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                  Bank of Scotland Premierleague, Saison 04/05, 06.11.04                                  

 

   1:0  

 

Hibernian F. C. - Motherwell F. C.

 

Edinburgh, Easter Road Stadium (10.022 Zuschauer)

 

 

Die erste Nacht in unserer „12 Pfund“ Herberge war kurz und da wir keinen Bock hatten mit den Menschen mit denen wir schon das Zimmer teilen mussten auch noch das Frühstück zu einzunehmen, suchten wir zu diesem Zweck eine echte schottische Lokalität auf: Das Gasthaus mit den goldenen Bögen. Danach war erst mal Sightseeing angesagt. Der Weg zum Castle führte uns schon an so mancher Attraktion vorbei und als wir oben auf dem Berg angelangten sollte man für den Einlass ins Schloss 9,50 Pfund pro Person bezahlen. Es folgten einige Diskussionen über In- und Deflation, den Fluch und Segen der europäischen Union und Warenkörbe. Brachten aber alle kein Ergebnis. „Wenn wir schon mal hier sind…:“ gefolgt von „wer 25 Pfund für ein Fußballspiel ausgeben kann!“ machten die Entscheidung nicht leichter. Der finale Münzwurf brachte dann den Schiedsspruch, dass der Anblick des Schlosses von außen vollkommen ausreichend sei. Aber wie das nun mal so ist, rein gegangen sind wir dann doch und Peter meinte dann auch gelesen zu haben, dass im Eintrittspreis eine Rittervorführung mit anschließendem Mittagessen nebst Freibier enthalten sei. Sofort erhellten sich die Minen. Nicht unerwähnt sollte blieben, dass ich noch heute auf das lecker Mittagsessen nebst Freibier warte und die Rittervorführung darin bestand, dass ein kleines Ritterchen genau vier Minuten lang den Umgang mit Morgenstern, Schwert und Pfeil und Bogen in einem unverständlichem Englisch erklärte.

Den Rest des Tages verbrachten wir dann damit ziellos durch die Straßen zu schlendern. Edinburgh ist wirklich eine Reise wert. Einziger Nachteil ist der Linksverkehr. Jedes Mal wenn man eine Straße überquert schaut man immer in die richtige Richtung um dann aus der falschen überfahren zu werden. Echt nervig. Der Grund für diese britische Unsitte dürfte darin liegen, dass die dortigen Kraftfahrzeuge das Lenkrad auf der falschen Seite haben.

Ansonsten bleibt festzuhalten, dass die Menschen in Edinburgh sehr freundlich sind. Nur Sportzeitschriften mit dem klangvollen Namen „Daily Sports“ oder so ähnlich sollte man nicht kaufen, es sei denn man ist auf Partnersuche.

Den Abend verbrachten wir dann mit einem weiteren in Berlin lebenden Schalker Sascha (oder Sven oder Alexander) und drei Coburgern im „Last Drop“. Irgendwann konnten die Coburger aber nicht mehr und die Berliner zogen weiter in irgendeinen Zappelclub in Nähe. Dort wurde dann auch nicht nur gezappelt sondern auch noch der Geburtstag von Udo gefeiert. Die Kneipen- bzw. Pubdichte in Edinburgh ist schon imposant. Es gibt etliche gute Läden und feine Clubs. Nur die Kombination starker Pfund und großer Durst wirkt sich nicht günstig auf die Geldbörse aus.

Das zweite Erwachen war noch schlimmer als das am vorangegangen Morgen. Zudem war auch noch Taschepacken angesagt und auf dem heutigen Programm stand ein schottisches Erstligamatch mit anschließender Rückfahrt nach Newcastle. Erste Anlaufstation des Tages war der Central Station, wo man zum einem seinen Rucksack „preisgünstig“ (5 Pfund) deponieren konnte und zum selben Preis ein Frühstück britischer Art einnehmen konnte. Das war dann auch so reichhaltig, dass einem das Cholesterin aus den Ohren kam. Ein kleiner Spaziergang Richtung Easter Road Stadium brachte dann aber wieder Schwung in matte Reisegruppe. Da bis zum Spielbeginn noch reichlich Zeit war, konnte man sich noch unter das einheimische Fanvolk der Hibernians mischen. Und wo tut man dies am besten? Genau, in einem Pub.

Exkurs zum schottischen Fußball:

Es gibt wohl kaum ein anderes Land in Europa in dem der Fußball so gelebt wird wie in Schottland. Setzt man die Zuschauerzahlen in Relation zur Gesamtbevölkerung (ca. fünf Millionen Menschen) ist Schottland (mit Albanien!) das fußballverrückste Land der Welt. Dahinter verbergen sich aber maßgeblich die Zuschauerzahlen von Celtic und den Rangers und dahinter sieht es vielfach ganz mau aus. Exemplarisch die Situation beim ältesten Verein (1867 gegründet) des Landes: Queens Park Football Club, immerhin zehnfacher Pokalsieger. Dieser kickt im Hampden Park, dass nebenbei auch noch Nationalstadion ist, vor kaum mehr als 500 Zuschauer in der Viertklassigkeit.

 

Spiel:

Das Spiel war gerade in der ersten Halbzeit so spannend, dass Peter erhebliche Mühe sich wach zu halten. Der zweite Durchgang war da schon bedeutend besser, weil beide Teams wohl merkten, dass drei Punkte ziemlich leicht einzufahren sind.

