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                  Verbandsliga Berlin, Saison 04/05, 30.01.05                

 

    5:1

 

Spandauer SV - Nordberliner SC

 

Berlin, Sportplatz Neuendorfer Straße (35 Zuschauer)

 

 

Ja, ja, das Wetter. Nachdem ich letzte Woche auf allerlei Hilfe bei meiner Tour angewiesen war, wendete sich das Blatt an diesem Wochenende. Einige FCB-Anhänger wollten vor dem Auftritt ihrer Mannschaft bei Hertha BSC unbedingt noch zwei hochklassige Kicks in den Niederungen des Berliner Fußballs mitnehmen. Da aber die Hauptstadt schon unter einer kleinen Schneedecke lag und diese am Samstag noch höher wurde, war eigentlich klar, dass dieses Unterfangen nur sehr schwer umzusetzen sein würde. Also wurden mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel seit Samstag alle noch angesetzten Spiele beobachtet. In der Oberliga waren zu diesem Zeitpunkt bis auf eine Partie eh schon alle abgesagt und sonst sollte nur noch die Verbandsliga Berlin mit sieben Partien am Sonntag spielen. Erschwerend hinzu kam noch, dass der rot-weiße Anhang auf keinen Fall in Katzbach- und ins Mommsenstadion wollte, da diese bereits in den Vorjahren besucht wurden. Die erste Hiobsbotschaft kam dann Samstag über den Ticker, dass die Partie Tasmania gegen BFC Preussen (dazu noch der Hopper-freundliche 11 Uhr-Termin) abgesetzt wurde. Nun gut, das war zwar schade für die Jungs, aber so konnte man sich schließlich noch auf die verbliebenen fünf Partien konzentrieren. Der Anruf bei Hertha 03 am Sonntagmorgen brachte auch nur eine Schreckenskunde: Platz gesperrt – Spiel fällt aus.  Also nur noch vier: Teutonia Spandau würde gerne spielen, aber dann auf einem Nebenplatz. Spandauer SV auch, aber wenn dann auf dem Hauptplatz. Die Kandidaten im Ostteil der Stadt wurden erst gar nicht weiter beobachtet, weil zwischen Abpfiff dort und dem Anpfiff im Olympiastadion entweder zu viel Wegstrecke oder zu wenig Zeit lag. Um 12:30 Uhr – also 90 Minuten vor dem Anpfiff erfolgte dann der finale Anruf – mit dem positiven Ergebnis, dass genau an dieser Stelle ein kleiner Spielbericht steht. Und wenn man schließlich so viel „Arbeit“ investiert, möchte man ja dann doch auch die Früchte ernten. Also auf nach Spandau zum SV.

In Spandau angekommen, stand der FCB-Anhang unter Leitung von Andi B. schon auf der Gegengerade und zitterte mit den Akteuren auf dem heute gar nicht grünen Rasen. Viel wichtiger als der Ausgang des Spiels war vielmehr, ob eben dieser Andi B. so vollkommen „FC Bayern verrückt“ ist, dass er selbst zu Schachspielen des Vereins fährt (schließlich machte diese Geschichte schon mehrfach die Runde). Die Antwort war ein relativiertes Ja, aber auch Kegeln wird sehr gerne angeschaut. Sachen gibt es…

 

 
Spiel:

In einem ganz ansehnlichen Spielchen siegten die Spandauer gegen die Nordberliner klar. Von Anfang an diktierten die Gastgeber die Partie und kamen mit dem schneebedeckten Untergrund wesentlich besser zurecht.

Tore:  1:0 (10. Min.) Gerling (FE), 2:0 (27. Min.) Kusche, 3:0 (58.Min.) Gerling, 3:1 (60. Min.) Heymann, 4:1 (62. Min.) Oesker, 5:1 (80. Min.) Oesker.

 

 

Stimmung:

Was will man bei 35 Zuschauern erwarten, wenn davon noch die Hälfte aus Bayern kommt und diesen jegliche Bindung zum Spiel fehlte.

