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                         Regionalliga Nord, Saison 05/06, 20.05.06                                  

 

   2:3  

 

FC Carl Zeiss Jena - Fortuna Düsseldorf

Jena, Ernst-Abbe-Sportfeld (12.127 Zuschauer, ausverkauft)

 

 

Dass sich die Saison nun doch unweigerlich dem Ende zuneigt, erkennt man daran, dass die Würfel der Auf- und Abstiegsfragen so langsam fallen. In der Regionalliga Süd ist ja alles klar, in der Nordstaffel sollte die Aufstiegsfrage an diesem Samstag nun endgültig beantwortet werden. Neben Rot-Weiß Essen hat Jena gegenüber Lübeck die eindeutig besseren Karten, da nur noch ein Punkt (vielleicht sogar gar keiner) zum Aufstieg fehlt. Da ich mir Jena nun die ganze Zeit aufgespart hatte, ging die Reise heute nach Thüringen. Mittlerweile kann ich sämtliche Abfahrtszeiten der Busse zum Bahnhof Zoo und der ICE’s in alle Richtungen auswendig und pünktlich rollten die weiß-roten Wagen los, um dann wie immer unpünktlich am Zielort einzutreffen. Bis Naumburg war die Bahn noch voll im Zeitplan, musste dann aber auf einen verspäteten IC aus Stralsund warten. Ergebnis dieser logistischen Meisterleistung waren dann zwei verspätete Züge, wobei ich immer davon ausgegangen bin, dass der ICE der bevorrechtigste aller Züge sei und man auf ihn wartet und nicht er auf so einen popeligen IC. Aber mal wieder falsch gedacht und zudem wieder alles viel zu knapp geplant. Mit einer Viertelstunde Verspätung erreichte man den Bahnhof mit dem kultigen Namen Paradies. Um mein Glück perfekt zu machen, fuhr die Straßenbahn auch gleich mal vor meiner Nase weg und so musste man auf das zuverlässigste (aber auch langsamste) aller Transportmittel ausweichen. Die Füße trugen mich durch einen Park zum Busparkplatz am Stadion, wo gerade die lautstarken Gäste aus dem Rheinland ankamen. Nachdem die reservierte Karte in Empfang genommen wurde, ging es ohne viel Federlesen auf die rappelvolle Haupttribüne, wo mich der Kölner schon sehnsüchtig erwartete. Die zehn Minuten bis zum Anpfiff vergingen aufgrund der ganzen Aktivitäten in den Kurven ganz flott und eh man sich versah rollte der Ball schon.

 

 

 

 
Spiel &

Stimmung:

Mit dem Einlauf der Mannschaften spulten die Zuschauer (mal abgesehen von den ca. 300 Gästefans) ihr Programm ab, das aus einer farbenfrohen Kurve (Block N), einer Schalparade und gelben und blauen Winkelementen auf der Haupttribüne (Block A & B) bestand. Danach ging es gleich stimmgewaltig weiter und die Aufstiegspartie begann. Die Mannschaft schien dies allerdings nervös zu machen, denn Fortuna Düsseldorf präsentierte sich als wesentlich spielfreudigere Mannschaft. Nach 20 Minuten wurde ein Freistoß für die Gäste gepfiffen und diesen zirkelte Feinbier formvollendet zum 0:1 ins Netz. Zu diesem Zeitpunkt lag aber Lübeck auch schon mit 0:1 in Kiel hinten und daher war der Rückstand keine Tragödie. Schon vor dem Treffer war ordentlich Bewegung im und vor dem Gästeblock. Die Staatsmacht und eine Handvoll Fortuna-Fans lagen im Clinch, der erst nach mehrmaligem Versprühen von Tränengas beendet wurde. Auf dem Rasen übernahm mittlerweile Jena wieder die Initiative und kam zu einigen guten Ausgleichsmöglichkeiten. Dieser Treffer fiel dann auch in der 37. Minute durch Ziegner.

