[zurück zur Übersicht]

 

                  NOFV-Oberliga Süd, Saison 04/05, 21.11.04                                  

 

   2:1  

 

1. FC Magdeburg - FV Dresden-Nord

 

Magdeburg, Ernst-Grube-Stadion (1.182 Zuschauer)

 

 

Und wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Diesmal vom Ernst-Grube-Stadion in Magdeburg, Austragungsort vieler packender Spiele. Noch zwei Partien – einschließlich der heutigen – dann gehen die Flutlichter für die Heimstätte des Europapokalsiegers von 1974 endgültig aus.

Blickt man auf die Anfänge des Magdeburger Fußballs zurück, dann sucht man den 1. FC Magdeburg vergeblich. Es waren Vereine wie Viktoria 96, Fortuna, Preußen 1899, MSC 1900 oder Criket Viktoria die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Fußball in Magdeburg bestimmten. Eine wichtige Rolle spielten mit Ausnahme des FC Viktoria (Endrundenteilnehmer 1903, 1904 und 1905) die Vereine bis zur Gründung der DDR im deutschen Fußball nicht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es diese Klubs heute nicht mehr gibt oder sie gänzlich in der Versenkung verschwunden sind. Der MSV Preußen spielt zumindest noch in der Verbandsliga. 

Die Wiege für den Neubeginn stand 1945 im Stadtteil Sudenburg. Dort wurde die gleichnamige Sportgemeinschaft gegründet. 1948 stieß die SG Lemsdorf hinzu und nachdem der Verein für kurze Zeit SG Eintracht hieß, wurde daraus die Betriebssportgemeinschaft Krupp-Gurson (später wurde aus diesem Werk das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET), welcher in den nachfolgenden Jahren die Stadt Magdeburg und vor allen Dingen den Verein prägten). Da aber der Name „Krupp“ den Machthabern politisch nicht passte, wurde der Verein erst umbenannt in SG Stahl Magdeburg (1951), dann in BSG Motor Magdeburg (1952) und schließlich in BSG Motor Mitte Magdeburg (1953). Spielort war zu dieser Zeit das Heinrich-Germer-Stadion, wo heute der MSV Preußen seine Partien austrägt und bald auch wieder der 1. FC spielen wird.

Mitte 1957 wurden die Fußballer der BSG Motor Mitte an den zwei Jahre zuvor gegründeten SC Aufbau Magdeburg angegliedert. 1959 gelang der Aufstieg in der DDR-Oberliga und zudem erreichte man es 1964 und 1965 Pokalsieger der DDR zu werden. Im August 1965 wurde aus dem SC Aufbau der SC Magdeburg, dies aber noch nicht mal vier Monate lang, denn kurz vor Weihnachten des gleichen Jahres wurde der 1. FC Magdeburg gegründet.

Aufgrund der Stagnation im DDR-Fußball wurden bei zehn Vereinen die Fußballabteilungen aus den Sportclubs herausgetrennt und „richtige“ Fußballvereine gegründete. Beim 1. FC blieb der Trägerbetrieb SKET und somit für die meisten Fußballer Arbeitgeber. Durch den Pokalsieg den noch der SC Aufbau errungen hatte und sich der „Nachfolgeverein“ SC Magdeburg in der Hinrunde der Saison 65/66 gegen Spora Luxemburg und FC Sion durchsetzte, durfte der noch nicht mal drei Monate alte 1. FC Anfang März sein erstes Europapokalspiel in London bei West Ham United austragen (0:1, das Rückspiel endete 1:1 im Ernst-Grube-Stadion). Zum Ende der Spielzeit stieg der 1. FC als Tabellenletzter ab. Der Wideraufstieg gelang 1967 und danach gehört der Verein durchgängig und nur mit einer Ausnahme immer auf einstelligen Tabellenplätzen der DDR-Oberliga (letzte Spielzeit 90/91) an. Aber ausgerechnet in der letzten Saison der DDR-Oberliga wurde der 1. FC nur Zehnter, was noch nicht mal zur Qualifikation zur zweiten Bundesliga reichte. Dazwischen wurden die Magdeburger dreimal DDR-Meister (1972, 1974 und 1975) und fünfmal Pokalsieger (1969, 1973, 1978, 1979 und 1983). Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierten die Magdeburger am 8. Mai 1974 im Kuip zu Rotterdam. Dort besiegten die Mannen von Trainer Krügel vor nur 5.000 Zuschauern den AC Mailand (Trainer hier: Giovanni Trapattoni) mit 2:0 (1:0 (41.) Lanzi (ET), 2:0 (74.) Seguin).

