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                  NOFV-Oberliga Süd, Saison 04/05, 06.03.05                                  

 

   0:1  

 

1. FC Magdeburg - Hallescher FC

 

Magdeburg, Heinrich-Germer-Stadion (2.979 Zuschauer)

 

 

„Spiel in Magdeburg findet statt!“ Also schnell noch mal umdisponiert und der eigentlich für heute lose ins Auge gefassten Partie SV 1919 Grimma gegen den SV Dessau 05 Lebewohl gesagt. Ziemlich kurzfristig fanden sich auch noch drei Mitfahrer: zwei Tennis Borussen und ein St. Gallen-Fan aus der Schweiz. So pirschte also die illustre Truppe nach Sachsen-Anhalt. Spielort ist seit wenigen Wochen das Heinrich-Germer-Stadion, in dem eigentlich nur der MSV Preußen zu Hause ist, aber aufgrund des Abrisses des Ernst-Grube-Stadions, kurzzeitig dem 1. FC Magdeburg Asyl gewährt.

Erst vor wenigen Tagen gab es die gleiche Paarung im Viertelfinale des Landespokals, welches der HFC vor heimischem Publikum (ca. 4.000 Zuschauer) nach Elfmeterschiessen gewann. Somit war eigentlich im Vorfeld schon klar, dass ein wenig die Luft aus diesem Derby sein würde. Aber o. g. Ansetzung versprach zumindest mehr als die bereits oben erwähnte Alternativpartie Grimma gegen Dessau.

Die Fahrt verlief recht ereignislos und selbst ein guter Parkplatz in Stadionnähe wurde problemlos gefunden. Auch die Sicherheitskontrollen waren erstaunlich lasch.

 

 

 

Spiel:

Über die ersten 40 Minuten braucht man kein Wort zu verlieren, denn es passierte – außer, wenn man auf Abspielfehler steht – fast gar nix. Kurz vor der Pause verirrte sich der Ball an den Innenpfosten, präsentierte sich aber dermaßen orientierungslos, dass er sich in genau die Richtung begab, aus der er auch gekommen war. Glück für den HFC! Das trostlose Gegurke setzte sich im zweiten Durchgang fort. Das hitzigste Duell lieferte sich noch der Hallenser Mentor Mitfari mit dem Magdeburger Pöbel, als sich der Spieler nach ihm geworfene Knallkörper mit dem Zeigefinger an die Schläfe beantwortete. Gerechterweise hätte dieses enorm schwache Spiel mit 0:0 enden müssen, aber dagegen hatte der Schiedsrichter etwas. Nach einer gespielten Stunde elektrisierte der Pfiff des Mannes in Gelb-Schwarz (pfui!) die Massen: Elfmeter für Halle und dazu noch Gelb-Rot für den Magdeburger Grundmann. Gut, das Ding war drin und abgesehen von einem Lattentreffer für die Hausherren Sekunden vor dem Abpfiff auch die letzte erwähnenswerte Situation.

Tor: 0:1 (60. Min.) Gleis (FE)

Stimmung:

Gerechterweise muss man sagen, dass es für ein Oberligaspiel bei diesen Temperaturen eine ganz ordentliche Stimmung war. Ein bisschen mehr Pöbelei und vor allen Dingen ein bisschen Rauch hätte aber schon sein dürfen. Dafür wurden die nicht wenigen neutralen Zuschauer (wieder mal eine Menge „Wessi-Hopper“ am Start) mit Untertiteln verwöhnt. Auf Magdeburger Seiten war so zum Beispiel zu lesen: „Pokal los, Aufstieg los, Führungslos! Weg in die Zukunft?“ Auch das Banner Richtung Hallenser Block mit der Frage: „Wann? Wo? Wieviele?“ sorgte für Heiterkeit. Ob diese Aufforderung zum Ringelpiez mit Anfassen den Ordnungshütern vorborgen blieb, dürfte mal dahin gestellt sein. Dass aber auch die Gäste des Dichtens mächtig sind, demonstrierten sie mit dem Reim: „Ihr scheisst auf Eure Fans, so scheissen wir auf Eure Strafen!“ Auch ganz erquicklich!

 

Vereine:

