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                   UEFA-Cup, Saison 04/05, 04.11.04                                  

 

   0:1  

 

 Heart of Midlothian - FC Schalke 04

 

Edinburgh, Murrayfield Stadium (27.272 Zuschauer)

 

...auf dem Weg nach Tokio....

 

 

Der Schalke-Fan an sich in ja eher ein Realist. Kaum waren die so wichtigen Punkte in Edinburgh eingefahren, da konnte man sich ja schon mal Gedanken über die Reiseziele von morgen und übermorgen machen. Das Ziel kann eigentlich nur Tokio heißen, unter keinen Umständen in dieser Saison, auch nicht unbedingt in der nächsten, aber spätestens zum Ende der Spielzeit 06/07 (müsste dann Anfang 2008 ausgetragen werden!) sollten die Tickets zum Weltpokalfinale gebucht werden.

Aber der Reihe nach! Für die Reise nach Edinburgh waren schnell zwei in Berlin lebende Schalker gefunden und so starteten der Mann von der Gesundheitsfront (Peter), Mr. Heimwerker El Presidente (Udo) unter meiner Reiseleitung am Donnerstag morgen von Berlin via Easyjet zunächst nach Newcastle. Dort weiter mit der Metro Richtung Central Station, wo die reservierten Zugtickets schon auf uns warteten. Die Fahrt mit der Bahn entlang der nordenglischen und südschottischen Küste bei herrlichstem Wetter war ein echter Genuss. Am Nachmittag erreichten wir dann Edinburgh, dass mit seinen 500.000 Einwohnern der kulturelle und administrative Mittelpunkt Schottlands ist. Der Fußmarsch hoch zum Castle war zwar nicht sonderlich lang, aber dank der vielen Steigungen doch sehr beschwerlich. Am Hostel angelangt waren wir erst mal angetan von der extrem guten Lage und dem äußeren Erscheinungsbild. Aber So ungefähr sah unser Zimmer aus :)wie oft wie Leben: Außen hui, innen pfui. Das Zimmer sah dann wie folgt aus: Sieben Doppelstockbetten auf engstem Raum, ein Stuhl und die Tür war nicht verschließbar. Egal, also schnell die Rucksäcke abgeladen und dann ab um die ersten schottischen Pints zu ordern.

Die ganze Stadt war schon voll von vollen Royal Blue’s und so war das gar nicht mal so einfach zur besten Tea Time noch ein freies Plätzchen in einem Pub zu finden. Gelang dann aber doch und ziemlich schnell kam man mit „gegnerischen Fans“ ins Gespräch. Ausnahmslos sehr nette Zeitgenossen die auch überraschenderweise gut zu verstehen waren. Während sich der blauweiße Anhang schon recht früh Richtung Stadion begab, ließen sich die Schotten doch erstaunlich viel Zeit. Nach einer etwas längeren Wartezeit am Gästeeingang betraten wir dann eine halbe Stunde vor dem Anpfiff das Murrayfield Stadium. Die Rucksäcke blieben dabei erstaunlicherweise unkontrolliert.

 

 

Spiel:

Nach einer äußerst dürftigen Anfangsphase war es denn Schotten vorbehalten den ersten Schuss aufs Tor abzugeben. Rost konnte den Ball aber zur Ecke lenken. Erst in den letzten Minuten der ersten Halbzeit schossen die Schalker auf das Gehäuse der Hearts. Zweimal ging der Schuss daneben, einmal hielt der Torwart. Der zweite Durchgang wurde mit einem Platzverweis (Gelb-Rot nach einer vermeintlichen Schwalbe) gegen einen Schotten eröffnet. Kurz darauf trat Oude Kamphuis den Pfosten und danach war erst mal wieder die Luft aus dem Spiel. Erst der 25-Meter-Schuss von Lincoln eine Viertelstunde vor Spielende brachte die Entscheidung.