Dort wo heute das Ernst-Grube-Stadion steht, war bis in die 50er Jahre der Sportplatz am Gübser Weg (ehemalige Spielstätte von Viktoria 96) zu finden. Die ursprüngliche Planung der Stadtoberen sah eine Sportstätte für 80.000 Zuschauer vor. Doch scheiterte das Objekt am VEB Baustoffversorgung, der auf dem vorgesehenen Platz sein Betriebsgelände hatte. Der erste Spatenstich war schon vollzogen, als sich der Betrieb an höchster Stelle wandte und erreichte, dass das Bauprojekt bis 1960 zunächst gestoppt wurde. Solange wollten die Magdeburger nicht warten und so begannen 1954 die Arbeiten im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerks“ am Gübser Damm. 150.000 Kubikmeter Schutt wurden dabei bewegt und 21 Kilometer Terrassensteine verlegt. Zunächst entstanden der Zuschauerdamm mit Einmarschtor, eine Anzeigetafel (1978 durch eine elektronische ersetzt) und der Kampfrichterturm. Die Kapazität lag bei fast 40.000 Zuschauer. Die Haupttribüne wurde erst viele Jahre später (1970) gebaut und die 56 Meter hohe Viermast Flutlichtanlage komplettieren das Mehrzweckstadion 1972. Dort wo einst über 40.000 Zuschauer den 1. FC bejubelten, werden heute nur noch maximal 25.800 Fans eingelassen. Dies begründete sich auf den ständigen Umbau von Steh- in Sitzplätze.

Insgesamt sechs Länderspiele der DDR konnten die Magdeburger hier verfolgen, das letzte am 12.04.1989 gegen die Türkei (0:2). Auch zahlreiche Europapokalauftritte gegen namhafte Gegner wie West Ham United, Juventus Turin, Sporting Lissabon, Bayern München, Dinamo Zagreb, FC Schalke 04, FC Barcelona oder das vorläufig letzte gegen Girondins Bordeaux (23.10.1990) wurden im Ernst-Grube-Stadion ausgetragen. Richtig voll würde die Hütte noch mal im November 2000 als die Blau-Weißen vor 27.000 Zuschauern den FC Bayern München nach Elfmeterschiessen aus dem DFB-Pokal warf.

Das letzte Oberligaspiel in dieser traditionsreichen Stätte wird am 4. Dezember angepfiffen (der 1. FC Magdeburg empfängt den FSV Zwickau). Dann geht es zurück ins Heinrich-Germer-Stadion, wo der Verein seine ersten Spiele bestritt (anfangs wich man nur gelegentlich ins Ernst-Grube-Stadion aus) und auch während Sanierung des Rasens im Grubestadion von 1979 bis 1981 zu Hause war. Dort spielte der 1. FC u. a. auch gegen Arsenal London und den AC Turin im Europapokal.

Irgendwie und Irgendwann soll es mal eine schicke 25.000 Zuschauer-Arena in Magdeburgs Westen geben. Doch wie so oft bei allen Bauvorhaben wird wohl noch viel Wasser die Elbe hinab fließen.

 

 

Spiel:

In einem durchschnittlichen Oberligaspiel setzte sich der 1. FC Magdeburg (vor dem Spiel Achter) verdient gegen den auf einem Abstiegsplatz stehenden FV Dresden-Nord durch.

Nachdem direkt nach Anpfiff die Gäste eine große Möglichkeit zur Führung hatten, spielten danach nur noch die Hausherren. Aber entweder waren die Anspiele zu unpräzise oder der Dresdner Torwart war auf dem Posten. Nicht so in der 40. Minute: Eine Faustabwehr landete 25 Meter entfernt auf dem Fuß von Müller, der sehenswert den Ball ins Tor drosch. Die zweite Halbzeit begann wie die erste endete, mit Chancen für die Magdeburger. Als die Gäste das erste Mal den gegnerischen Strafraum betraten, fielen sie auch direkt um. Aber den fälligen Elfmeter konnte der Torwart parieren. Kurz danach war es wieder Müller der das zweite Tor der Magdeburger erzielte. Zwar konnten die Dresdner noch mal verkürzen (durch Terjek, der zuvor aus elf Metern erfolglos blieb), aber danach spielte sich der 1. FC weitere Möglichkeiten raus. Diese blieben zwar ungenutzt, aber so kam der Gast auch nicht mehr in Versuchung den Ausgleich zu erzielen.

Tore: 1:0 (40.) Müller, 2:0 (70.) Müller, 2:1 (75.) Terjek

Stimmung:

Ganz bitter! Null Gästefans und so herrschte im wirklichen weiten Rund meist Totenstille. Dies besserte sich zwar im zweiten Durchgang, ist aber dennoch nichts erwähnenswert.

 

 

 

 

Tageskilometer:       313 km mit dem KFZ Berlin - Magdeburg - Berlin

Saisonkilometer: 16.622 km (10.921 km PKW, 2.081 km Bahn, 3.620 km Flugzeug)

 

[zurück zur Übersicht]