Blickt man auf die Anfänge des Magdeburger Fußballs zurück, dann sucht man den 1. FC Magdeburg vergeblich. Es waren Vereine wie Viktoria 96, Fortuna, Preußen 1899, MSC 1900 oder Criket Viktoria die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Fußball in Magdeburg bestimmten. Eine wichtige Rolle spielten mit Ausnahme des FC Viktoria (Endrundenteilnehmer 1903, 1904 und 1905) die Vereine bis zur Gründung der DDR im deutschen Fußball nicht. Die Wiege für den Neubeginn stand 1945 im Stadtteil Sudenburg. Dort wurde die gleichnamige Sportgemeinschaft gegründet. 1948 stieß die SG Lemsdorf hinzu und nachdem der Verein für kurze Zeit SG Eintracht hieß, wurde daraus die Betriebssportgemeinschaft Krupp-Gurson (später wurde aus diesem Werk das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET), welcher in den nachfolgenden Jahren die Stadt Magdeburg und vor allen Dingen den Verein prägten). Da aber der Name „Krupp“ den Machthabern politisch nicht passte, wurde der Verein erst umbenannt in SG Stahl Magdeburg (1951), dann in BSG Motor Magdeburg (1952) und schließlich in BSG Motor Mitte Magdeburg (1953). Spielort war zu dieser Zeit das Heinrich-Germer-Stadion. Mitte 1957 wurden die Fußballer der BSG Motor Mitte an den zwei Jahre zuvor gegründeten SC Aufbau Magdeburg angegliedert. 1959 gelang der Aufstieg in der DDR-Oberliga und zudem erreichte man es 1964 und 1965 Pokalsieger der DDR zu werden. Im August 1965 wurde aus dem SC Aufbau der SC Magdeburg, dies aber noch nicht mal vier Monate lang, denn kurz vor Weihnachten des gleichen Jahres wurde der 1. FC Magdeburg gegründet. Aufgrund der Stagnation im DDR-Fußball wurden bei zehn Vereinen die Fußballabteilungen aus den Sportclubs herausgetrennt und „richtige“ Fußballvereine gegründete. Beim 1. FC blieb der Trägerbetrieb SKET und somit für die meisten Fußballer Arbeitgeber. Durch den Pokalsieg, den noch der SC Aufbau errungen hatte und sich der „Nachfolgeverein“ SC Magdeburg in der Hinrunde der Saison 65/66 gegen Spora Luxemburg und FC Sion durchsetzte, durfte der noch nicht mal drei Monate alte 1. FC Anfang März sein erstes Europapokalspiel in London bei West Ham United austragen (0:1, das Rückspiel endete 1:1 im Ernst-Grube-Stadion). Zum Ende der Spielzeit stieg der 1. FC als Tabellenletzter ab. Der Wideraufstieg gelang 1967 und danach gehört der Verein durchgängig und nur mit einer Ausnahme immer auf einstelligen Tabellenplätzen der DDR-Oberliga (letzte Spielzeit 90/91) an. Aber ausgerechnet in der letzten Saison der DDR-Oberliga wurde der 1. FC nur Zehnter, was noch nicht mal zur Qualifikation zur zweiten Bundesliga reichte. Dazwischen wurden die Magdeburger dreimal DDR-Meister (1972, 1974 und 1975) und fünfmal Pokalsieger (1969, 1973, 1978, 1979 und 1983). Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierten die Magdeburger am 8. Mai 1974 im Kuip zu Rotterdam. Dort besiegten die Mannen von Trainer Krügel vor nur 5.000 Zuschauern den AC Mailand (Trainer hier: Giovanni Trapattoni) mit 2:0 (1:0 (41.) Lanzi (ET), 2:0 (74.) Seguin).

Der Hallescher FC trägt seinen Namen seit 1991. Die offizielle Gründung datiert aus dem Jahre 1946 als SG Glaucha. Vorgängerverein dürfte der Hallescher Fußball-Club Wacker (gegründet 1900, Endrundenteilnehmer 1921, 1928 und 1934) gewesen. Die SG Glaucha gab es zumindest nur zwei Jahre, denn 1948 folgte die Umbenennung in SG Freiimfelde Halle und nur ein Jahr später folgte der Anschluss an den SC Chemie-Halle Leuna. 1958 wurde daraus SC Chemie Halle und 1966 folgte die Ausgliederung der Fußballabteilung als Hallescher FC Chemie. Halle war unter verschiedenen Vereinsnamen zweimal DDR-Meister (1949, 1952) und zweimal DDR-Pokalsieger (1956 und 1962). Von 1966 bis 1973, von 1974 bis 1984 und von 1987 bis 1991 spielte der HFC in der DDR-Oberliga und belegte der letzten Saison vor der Zusammenführung des west- und ostdeutschen Fußball (90/91) den vierten Platz, der die Qualifikation zur zweiten Bundesliga bedeutete. Ferner betrat der HFC zum letzten Mal die europäische Fußballbühne, schied aber schon in der ersten Runde gegen Torpedo Moskau aus. Am Ende der Spielzeit 91/92 fand sich der Club auf einem Abstiegsplatz in der zweiten Liga wieder und trat damit den Gang in die Oberliga an. 1998 folgte gar der Abstieg in die Fünftklassigkeit. Seit 2000 spielen die Hallenser wieder in der Oberliga.

Stadion:

Das Heinrich-Germer Stadion ist benannt nach einem Magdeburger Pädagogen und Politiker, der sich u. a. für den Aufbau des Magdeburger Zoos einsetzte. Das Stadion hat eine ovale Form und die Haupttribüne wirkt ein wenig eigenartig, denn zum einen prangt in der Mitte eine riesiger Sprecherturm (der aber wohl keine Funktion mehr hat) und zum anderen verfügt diese über eine putzige überdachte Sitzplatztribüne. Diese besteht aus paar aufgestellten Holzsitzen unter einer provisorischen Überdachung. Links davon sind noch die Überreste einer alten Stahlrohrtribüne zu sehen. Mit dieser Zusatztribüne fasste dieses Stadion einmal 18.000 Zuschauer, heute allerdings nur noch 8.000. Errichtet wurde diese Sportstätte in den 20er Jahren und bot den Zuschauer erstklassigen Fußball in den jungen DDR-Jahren, als der SC Aufbau Magdeburg hier kickte. Anfang der 70er Jahre kehrte der mittlerweile in 1. FC Magdeburg umbenannte Club hierhin zurück, weil das Ernst-Grube-Stadion renoviert wurde. So sahen die Zuschauer hier u. a. Arsenal London spielen.

 

 

 Grüße an dieser Stelle an die Mitfahrer, Andreas G. aus Rheda-W. (oh, reimt sich sogar) und an den verantwortlichen Chefredakteur und Herausgeber der "Blauen-Weisse Geschichten".

 

Tageskilometer:       302 km Berlin - Magdeburg - Berlin mit dem KFZ

Saisonkilometer: 25.040 km (13.821 km PKW, 3.657 km Bahn, 7.562 km Flugzeug)

 

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