Tore: 0:1 (75.) Lincoln

Stimmung:

Wenn mehr als die Hälfte der Plätze in einem Stadion frei bleiben, dazu noch etliche Blöcke gar nicht erst geöffnet wurden, muss die Stimmung zwangsläufig leiden. Dass der einheimische Anhang aber durchaus laut werden kann, erlebten die rund 3.000 mitgereisten Schalker einige Male. Sobald ihre Mannschaft mal einen gelungen Spielzug präsentierte waren die Schotten da und das phasenweise richtig gut. Der Support im Gästeblock war nicht schlecht, aber auch nicht gerade sensationell.

   
Vereine:

Vier Meistertitel und sechs Pokalsiege konnte Heart of Midlothian seit seiner Vereinsgründung im Jahre 1874 gewinnen. Trotz diesem sehr betagten Alters zählt der Club, der nach einem berühmten Tanzlokal in Edinburgh benannt wurde, eher zu den „jüngeren“ Vereinen. Edinburgh war und ist eine Rugbyhochburg und so konnte sich hier der Fußballsport erst mit einiger Verzögerung durchsetzen. Die sportlich erfolgreichste Zeit der Heart of Midlothian liegt rund hundert Jahre zurück. Zwischen 1891 und 1906 wurden sie zweimal Meister (1895 und 1897) und viermal Pokalsieger (1891, 1896 (3:1 gegen  Hibernian Edinburgh im einzigen schottischen Pokalfinale welches nicht in Glasgow ausgetragen wurde) 1901 und 1906. Eine weitere, aber kleinere Blütezeit erlebte der Verein zwischen 1956 (Pokalsieg gegen Celtic) und dem letzten Meistertitel im Jahre 1960. Seit 1890 spielten die Hearts ununterbrochen in der ersten schottischen Liga und 1977 folgte der erste Abstieg (1979 und 1981 folgten zwei weitere). Letzter Höhepunkt in der Vereingeschichte war der Pokalsieg gegen die Rangers 1996. Im Europapokal mussten sich die Schotten bislang viermal mit deutschen Teams auseinandersetzten (76/77 VfB Leibzig 5:1 (H) und 0:2 (A), 1. Runde; Hamburger SV 1:4 (H) und 2:4 (A), 2. Runde; 88/89 Bayern München 1:0 (H) und 0:2 (A), Viertelfinale und dem 00/01 VfB Stuttgart 3:2 (H) und 0:1 (A).

Im Mai 1904 (ob es wirklich der 4. Mai war, ist historisch nicht belegt) wurde der SC Westfalia 04 Schalke gegründet. Im Jahre 1912 schloss sich kurzeitig (bis 1913) die Fußballabteilung dem TV 1877 Schalke an. 1919 erfolgte die Fusion des TV 1877 Schalke zum TuS 1877 Schalke an. Ab 1924 nannte sich die Fußballabteilung FC Schalke 04. Insgesamt sieben Mal Deutscher Meister (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), viermal Pokalsieger (1937, 1972, 2001 und 2002) und einmal UEFA-Cup Sieger (1997). Die ganze Geschichte ist hier zu finden.

   
Stadion:

Das Murrayfield Rugby Stadium ist wie der Name schon sagt ein Stadion für den Rugby Sport. Erbaut wurde es 1925 und stetig ausgebaut. Mittlerweile fasst es 67.500 Zuschauer, ist komplett überdacht und wie in Großbritannien meist üblich ein All-Seater. Es unterteilt sich in einen Ober- und einen Unterrang. Ein durchaus sehenswertes Stadion.

 

 

 

Ohne Blocksperre oder sonstige Behinderungen ging es in einer größeren Gruppe wieder zurück Richtung Innenstadt um das fortzusetzen, was das der Stadionbesuch nicht zuließ. Aber die Lokalitäten rund um das Stadion waren bereits jenseits der Auslastungsgrenze und erst in einer Nebenstraße wurde man dann fündig. Den weiteren Verlauf des Abends stand ganz in Zeichen von Winfried Michalski, nach eigenen Worten, ein in Bochum lebender Polake. Ob Schotte oder Schalker, der ganze Laden hing an seinen Lippen und so manches Zwerchfell war dem Reißen nahe.

 

Tageskilometer:     1.500 km Flug und 200 km Bahn von Berlin über Newcastle nach Edinburgh

Saisonkilometer: 14.219 km (10.218 km PKW, 1.881 km Bahn, 2.120 km Flugzeug)

 
 
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