Den Beginn der zweiten Halbzeit verpennte Jena klassisch, kam überhaupt nicht ins Spiel und musste nach fünf Minuten zusehen, wie Podszus ohne Gegenwehr zur erneuten Führung für die Düsseldorfer einschob. Das tat den Jubelorgien auf den Rängen („Wir steigen auf, wir steigen auf…“) allerdings keinen Abbruch, denn Lübeck lag mittlerweile mit 0:2 hinten. Es folgte die große Zeit der Spruchbänder. Die Südkurve hielt alle fünf Minuten irgendwelche Transparente hoch, was nur unterbrochen wurde durch das 2:2 nach gut einer Stunde. Das Ergebnis war jetzt allen egal und man bereitete sich auf den Platzsturm vor. Das 2:3 kurz vor dem Ende schien dann auch keinen mehr zu interessieren. Kurz vor dem Schlusspfiff sprangen dann die ersten Fans über den Zaun und danach wurden alle Tore geöffnet und das halbe Stadion war auf dem Rasen. Ein paar Vollpfosten mussten natürlich die Feierlichkeit nutzen um den Gästefans einen Besuch abzustatten. Aber das pubertäre Gehabe wurde mit ein paar kräftigen Faustschlägen und Fußtritten seitens der Ordnungsmacht schnell beendet. Da mittlerweile die Busse der Gäste direkt hinter deren Block gefahren wurden, ging es für die Anhänger aus dem Rheinland alsbald aus dem Stadion, wo nur noch positives Chaos herrschte.

Tore: 0:1 (20. Min.) Feinbier, 1:1 (37. Min.) Ziegner, 1:2 (50. Min.) Podszus, 2:2 (57. Min.) Zimmermann, 2:3 (85. Min.) Pusic

 

Vereine:

Es war der 13. Mai 1903 als Angestellte der Carl-Zeiss-Werke den Fußballklub Carl Zeiß (ab 1917 1. SV Jena) gründeten. In den Jahren 1925, 1935, 1936, 1940 und 1941 nahm der Klub an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teil. Nach dem zweiten Weltkrieg gründeten ehemalige Mitglieder den Verein unter dem Namen SG Ernst-Abbe Jena (Ernst Abbe leitete nach dem Tod von Carl Zeiss die Werke und vermachte nach seinem Tod sein ganzes Vermögen einer Stiftung) neu, der zwei Jahre später in BSG Carl Zeiss Jena unbenannt wurde. Auch dieser Name hielt nicht lange, denn ab 1951 spielte die Mannschaft unter dem Namen BSG Mechanik Jena. Später ging der Verein in der Spielvereinigung Motor Jena (auch BSG Motor Jena, später dann SC Motor Jena) auf. Im Jahre 1956 stieg die Mannschaft in die Oberliga auf und holte vier Jahre später ihren ersten Titel (FDGB-Pokalsieger gegen SC Empor Rostock 3:2 n. V.). 1963 gewann Jena seine erste DDR-Meisterschaft. 1966 wurde der alte Verein unter dem Namen FC Carl Zeiss Jena „wieder“ gegründet. Es folgten die erfolgreichsten Jahre im Jenaer Fußball: 1968 zweite DDR-Meisterschaft, 1970 dritte DDR-Meisterschaft, 1972 zweiter Pokalsieg (gegen die SG Dynamo Dresden 2:1 n. V.), 1974 dritter Pokalsieg (wieder gegen die SG Dynamo Dresden, wieder nach Verlängerung (3:1) und wieder in Leipzig), 1980 vierter Pokalsieg (3:1 n. V. gegen Rot-Weiß Erfurt) und 1981 stand die Mannschaft im Europapokalendspiel in Düsseldorf und verlor gegen Dynamo Tiflis 1:2. In den 90er Jahren spielt der FC Carl-Zeiss Jena sechs Jahre lang in der zweiten Bundesliga. Nach dem Abstieg (97/98) konnten sich die Thüringer noch ein paar Jahre Regionalliga Nordost, später Regionalliga Süd halten. Doch 2001 erfolgte der Absturz in die Viertklassigkeit.