   
Vereine:

Der Spandauer SV schmückt sich mit dem bedeutungsschwangeren Zusatz Traditionsverein. Wohl zu Recht, wie ein Blick in die Vereinschronik verrät. Begonnen hat alles im Jahre 1894 als sich der 1. Spandauer Thor- und Fußballclub Triton gründete. Ende 1920 fusionierte dieser mit dem Spandauer SC Germania, der wiederum auch ein Fusionsobjekt war (Spandauer SC Germania 04 und SC Germania 1895), zum Spandauer SV. Große Erfolge konnte der SSV bis zu seiner Auflösung 1945 nicht feiern. Anschließend, nach kurzem Intermezzo als SG Spandau-Altstadt, entstand der „neue“ Verein unter altem Namen. Mit dem Aufstieg (1950) in die höchste deutsche Spielklasse, der Oberliga, folgten 13 Jahre Zugehörigkeit zu dieser Liga mit ausnahmslos einstelligen Tabellenplätzen. Aber so richtig dicht dran am Staffelsieg waren die Spandauer nur in der Saison 58/59, als man knapp hinter Tasmania den zweiten Platz belegte, der leider nicht die Qualifikation zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft bedeutete. Mit Einführung der Bundesliga (Hertha BSC wurde Gründungsmitglied) verblasste auch der Stern des SSV. Zwar zogen die Spandauer als frischgebackener Berliner Meister in der Saison 75/76 noch mal in die 2. Bundesliga Nord ein, die u. a. mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen prominent besetzt war, aber mit Pauken und Trompeten (in Zahlen: Zwei Siege (einer sogar gegen Bayer Leverkusen) und nur acht Punkte) folgte sofort der Abstieg. Mitte der 90er Jahre spielte sich der Spandauer SV noch mal bis in die Drittklassigkeit (Regionalliga Nordost) vor und konnte die Klasse auch vier Jahre halten. Der Abstieg folgte 1999 und dieser war kurios. Sportlich erreichten sie einen Nichtabstiegsplatz (16.), mussten aber aufgrund von „Verstößen gegen die Rahmenbedingungen“ zwangsabsteigen. Die Spandauer verzichteten auf ihren Oberligaplatz und traten zur Saison 99/00 gleich in der Verbandsliga an. Nach zwei Jahren in der Fünftklassigkeit folgte der absolute Tiefpunkt: Landesliga. Dazu bekamen diejenigen wieder Gehör, die in Spandau endlich einen Großverein ansiedeln wollten. Aber die Fusion mit dem BFC Spandau 06 wurde von der Mehrheit der Vereinsmitglieder abgeschmettert und die Mannschaft gewann souverän die Staffel und stieg auf.

Falls jemand die Berliner „Traditionsvereine“ SC Heiligensee und den SC Tegel vermissen sollte, dem kann geholfen werden. Der Nordberliner SC ist die Summe der beiden o. g. Summanden. Der Grund für diese Verbindung war ganz banal: Der SC Heiligensee hatte ziemlich viele Mannschaften und zu wenig Sportplätze, beim SC Tegel haperte es eben an den Mannschaften aber dafür hatten sie eine ganz stattliche Anzahl von Sportplätzen. 

   
Stadion:

Bis 1998 gab es noch ein Stadion an der Neuendorfer Straße, was mit dem neuen Sportplatz an der Neuendorfer Straße nichts gemein hat. Das „alte“ ist im Zuge des Bau der Wasserstadt abgerissen worden und das „neue“ an anderer Stelle, aber auch noch an der Neuendorfer Straße, neu errichtet worden. Diese Anlage wirkt auf den ersten Blick auch ein wenig verbaut. Wenn man das Kassenhäuschen passiert, läuft man auf eine unausgebaute Hintertorseite zu, wird um das Sozialgebäude (welches sich über die halbe Länge des Platzes erstreckt) rumgeführt und gelangt schließlich zum Stehplatzbereich. Dieser besteht nur aus ein paar Betonstufen. Hinter dem Tor findet der Besucher einen weiteren Stehplatzbereich der von einem ca. fünf Meter hohen Zaun geschützt wird. Die Gegengerade ist gar nicht ausgebaut und für den Normalsterblichen auch nicht begehbar.

Man erreicht die Heimstätte des Spandauer SV mit den Buslinien 131 oder 136 bis zur Haltestelle Hohenzollernring. Einfach kurz zurücklaufen und an der Ecke auf der anderen Straßenseite ist der etwas unscheinbare Eingang.

 

 

 

Weitere Bilder vom Sportplatz an der Neuendorfer Straße hier

 

Tageskilometer:       -

Saisonkilometer: 22.958 km (12.311 km PKW, 3.085 km Bahn, 7.562 km Flugzeug)

 
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