Tore: 1:0 (79.) Murray

Stimmung:

…wie das Spiel. In der ersten Halbzeit fast gar nicht. Aber sobald es gute Aktionen gab wurden die Zuschauer auch mal laut. Ansonsten eher enttäuschend.

   
Vereine:

Der Hibernian F. C. Edinburgh wurde 1875 gegründet. Gründer waren in Irland geborene Fußballverrückte und der Vereinsname Hibernian ist der lateinische Name für Irland. Die Hibs waren der erste britische Club der ein Europapokalspiel bestreiten durfte (54/55 gegen RW Essen) und sind insgesamt viermal schottischer Meister geworden (1903, 1948, 1951 und 1952). Daneben zieren zwei nationale Pokale die Vitrine des Vereins (errungen 1887 und 1902).

Es war das Jahr 1885 als Wee Alpha Motherwell gegründet wurde. Die große Zeit des Vereins liegt lange zurück und begann 1926 als man zu den „top three“ aufstieg. Die Krönung war der Meistertitel 1932 (Stürmer Willie Macfadyen erzielte dabei alleine 52 von 96 Toren (in 38 Spielen) und wurde damit natürlich Torschützenkönig). Danach wurde der Verein in den Jahren 1952 und 1991 noch zweimal Pokalsieger.

   
Stadion:

Das Easter Road Stadium ist schon seit 1893 Heimat der „Hibs“. Die beiden Hintertortribünen müssten neuerem Datums sein und wirken trotz Ihrer begrenzten Kapazität aufgrund des Ober- und Unterrings recht imposant. Die Gegengerade ist noch eine alte Holztribüne und sehr klassisch. Die Haupttribüne müsste auch ein Neubau, zumindest aber komplett saniert sein. Sie ist ebenfalls in einen Ober- und Unterrang aufgeteilt. Die Kapazität des Stadions liegt bei ca. 16.000 Zuschauern und ist natürlich ein All-Seater. Absolut empfehlenswert!

 

 

 

Tageskilometer:     1.500 km Flug und 200 km Bahn von Edinburgh über Newcastle nach Berlin

Saisonkilometer: 15.919 km (10.218 km PKW, 2.081 km Bahn, 3.620 km Flugzeug)

 

Durch Wind und Regen schlenderten wir nach dem Spiel zurück zum Bahnhof um unser Gepäck auszulösen. Dort trafen wir dann noch auf einige Hibs-Fans, von denen uns einer stolz seinen Oberarm präsentierte. Die dort befindliche Schalke Tätowierung entzückte unsere Augen. War zwar nicht sonderlich sauber gestochen, aber immerhin schon seit mehr als 15 Jahren (Der S04 kickte da noch in Liga zwei) auf diesem Oberarm zu Hause. Für große Verbrüderungen blieb leider keine Zeit, denn der Zug zurück nach Nordengland rollte alsbald ein.

 

Clevererweise schickten wir schon mal eine Vorhut in Person von Sascha nach Newcastle um die dortige Hotel- und Publage zu sondieren. In Nordengland angekommen schallte erst mal eine lautes „Bielefeld“ durch die Bahnhofshalle. Dem ist anzumerken, dass der Vorbote in dieser Stadt seine Jugend verbrachte und der dort ansässige Verein für den kreativsten Schlachtruf der ganzen Bundesliga steht. Empfehlen sind die Fangesänge der Kurve in der Karaoke und der extra langen Version (kleiner Insider!). Aber zurück zu Newcastle, wo die Lage vor Ort ernst war. Hotelzimmer in der Innenstadt waren aufgrund irgendeines Festes nicht zu haben und zudem der Bahnhof erst am nächsten Morgen so spät öffnen würde, dass wir garantiert den Flieger verpasst hätten. Also mit Sack und Pack ab in die Innenstadt. Dort gab es Pubs in Hülle und Fülle, die waren nur rappelvoll. Irgendein Schuppen war dann aber nicht ganz so voll und durfte sich fortan über unsere Erscheinungsbilder freuen. Was sich auf den Straßen abspielte ist eigentlich unbeschreiblich. Eine einzige Presswurstparade. Jedes weibliche Geschöpf war mit hochhakigen Schuhen, einem Minirock und einem dermaßen engen Oberteil ausstaffiert, dass einen die Augen aus dem Kopf fielen. Nur ansehnlich war das zumeist nicht. Während uns die Menschen in Schottland noch sehr freundlich empfingen, war Nordengland ein ganz anderes Kaliber. „Fucking german bastards“ hörte wir an diesem Abend dreimal. Kurz nach Mitternacht sollte dann die letzte Metro Richtung Flughafen fahren und wir waren alle froh, dass die erste am Sonntagmorgen so spät fuhr, dass diese für uns eh nicht in Betracht kam. Dumm nur, dass Sascha zwar die richtige Abfahrzeit in Erfahrung brachte, aber vergaß zu fragen, dass diese auch wirklich bis zum Flughafen fährt. Nach zwei Stationen war die Fahrt also zu Ende und so musste ein Taxi für den Rest der Strecke herhalten.

Die Nacht verbrachten wir dann mehr oder minder in der Ecke schlafend und gegen 7:50 Uhr verließen wir den britischen Boden.

Besten Dank an die Berliner für die super gelungene Tour. Tokio wir kommen….:)

Grüße dann dieser Stelle an Guido, die Coburger, Winfried Michalski & Friends und an das Pärchen auf der Haupttribüne des Easter Road Stadiums.

 

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