Die eigentliche Gründung der Fortuna datiert vom 15. November 1919. Der Zusatz im Namen 1895 kommt daher, dass sich 1919 der „Turnverein Flingern 1895“ mit dem „Düsseldorfer Fußballklub Fortuna 1911“ zusammenschloss. Im Jahre 1933 stand die Fortuna zum ersten Mal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft (11. Juni 1933) und gewann dieses mit 3:0 gegen den FC Schalke 04. Nach dem zweiten Weltkrieg spielte der Verein meist in der Oberliga West. Bei der Gründung der Bundesliga wurde Fortuna Düsseldorf nicht berücksichtigt und stieg erst 1966 auf (und direkt danach wieder ab.) In den Jahren 1973 und 1974 schaffte man sogar den Sprung in die UEFA-Cup-Plätze und am 16. Mai 1979 standen sich in Bern im Europapokalfinale der FC Barcelona und Fortuna Düsseldorf gegenüber (4:3 n. V.). Ein Jahr später gewann die Fortuna zum ersten Mal den DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin (1:0 n. V in Hannover). Gleiches Kunststück gelang ein Jahr später (2:1 gegen den 1. FC Köln in Gelsenkirchen). Im Jahre 1987 musste die Fortuna wieder den Gang in die zweite Liga antreten und damit begann wohl eine kaum vergleichbare Berg- und Talfahrt: 1989 Aufstieg 1. Bundesliga; 1992 Abstieg in die 2. Bundesliga; 1993 Abstieg in die Oberliga Nordrhein, 1994 Aufstieg in die 2. Bundesliga, 1995 Aufstieg in die 1. Bundesliga, 1997 Abstieg in die 2. Bundesliga, 1999 Abstieg in die Regionalliga, 2002 Abstieg in die Oberliga Nordrhein, 2004 Aufstieg in die Regionalliga.

 

Stadion:

Im Frühjahr des Jahres 1922 erfolgte der erste Spatenstich am Stadiongelände in Jena. Eineinhalb Jahre später wurde mit dem Tribünenbau (ca. 600 Plätze) begonnen und am 24. August 1924 wurde das Jenaer Stadion mit dem Spiel des 1. SV Jena gegen VfL Halle 96 (1:1) offiziell und feierlich eröffnet. Exakt 15 Jahre später wurde das Stadion in „Ernst-Abbe-Sportfeld“ umbenannt. Die Spielstätte wurde im 2. Weltkrieg bombardiert und musste demzufolge nach 1945 wieder erneuert werden. Das erste Nachkriegsspiel fand 1946 gegen Weimar statt. Ende der 50er Jahre wurden neue Sozialgebäude gebaut und darauf ein kleiner holzvertäfelter Aussichtsturm, der noch heute zu bewundern ist. Der Zuschauerrekord wurde mit 27.500 im Jahre 1962 im Europapokalspiel gegen Athletico Madrid aufgestellt. 1974 wurde dann die neue Flutlichtanlage eingeweiht und 1997 ersetzte man die alte Holztribüne durch einen Tribünenneubau (4.200 Plätze).

Das ganze Gelände rund um das Stadion ist sehr weitläufig und liegt direkt an der Saaleaue („Paradies“). Die Spielstätte ist ein klassisches Leichtathletik-Stadion, in dem der Zuschauer auf der überdachten Haupttribüne und der unüberdachten Gegentribüne sitzen kann. Die Kurven sind den Stehplatzbesuchern vorbehalten. Sehr schön sind die dreibeinigen Flutlichtmasten und der bereits erwähnte Holzturm. Auf dem Gelände befindet sich auch das Gebäude des Fanprojekts Jena

Vom Bahnhof Paradies kann man wahlweise mit der Straßenbahn (Linie 4) oder zu Fuß (ca. 15 Min.) zum Ernst-Abbe-Sportfeld gelangen.

 

 

Tageskilometer:                 588 km mit der Bahn von Berlin nach Jena und zurück

Saisonkilometer:          40.898 km (10.984 km Flugzeug, 21.174 Km Bahn, 8.860 km KFZ, 180 km Fähre, 690 km Bus)

zum Vergleich 04/05: 39.952 km (23.213 km PKW, 5.677 km Bahn, 10.962 km Flugzeug)

 

Grüße an den Kölnern

 

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