfarena. Diese liegt direkt neben der örtlichen Eishockeyhalle. Sehr wuchtig wirkt die in die Natur integrierte überdachte Haupttribüne, die recht steil anmutet und über mindestens 15 Reihen Sitzbänken verfügt. Rundherum gibt es dann noch mal zwischen fünf und zehn Stehplatzstufen, wovon heute aber ein kleinerer Teil gesperrt war. Das ganze Stadion wirkt allerdings sehr marode und erweckt nicht den Eindruck, dass hier in letzter Zeit Instandhaltung betrieben wurde. Aber vielleicht verleiht die Baufälligkeit dem Stadion seinen nicht abzusprechenden Charme.

 

 

 

 

Tageskilometer:                   205 km von Zary über Varnsdorf nach Liberec mit dem KFZ

Saisonkilometer:           18.479 km (5.900 km Flugzeug, 8.654 Km Bahn, 3.512 km KFZ, 170 km Fähre, 650 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

 
 
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